Review

-- teils stark überarbeite Version meines ersten THIRTEEN DAYS Reviews --

Eines schönen Tages, hoch oben über Kuba. Ein amerikanisches U2 Aufklärungsflugzeug macht Aufnahmen von seltsamen länglichen Objekten in den Wäldern der Insel. Objekte, die sich später als sowjetische ballistische Boden-Mittelstrecken-Raketen der Klasse SS4 herausstellen!
Nicht nur das der Status Quo durch dieses Verhalten der Sowjets in John Kennedys Augen stark erschüttert wird, darüber hinaus befinden sich jetzt die USA fast vollständig im Gefahrenbereich dieser Raketen.
Eines steht fest: Diese Raketen müssen weg!
Begleitet von seinem Bruder Bobby, seinem Berater und engem Freund Kenny O'Donnell (Kevin Costner) und seinen Ministern (u.a. Dylan Baker als Robert McNamara) kämpft sich JFK (Bruce Greenwood) durch eine politische Schlacht, durchzogen von diplomatischen Gratwanderungen bei denen die Eskalation der Dinge (und somit ein möglicher dritter Weltkrieg) eine ständige Bedrohung darstellt.....

Regiesseur Roger Donaldson beschert uns mit THIRTEEN DAYS einen zum größten Teil überaus akkuraten historisch korrekten Rückblick auf die heißesten Tage des Kalten Krieges, auch wenn der Realismus hier und da für eine dichtere Atmosphäre und ein spielfilmtauglicheres Format gestreckt oder überzogen werden mußte.

CAST
Bruce Greenwood sowie sein Kollege Steven Culp (Bobby Kennedy) haben sich monatelang wie verrückt ind die Rollen der Kennedys eingearbeitet.
Sie haben sich gegenseitig mit den Namen ihrer Charaktere angeredet, sie haben als JFK und Bobby Kennedy oft spontan versucht ein Gespräch zu improvisieren und das Ergebnis ist perfekt! Beide liefern als die Kennedy-Brüder eine wunderbare Performance ab!
Für die ganz Kritischen: Achtet mal darauf wie sich Greenwood wenn er mal steht, oft irgendwo abstützt. Der echte Kennedy hatte nähmlich ein Rückenleiden welches ihm leichte Schmerzen bei längerem Stehen beschwerte. Das aber nur nebenbei...
Also, Greenwood und Culp: Einfach perfekt! Note 1!

Kevin Costner spielt Kenny O'Donnel, den Berater und engen Freund der beiden Kennedys. Wie gut Costner die Rolle traf ist leider recht schwer zu sagen, da über O'Donnel kaum Nähreres bekannt ist, was die Kuba-Krise betrifft.
Es hagelte hier und da Proteste, daß man sich entschloß diesen Charakter als Hauptfigur zu nehmen, welcher der Zuschauer durch die 13 Tage der Krise folgt. Es ist fakt, daß Costner's Charakter im Film viel zu wichtig und komplex dargestellt wird, als er wirklich damals war.
Nun mag das die Geschichts-Fetischisten ärgern, aber es dient dem Film als Unterhaltungsevent ungemein.
Nun kennt man den sympathischen, golfenden Boston-Cowboy hauptsächlich aus Filmen wie WATERWORLD oder POSTMAN, aber Filmfans wissen ja was er 1991 für eine Performance in Stone's JFK gezeigt hat, und solche dürfte es auch nicht überraschen, wenn ein großer Teil der Atmosphäre und Spannung von THIRTEEN DAYS von den Schultern Costners getragen wird. Definitiv eine Bereicherung für den Film! Note: 2+!

Es gibt eigentlich kaum einen Schauspieler (in den größeren Rollen) der seinen Job schlecht macht.
Bill Smitrovich (u.a. bekannt als Bob Bletcher aus der US-Serie "Millennium") als General Maxwell Taylor ist einfach die Optimal-Besetzung!
Hin und her gerissen zwischen seiner Loyalität der Kennedys gegenüber und den militärischen Hardlinern in der US-Army deren Meinung er dem Präsidenten vortragen muß ist Maxwell Taylor eine der interessantesten Figuren in dem Film, und Smitrovich brilliert wie selten zuvor!
NOTE: 2
Dann wäre da noch Dylan Baker (THE CELL) als Verteidigungsminister Robert McNamara, der ebenfallseinfach umwerfend schauspielert! Ob im Clinch mit dem Admiral der Navy, oder als Ideengeber in den hitzigen Debatten im Weißen Haus, Dylan Baker verkörpert ganz klar einen meiner Lieblingscharaktere in THIRTEEN DAYS!
NOTE: 1

Aber auch die vielen kleineren Rollen bereichern den Film ungemein.
Sei es Boris Krutonog (auch bekannt aus Millennium oder Jag auf Roter Oktober)) als Spion Alexander Fomin, oder Oleg Vidov der dem russischen Botschafter Valerian Zorin Leben einhauchte und sich mit Michael Fairman als UN-Vetreter Adlai Stevenson ein Rhetorik-Gefecht erster Güte liefert.
Und dann noch die vielen anderen großen und kleinen Rollen; Stephanie Romanov als Jackie Kennedy, Henry Strozier als Dean Rusk oder Kevin Conway als General LeMay, vom Schauspielerischen her ist THIRTEEN DAYS einfach nicht zu toppen! Grandios! Und es gab keine einzige fucking Oscar-Nomi!


CREW
Der australische Regiesseur Roger Donaldson zeigte bereits mit Filmen wie DANTE'S PEAK (1997) oder SPECIES (1995) sein Können.
Nun schlägt THIRTEEN DAYS in eine etwas andere Genre-Sparte, und hier explodiert Donaldson geradezu! Zusammen mit Screenwriter David Self und seinem weiteren Produktionsteam hat Donaldson etwas erschaffen was ICH (sorry) ihm wirklich NICHT zugetraut hätte (ist ja nicht so, als wären D.PEAK oder SPECIES absolute Top-Hammer....)

Kameramann Andrzej Bartkowiak dürfte den Actionfilm-Fans von Filmen wie ROMEO MUST DIE oder EXIT WOUNDS bekannt sein, bei denen er sogar auf den Regiestuhl kletterte. Seine exzellente Kamerarbeit sorgt aber schon seit viel längerer Zeit für Kino der Extraklasse, wie z.B. in IM AUFTRAG DES TEUFELS, LETHAL WEAPON 4, SPEED oder auch FALLING DOWN.
Sein Können zeigt sich auch in THIRTEEN DAYS. Wenn es keine Unmengen an Special-Effects oder Fights und Schießerreien zu inszenieren gibt, muß man sich schon sehr anstrengen, um die 120 reinen Dialog-Minuten in THIRTEEN DAYS fesselnd in Szene zu setzen. Andrzej (gesprochen: 'An-djei') löste dies mit Bravour!

Komponist Trevor Jones (CLIFFHANGER, ANGEL HEART) beschert uns leichtverdauliche Musik-Kost, die leider nur leicht aus der Mittelklasse herauslugt. Meine Lieblingsbesetzung für THIRTEEN DAYS wäre APOLLO 13 Komponist James Horner gewesen, oder auch Howard Shore (SIEBEN, HERR DER RINGE). Vielleicht hätte sogar Action- und Bombast-Spezi Hans Zimmer etwas mehr Kick reinbringen können.
So bleibt das THIRTEEN DAYS Score aber eines derjenigen,die nie den Weg in mein Regal finden werden. Sorry.


DER FILM
Man fragt sich schon wie ein Film so toll sein kann, wenn er so gut wie nur aus Gerede besteht. Irgendwie schaffte es THIRTEEN DAYS aber mich wie gebannt an den Kinosessel zu fesseln. Die Tatsache das sich die Dinge damals wirklich dermaßen zuspitzten und das ständige Einstürzen der Hoffnungen die eben noch so greifbare Endlösung zu erreichen schleifen die Nerven ziemlich blank.
Obwohl das Ende mehr oder weniger bekannt sein dürfte, spannt THIRTEEN DAYS den Spannungsbogen doch ziemlich weit.
Ein meisterlich komponierter Film, an dem einfach (fast) alles stimmt!

Einige meiner Freunde, die sich auch gerne mal Filme wie JFK oder NIXON ansehen fanden THIRTEEN DAYS allerdings grottenschlecht.
Es ist bekannt, dass Meinungen relativ sind, aber daß Menschen die gleichermaßen Fans von guten Polit-Thrillern sind sich dermaßen an einem Film wie THIRTEEN DAYS scheiden können ist mir ein Rätsel. Vielleicht lag's daran, daß sie nur die deutsche Synchro-Version kennen.

Auch wenn die Einspielergebnisse damals (erwartungsgemäß) niedrig waren (jedenfalls hierzulande), steht THIRTEEN DAYS für mich im Genre der Polit-Thriller GANZ GAAAAANZ oben!
Ein super-spannender Politik-Krieg bei dem man nebenbei noch eine Menge lernen kann. Nach meinem Geschmack hätte er ruhig NOCH ein Zacken länger sein dürfen! Ich hätte gerne 180 Minuten Kuba Krise gehabt. Oder warum nicht gleich 240 Minuten, häh? Ich meine das wirklich ernst! Ich würd'd mir angucken!

Kurz angemerkt:
Wer kann sollte es möglichst vermeiden sich die deutsch synchronisierte Fassung anzuhören. Recht lieblos übersetzt, ungewollt verfälschend und die Atmosphäre leidet ENORM!


(C) 2001

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