Review

*enthält Spoiler*

Ach so, das sollte u.U. eine Satire sein?
Sowas muß man dem Rezipienten aber optisch oder erzählerisch irgendwie mitteilen, sonst merkt er das womöglich gar nicht.
So geschehen in „15 Minutes“ von John Herzfeld, einem geradezu bemerkenswert mißlungenen Beitrag zum Thrillerkino, in welchem die üblichen Mörderjagdelemente noch mit Medienkritik, philosophischen Ansätzen und Justizauswüchsen kombiniert werden.

Das meistgedruckte Standfoto zu diesem Streifen zeigt leider Robert de Niro und Edward Burns mit Knarren in der Hand auf die Straße laufend – selten konnte ein Foto mehr täuschen, denn mit einem handfesten Thriller hat man es hier nicht zu sehen. Stattdessen will das Drehbuch wohl verschiedene Figuren aus dem polizeilichen/krimellen Umfeld im Spiegel der Medien ausleuchten und scheitert in einer rauschenden Ballnacht.
Bemüht holpert der Film durch seine unterschiedlichen Episoden, stellt seine Figuren aus (nicht dar) und kann zu keiner einheitlichen narrativen Struktur finden. Soll ich jetzt als Zuschauer über das Gesehene lachen, grinsen, empört sein oder mit unterhalten lassen.
Nichts von alledem funktioniert, denn der Film sitzt mit seinem Arsch in einem Swimming Pool aus finstersten Hinterhofklischees und gibt ständig selbst Kopfschüsse in die Richtung guter Absichten ab.

Wir haben also: einen stattbekannten Medienstarbullen (de Niro), der ausgerechnet mit einer Crime-Journalistin den Ehebund plant und seine Stories an einen Boulevard-TV-Mann (Kelsey Grammer) verhökert. Gleichzeitig erhebt sich aus dem Sumpf gängiger Klosterschulen Edward Burns als aufrechter Strahlemann von der Brandaufklärung, weil die Mörder ihre Tatorte gleich noch abfackeln. Wenn der dann wie ein hechelndes Hündchen hinter de Niro herwackelt, weiß man, wo die Schmerzen herkommen.

Auf der gegenüberliegenden Seite haben wir die Mörder, einen Tschechen und einen Russen, die wohl per Bausatz zusammengefügt wurden. Beide verhalten sich schon beim Einreisecheck dermaßen abstrus, daß man sie erst mal festgesetzt und weitergeprüft hätte.
Später entpuppt sich der Russe als grenzdebiler Kamerafreak und Frank-Capra-Fan, der ständig mit seiner (geklauten) Kamera rumfuchtelt und dabei die Morde aufnimmt, die sein Kumpel Emil begeht, als er nach ewigen Zeiten endlich auf den Dreh gekommen ist, was er in den USA noch machen möchten.
Allerdings ist die ganze Konstruktion eine einzige Peinlichkeit (Konsum von Talkshows, Studium des Time Magazine), während er eine Zichte nach der anderen durchzieht und irre in die Kamera grinst.
Seine Absicht, sich als geisteskranker Killer fassen zu lassen, um dann dadurch freizukommen und eine Menge Geld über den Verkauf der Rechte zu machen, ist genauso hanebüchen wie reell und hat kaum Schock- oder Satirepotential.
Noch blöder ist da das finale Entzweien der beiden rund um die Regisseursnennung ihrer „Produktionen“.
Ach nee, noch blöder ist das Ende, in der der Eine den anderen erst beschuldigt und dann mit einer Waffe angreift...
Ach nee, noch blöder ist die kurzfristige Selbstjustiznummer, die Burns anschlägt, um de Niro zu rächen, der ihn a) schlecht behandelte und der b) nur ein Kotzbrocken war.
Ach nee, noch blöder ist sicherlich de Niros Hinrichtungsszene, die man im guten, alten amerikanischen Kontext so verklären muß, daß der gefangene Cop seine Henker mitsamt dem Stuhl, an den er gefesselt ist, erst noch angreift und fast zu Klump haut (den Tschechen hätte er überdies mit dem Stuhlbein durchbohren müssen), ehe er ein Messer in die Brust bekommt.
Und so weiter...

Das alles ist todernst gespielt und hat keinen satirischen Ansatz, den wir nicht schon in Sitcoms gesehen haben, ein Realismusansatz ist eh nicht vorhanden. Deswegen sind die Darsteller auch verschenkt, Burns schaut gut aus und betroffen drein, während de Niro zwischen Coparbeit und Egomanie schwankt. Grammers Anwesenheit bringt übrigens keinerlei Humor in die Handlung, die Auftritte von Kim Catrall, Charlize Theron und besonders Avery Brooks (der eigentlich immer nur rumschreit) sind komplett verschenkt.
Besonders putzig aber die Osteuropäer, die aussehen, als hätte man sie in einer vergessenen Kolchose aus irgendeinem Sping gekratzt.
So stellt sich also Amerika die große Bedrohung skrupelloser Menschen aus dem Osten vor, jetzt wo die Atomwaffenbedrohung schrumpft.

Ein rundrum mißlungener Film, der auch technisch (die Kamera-Optik-Szenen des Russen sind grauenhaft schlecht) nervt und mit seinem Spielerpotential alles im Morast versenkt. Gabs denn wirklich nichts Besseres auf dem satirischen Sektor....? (3/10)

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