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In drei Handlungssträngen erzählt Regisseur Steven Soderbergh den aussichtslosen Kampf gegen die Drogen. Die Tochter des US-Drogenbeauftragten Wakefield (Michael Douglas) ist selbst abhängig und nähert sich immer mehr dem Abgrund. Gegen den reichen Drogendealer Ayala wird ein Verfahren aufgenommen, wodurch dessen schwangere Frau (Catherine Zeta-Jones) ins Visier mehrerer dubioser Geschäftspartner ihres Mannes gerät. Und in Mexiko ermittelt der Polizist Javier Rodriguez (Benicio Del Toro) gegen einen großen Drogenring, obwohl im klar wird, dass sein Chef, ein machthungriger General, selber mittendrin steckt.

Von Soderberghs hochgelobten "Out of Sight" wurde ich erst kürzlich herb enttäuscht, doch mit "Traffic" hat er einen Film abgeliefert, der mir gut gefallen hat und der sein Lob von allen Seiten verdient hat. Fernab von üblichen Klischees der anderen Genrevertreter inszenierte er ein realistisches Drama, dass ein Bild davon gibt, wie aussichtslos der Kampf gegen die Drogen in Amerika wirklich ist. Dazu wurde der Film sehr komplex angelegt. Konzentration ist oberste Priorität, ansonsten verliert man schnell den Faden. Glücklicherweise hat Soderbergh den jeweiligen Handlungen einen eigenen Stil verpasst, so dass man immer gleich weiß, wann wieder eine andere Geschichte einsetzt. Die Optik von "Traffic" wird man so schnell nicht wieder vergessen. In Mexiko wirken die Bilder bedrückend heiß und erinnern durch die starke Verfremdung an einen Experimentalfilm. In dieser Handlung wird ausschließlich Spanisch gesprochen (deutsch untertitelt), was der Atmosphäre nur zugute kommt. Die Story mit Michael Douglas wurde im Kontrast dazu in kühle Bilder, vorwiegend aus Blautönen bestehend, getaucht, wodurch das Ganze auf den Zuschauer ziemlich pessimistisch und trostlos wirkt. Am "normalsten" ist da noch die Geschichte um den Drogendealer Ayala, die eher auf gängige Muster setzt und die auch die einzigen richtigen Actionsequenzen zu bieten haben. Wer auf große Ballereien steht, sollte um "Traffic" lieber einen Bogen machen, denn Action wird nur ganz wenig geboten. Dafür umso mehr Spannung. Durch den Verzicht auf jegliche Klischees fühlt man sich wie in der Realität, die fast zweieinhalb Stunden vergehen wie im Flug. Leider zieht Soderbergh seinen Stil nicht bis zum Schluss durch, der dann völlig unpassend wie ein gewöhnliches Hollywood-Happy-Ende aussieht. Das ist zwar der einzig größere Kritikpunkt, gibt dem Film aber dennoch einen faden Beigeschmack und verweigert ihm den Ruf als Meisterwerk dann doch. Ich hätte mir ein offenes oder schlechtes Ende gewünscht.

Ein gewaltiges Star-Ensemble hat sich für "Traffic" zusammengefunden. Der berühmteste ist wohl Michael Douglas, der in seine Rolle perfekt passt und so überzeugend spielt wie immer. Seine Frau Catherine-Zeta Jones (die beim Dreh übrigens wirklich schwanger war) gefällt als starke, eiskalte High-Society-Lady. Am meisten Lob verdient sicherlich Benicio Del Toro, der für seine Rolle völlig zurecht den Oscar als bester Nebendarsteller einheimste. Zwar verzieht er so gut wie keine Miene, besitzt aber ein ungeheures Charisma und strahlt stets die Ruhe in Person aus. Die übrigen Schauspieler gefallen ebenfalls, Dennis Quaid hat man wohl etwas verheizt, der hätte auch einen größeren Part meistern können, so geht er etwas unter. Ach ja: Salma Hayek hat auch noch einen kleinen, aber feinen Gastauftritt.

Wer genug Sitzfleisch und die nötige Konzentration mitbringt, dem sei "Traffic" ans Herz gelegt. Die ungewöhnlich realistische Story wird jeden, der sich darauf einlässt, in den Bann ziehen und durch ihre eigenwillige Optik lange im Gedächtnis bleiben. Außerdem sieht man selten so viele große Namen in einem Film versammelt. Bloß wegen dem idiotischen Schluss könnte ich mich aufregen, ansonsten bekommt "Traffic" das Prädikat "besonders wertvoll", denn so realistisch und packend wurde das Thema bisher noch nicht dargestellt.

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