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„Exit Wounds“ ist Steven Seagals mainstreamigster Film, was vor allem an der Tatsache liegen dürfte, dass Action-Veteran Joel Silver die Produktion übernahm.
Orin Boyd (Steven Seagal) ist ein wachsamer und aufrechter Cop. So fallen ihm auch sofort einige Polizisten auf, die sich bei der Eskorte eines Senators merkwürdig verhalten. Boyd folgt der Truppe lieber und es stellt sich heraus, dass die vermeintlichen Cops Attentäter sind. Nachdem diese die echten Polizisten in der Eskorte erledigt haben, muss Boyd die Killer im Alleingang besiegen. Schon mit diesem Auftakt legt „Exit Wounds“ gut vor: Der Überfall, bei dem die Killer auch noch Luftunterstützung durch einen Hubschrauber bekommen, findet auf einer Brücke statt, die bald nicht mehr befahrbar ist. Diese Situation bietet vor allem etwas für Fans ordentlicher Shoot-Outs.
Zur Strafe wird Boyd in das 15te Revier versetzt, in dem sich die übertrieben gewalttätigen Bullen nur so tummeln. Bei seiner Chefin (nicht nur James Bond, sondern auch Seagal muss sich inzwischen mit weiblichen Vorgesetzten herumschlagen) macht sich Boyd auf Anhieb durch Lästereien unbeliebt und dann versaut er seinem Kollegen Montini (David Vadim) auch noch drei Monate Undercover-Arbeit. Zur Strafe wird Boyd nicht nur zur Gewalttherapie geschickt, sondern muss auch als Streifenpolizist Dienst schieben (dabei darf Boyd feststellen, dass mit blutrünstigen Killern einfach umzugehen ist als mit wütenden Autofahrern). Hier wird auch klar, dass „Exit Wounds“ der humorvollste Seagal-Film ist. Vor allem in der Therapiegruppe ist es unheimlich witzig, wenn unser Actionheld mit wütender Stimme verkündet er sei nicht aggressiv. Außerdem lernt Boyd hier den Moderator Henry Wayne (Tom Arnold) kennen, der für weitere witzige Momente sorgt. Denn wayne ist ein Angeber und Feigling, wie er im Buche steht.

Der zweite, wichtige Charakter ist der Dealer Latrell Walker (DMX), der mit korrupten Cops aus dem 15ten Revier einen Drogendeal abwickeln will. Boyd kommt den Cops auf die Schliche und versucht ihnen das Handwerk zu legen.
Mit dieser Grundkonstellation geht „Exit Wounds“ an den Start. DMX darf nach der Generalprobe, dem Kurzauftritt in „Romeo must die“, eine etwas größere Rolle für das Team aus Produzent Joel Silver und Regisseur Andrzej Bartkowiak spielen und kräftig zum Soundtrack des Films beitragen. Als Comedic Sidekick wurde ihm Anthony Anderson (ebenfalls aus „Romeo must die“ bekannt) zugeteilt, der den herrlich dreisten Clubbesitzer T.K. spielt. So bringt dieser den Verkäufer von Nobelkarossen zur Weißglut, als er bei einem Autokauf von Walker die anderen Käufer belästigt, dreist rumprollt und die Autoradios mit lauter Hip Hop Musik testet.
Eine weitere komödiantische Rolle spielt (wie oben bereits erwähnt) Tom Arnold: Ähnlich wie Anderson gibt auch den dreisten Typen, der seinen großen Worten selten Taten folgen lässt. Doch genau diese Art von witziger Rolle passt auf Tom Arnold, wie er bereits in nicht ganz so karikierender Form in „True Lies“ zeigte. DMX spielt mit ganzen 2 Gesichtsausdrücken und wird sogar von Seagal überboten, der durch seine Leinwanderfahrung wohl auch schauspielerisches Talent aufgenommen hat. Doch auf die Leistungen der Darsteller kommt es bei „Exit Wounds“ nicht wirklich an.

Die Action bietet Silver-typisch vor allem Schießereien, aber auch einige Nahkämpfe und Verfolgungsjagden. Das Ganze ist zwar nicht weniger deftig als in den alten Seagalkrachern, aber die schnelle Schnitttechnik von Regisseur Bartkowiak mildert das Geschehen doch ein wenig ab. So sind blutige Einschüsse nur kurz zu sehen und auch ausgiebige und harte Nahkämpfe á la „Zum Töten freigegeben“ sucht man vergeblich. Doch die mainstreamige Inszenierung (und die damit verbundene Kohle) bietet Raum für sehr viel mehr Action als in den älteren Werken Seagals.
Regisseur Bartkowiak wurde glücklicherweise bei der Arbeit auf die Finger geschaut, so dass „Exit Wounds“ nicht zu einem „Matrix“-Abklatsch á la „Romeo must die“ wird. Lediglich zwei Drahtseilaktionen darf Seagal vollführen und selbst die passen nicht wirklich.
Musikalisch unterlegt wird das Ganze mit Hip Hop, größtenteils brachialer Rap, der auch ganz gut ins Geschehen passt. Mir persönlich hätte Rock oder Metal besser gefallen, aber da die gewählte Musik ganz gut ins Geschehen passt, kann man sich eigentlich nicht beklagen.

Mit „Exit Wounds“ feiert Seagal das Comeback, dass er verdient hat. Auch wenn die ganzen harten Fans vermutlich unglücklich über die Anpassung ihres Idols sind, qualifiziert sich Seagal mit „Exit Wounds“ für etwas massentauglichere Actionfilme als früher; „Exit Wounds“ ist ein typischer Joel Silver Streifen für Fans dieser Art von Film.

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