1962: Während des Kalten Krieges entdecken die Amerikaner auf Kuba russische Mittelstreckenraketen, die auf Florida gerichtet sind. Bruce Greenwood spielt John F. Kennedy, den amtierenden Präsidenten, der nun zusammen mit seinem Bruder, gespielt von Steven Culp, und seinem engsten Berater, gespielt von Kevin Costner, versucht die Sowjets zu einer Abrüstung zu überreden und einen Ausbruch des Kalten Krieges zu verhindern. Es beginnen überaus heikle 13 Tage.
Polit-Kino ist ein undankbares Genre. Zunächst einmal muss ein schmaler Grat zwischen der Wiedergabe historischer Fakten und einem hohen Unterhaltungswert gemeistert werden, woran bereits viele Projekte früh scheitern und dann müssen sich auch noch genügend Zuschauer finden, die sich den Film im Kino ansehen, da die Einspielergebnisse bei Filmen des Polit-Genres in der Regel sehr dürftig sind. Umso beachtlicher ist es, dass sich Kevin Costner als Produzent und Hauptdarsteller voll hinter das Projekt stellte und es vorantrieb, auch wenn das Einspielergebnis nicht gerade hoch war, hat es sich dennoch gelohnt.
Der Film setzt sich von Anfang bis Ende mit der Kubakrise auseinander, liefert die Fakten verständlich und interessant, lässt es dabei aber auch nicht aus, die Kennedys und den engsten Berater der beiden, Kenneth O`Donnell, mit der nötigen Tiefe zu konstruieren. Man hat zu keinem Zeitpunkt den Eindruck, eine Station der Kubakrise zu verpassen, auch wenn die Sichtweise der Russen nicht gezeigt wird. Man nimmt sich eine große Faktenfülle vor, vielleicht auch ein bisschen zu viel, denn der Film richtet sich ganz klar an eine Zielgruppe, der der Kalte Krieg in groben Zügen geläufig ist und wird denen, die sich nicht für diesen interessieren auch nicht gefallen. Da man vor allem die Figur des Kenneth O`Donnell vertieft und seine private Seite zeigt, ist auch der menschliche Aspekt durchaus enthalten und eine Identifikation mit den Figur gegeben, ohne die der Film wohl ziemlich trocken geworden wäre. Glorifiziert wird dabei keiner der Beteiligten und der Druck, der damals auf die Kennedys ausgeübt wurde, die keinen Erstschlag durchführen wollten, kommt ebenfalls zur Geltung und damit enthält die Story alles, um die Kubakrise interessant auf die Leinwand bringen zu können.
Mit Roger Donaldson wählte man sich einen routinierten Regisseur aus, der mit "Die Bounty", "No Way Out" und "Species" bereits Erfahrungen in den unterschiedlichsten Genres sammeln konnte. Die Inszenierung ist alles in allem sehr souverän geworden. Donaldson hält das Erzähltempo anfangs sehr hoch und nutzt die Bedrohung durch die Raketen und die Gefahr, dass der Kalte Krieg doch noch ausbrechen könnte gut aus, um eine gespannte Atmosphäre aufzubauen, die er aufrechterhalten kann. Damit entsteht eine ziemlich spannende Geschichtsstunde, die sich durchaus sehen lassen kann. Die Dialoge und Diskussionen haben genau die richtige Länge, jede Szene bringt den Film ein Stückchen voran und auch am dramatischen Aufbau gibt es nichts zu bemängeln. Donaldson verirrt sich zu keinem Zeitpunkt in der komplexen Krise und behält bis zum Ende den roten Faden in der Hand. Leider gibt es dennoch ein paar Längen, da dieselben Diskussionen mehrfach geführt werden, dieselben Argumente immer wieder gebracht werden und der Film so leicht redundant wird, aber ein paar kleine Längen lassen sich bei einer Lauflänge von über zwei Stunden durchaus verzeihen.
Bruce Greenwood ist hier in der wohl besten Rolle seiner Karriere zu sehen und bringt John F. Kennedy rundum überzeugend auf die Leinwand. Dabei gefällt er vor allem aufgrund seines realistischen Spiels. Dasselbe gilt auch für Kevin Costner, der die Sympathie des Zuschauers überzeugend auf sich zieht und sich nach "JFK - Tatort Dallas" erneut mit dem verstorbenen Präsidenten beschäftigt. Und auch der restliche Cast ist mit guten Darstellern besetzt, die ihre Rollen realistisch spielen und dem Film so teilweise einen dokumentarischen Charakter lassen.
Fazit:
Mit "Thirteen Days" gelingt der schmale Grat zwischen einer detailgetreuen, historisch korrekten Wiedergabe der Kubakrise, die durchaus interessant geworden ist und einem spannenden Polit-Thriller, der lediglich ein paar kleinere Längen aufweist und darüber hinaus auch darstellerisch zu gefallen weiß.
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