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"Traffic - Macht des Kartells" erzählt mehrere Handlungsstränge, die sich alle um die zentrale Thematik "Drogen“ drehen. Einige konsumieren sie, andere dealen mit ihnen und wiederum einige andere kämpfen gegen sie. Im Kreise der Protagonisten kann sich niemand wirklich als Hauptcharakter herauskristallisieren. Das liegt daran, dass die einzelnen Schicksale im Drehbuch alle ungefähr gleich gewichtet worden sind. Jeder der Handlungsstränge hat seine speziellen Vorzüge, wobei in jedem Emotionen eine große Rolle spielen. In jedem Falle geht es sehr menschlich und dramatisch zu und obwohl ein Kampf gegen die Drogen eigentlich aussichtslos erscheint, darf sich die Gefühlslage des Zuschauers mit dem Schluss wieder positiv stimmen. Das wäre jedoch gar nicht vonnöten gewesen, da die wirklich nährreichen Botschaften schon zuvor deutlich wurden.

Die Dramatik allein vermag hier aber nicht, "Traffic" in außergewöhnlich strahlendes Licht zu stellen. Vielmehr ist es die erfrischend unkonventionelle Optik, die perfekt mit der ebenso unüblich erzählten Gesamthandlung harmonisiert. Um die vielen Ortswechsel übersichtlich zu gestalten, nahm Steven Soderbergh so das Kolorit zur Hilfe. Befinden wir uns Mexiko und begleiten Polizist Javier Rodriguez (Benicio Del Toro) bei seinen Ermittlungen gegen ein Drogenkartell, dann präsentiert sich uns ein überhelles, blendend heißes Bild. Schauen wir aber dem US-Drogenbeauftragten Wakefield (Michael Douglas) über die Schulter, so sehen wir ein dank Farbfilter in türkis getränktes Bild, das eine sterile Kühle vermittelt. Ungeachtet dessen wählte man zudem als inszenatorisches Mittel in punkto Kameraarbeit die nicht statische, sondern wohl bewegliche Variante, um dem Ganzen, so kann man zumindest mutmaßen, eine leicht dokumentarische Richtung zu geben.

Das Darstellerensemble schließlich komplettiert den Film, ohne wirklich Wünsche offen zu lassen. Einen im Mittelpunkt stehenden Akteur gibt es zwar nicht, doch die Messlatte des schauspielerischen Niveaus liegt mit der abgeklärten und charismatischen Darstellung des mexikanischen Polizisten Javier Rodriguez bei Benicio Del Toro wohl am höchsten. Der Rest versteckt sich aber keineswegs und tritt durchweg ebenfalls ziemlich stark auf. Mit Hilfe der markanten Optik und der überzeugenden, inhaltlichen Tiefe ragt "Traffic" nun definitiv aus den gängigen Hollywood-Produktionen heraus, auch wenn der Schluss wiederum absolut der vorgeschriebenen Skizze der Traumfabrik gleicht - leider, muss man sagen.

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