Die Aufhebung der Rassentrennung ist eines der wichtigsten Ereignisse in der Geschichte der menschlichen Emanzipation und Aufklärung und damit ein bedeutender Schritt hin zum neuen globalen Bewusstsein. Die frühen Siebziger spielten da gerade in den USA im Zuge der Liberalisierung, nicht zuletzt auch als Reaktion auf den Medienkrieg von Vietnam, eine ganz herausragende Rolle. Reaktionen bildeten sich auf allen Seiten und verhärteten die Fronten. Black Panthers, Blaxploitation, auf der Gegenseite die Ku-Klux-Bewegung.
Basierend auf einer wahren Begebenheit, macht es sich Boaz Yakins Film nun zur Aufgabe, einen Wendepunkt hin zur Gleichberechtigung zwischen Weißen und Schwarzen zu markieren, und zwar ausgehend von der Mikroperspektive, also einem bloßen Detailausschnitt. Dieser findet sich in einer nahezu revolutionären Regelneuauslegung, nämlich der Gestattung des Zugangs Schwarzer zu einer Südstaatenschule, die bislang Weißen vorbehalten war. Und da viele Stipendien hier auch über den Football führen, ergibt sich die perfekte Ebene für ein Sportlerdrama mit historischem Hintergrund.
Denzel Washington ist nicht zuletzt durch seine Zusammenarbeit mit Spike Lee („Malcolm X“) dafür offensichtlich der richtige Mann. Allerdings ist gleichzeitig das Problem zu befürchten, dass sich für alle Filme des Genres als größte Hürde stellt: das Vermeiden von Klischees. Und dieser Aufgabe ist „Gegen jede Regel“ wie zu erwarten nicht gewachsen.
Ausgangspunkt dafür ist schon alleine die Betrachtung einer einzelnen Footballmannschaft, deren angelernter Zusammenhalt eine ganze Stadt anstecken soll. Nun braucht Emanzipation aber Zeit, und die hat der Film nicht. Als Sportlerdrama ist er maximal auf eine Saison ausgelegt, und um das letztendliche Resultat dem Aufwand des Filmes gerecht werden zu lassen, müssen sich Weiße und Schwarze am Ende glücklich in den Armen liegen und ihre Hautfarben vergessen lassen.
Aber nicht nur in der Gesamtbetrachtung ist der eher evolutionäre Prozess auf Revolution ausgelegt, auch im Detail geht das alles ein bisschen schnell. Bei der Zusammensetzung der Teams hat man beinahe ein Schachfeld vor sich, dessen konkurrierende Parteien sich gegenseitig auf den Füßen stehen. Sogar an zwei Könige hat man gedacht, denn es ist zunächst auch ein Kampf der beiden Coaches Bill Yoast (Will Patton) und Herman Boone (Denzel Washington). Der Zusammenschluss des einst weißen Teams zu einem gemischten wird von einer unsichtbaren Kraft, dem Staat, hineingetragen und von niemandem wirklich begrüßt. Anzumerken sei dabei, dass die Weißen in der Breite als uneinsichtige Südstaatenyankees angelegt sind. Rufnamen wie „Neger“ sind an der Tagesordnung und lassen nach heutigen Maßstäben mehrmals aufhorchen. Allerdings bringt Pattons Figur von Beginn an die Bereitschaft zur Toleranz mit, während er von seinen Beistehenden dazu angehalten wird, die Afroamerikaner anzufechten, weil die Regierung glaubt, ihnen zu deren Gunsten die Jobs wegzunehmen. Ganz anders Coach Boone, denn der ist als Begünstigter ebenso wenig angetan von dem Arrangement, weil ihm selbst in der Kindheit Ähnliches widerfahren ist.
Schon hier verfehlt der Film die Möglichkeit, sich durch Authentizität vom Genre abzuheben, denn Washington liefert in seiner Rolle das, was man von ihm erwartet hat – einen Saubermann. Er ist der Einzige, der von Beginn an nicht in Farben denkt und beim Rest der Truppe das Potential herauskitzelt, genauso zu denken – was zweifellos gelingt. Und zwar schon in der ersten halben Stunde, die sich um ein Trainingslager dreht, in dem sich die durchgemischten Jungs zusammenraufen. In Anbetracht der aufgestauten Vorurteile über Generationen hinweg ist das schon ein starkes Stück.
Ausgehend von dem Ziel, im Rahmen nur eines einzigen Trainingslagers eine Einheit aus dem Haufen zu machen, verlaufen sehr viele Konfrontationen zwischen einzelnen Spielern im Sand. Es bleibt einfach nicht die Zeit, sie weiterzuverfolgen, und so raufen sich zwei Jungs, die sich ziemlich deftig in die Haare bekommen haben, einfach so mit einem Handschlag wieder zusammen. Und dieser zeitbedingte Bruch der Handlungsfolgen führt nun unweigerlich zu Klischees, eben nach dem Motto „war ja klar, dass die sich wieder vertragen.“
Um den Klischees entgegenzuwirken, werden einige gängige von ihnen absichtlich aufgeworfen, um sie radikal zu brechen. Zu nennen wäre da etwa der einsetzende Gesang des Schwarzen im Bus, dessen Harmonie dann ganz unerwartet von einem anderen Schwarzen mit einem „Jetzt führ dich nicht auf wie ein Bimbo“ abrupt durchstoßen wird. Nur ist das so konstruiert, dass es nicht glaubwürdig wirkt.
Etwas besser funktionieren einige Dialoge. Der Versuch der beiden weißen Spieler, Coach Boone ihren Willen aufzudrücken, wird mit einem geschickten Konter abgewehrt. Neben der Aussage, nämlich das unebene Feld zur Gleichberechtigung zu führen, wird hier erstmals dieses Power-Gefühl vermittelt, das für Sportlerdramen ungemein wichtig ist und hier glücklicherweise bis zum Ende immer wieder aufkommt, wenn man sich in den letzten Minuten auch mit Originalität etwas zurückhält und eher auf Altbewährtes wie den verletzten Teamkameraden zurückgreift.
Interessant ist es, dass auch weitere Minderheiten in das Gesamtkonstrukt einfließen. Mit Ethan Suplee wird der enorm Übergewichtige in den Film integriert, ein anderer lässt homosexuelle Züge vermuten, was aber nie ganz aufgeklärt wird, weil es ja eben der Aussage entsprechend nicht wichtig ist. Bezeichnend ist, dass ausgerechnet ein Schwarzer nun unbedingt wissen will, ob sein Teamkollege nun schwul ist oder nicht.
Weiterhin wird das Team einmal der Freundschaft zwischen zwei Spielern vorgezogen, die Töchter der beiden Coaches treffen aufeinander und damit auf eine vollkommen fremde Welt, die Freundin eines weißen Spielers tut sich schwer damit, einem schwarzen Teamkollegen die Hand zu schütteln und Barbesitzer bestehen nach wie vor darauf, sich ihre Gäste aussuchen zu dürfen. All diese eher peripheren Ansätze funktionieren wunderbar, weil sie sich angenehm an die Hauptthematik anschmiegen und sie noch insofern ausbauen, als dass Gleichberechtigung eben nicht nur zwischen Schwarz und Weiß ausgetragen wird.
Weiterhin tat Boaz Yakin gut daran, den Zusammenhalt des Teams nicht etwa mit dem Trainingslager schon zu festigen, sondern ihn durch die Konfrontation mit der Gesellschaft auf die Probe zu stellen. Denn, und das ist auch im wahren Leben so, es ist etwas ganz anderes, ob sich Schwarze und Weiße nun isoliert von der Gesellschaft zusammenraufen, oder ob sie das auch inmitten anderer Menschen vermögen, die nicht ihrem Kreis angehören.
Die Auflösung dieser Problematik jedoch, und hier wiederholt sich dann zum ersten Mal die große Schwäche des Films, ist in Hinblick auf den positiven Ausgang wieder sehr forciert. Das Coach-lose Treffen des Teams in der Halle mit anschließendem rituellem Gesang, der dann peinlicherweise auch noch auf die Spiele übertragen wird, wirkt wieder sehr klischeehaft und setzt den gut aufgebauten Storybogen wieder in den Sand. Genau hier nimmt man dem Team den Zusammenhalt nicht mehr ab, sondern weiß, dass das Team nach den Drehbuchvorgaben handelt.
Die eigentlichen Spiele - wenn ich mich recht erinnere, drei an der Zahl - genießen eher sekundäre Aufmerksamkeit und sehen relativ zu Highlights wie „Any Given Sunday“ betrachtet eher unspektakulär aus. Das Spiel an sich ist uninteressant, und so bekommen wir kaum Weitwinkelaufnahmen geboten, sondern stattdessen viele Close Ups, bei denen jeweils nur die signifikanten Handlungen aufgenommen werden, die die Aussage untermauern. So wird beispielsweise gezeigt, wie Ethan Suplee seinen Gegenspieler durchlässt, weil es ihm zuvor von seinem Quarterback befohlen wurde. Eben alles, was die Beziehungen zwischen den einzelnen Akteuren beeinflusst. Gesagt sei deswegen, dass „Gegen jede Regel“ nichts für Football-Puristen ist, denn die Spielszenen unterliegen stets dem Kampf um Gleichberechtigung.
Mit dem Endspiel und seinem Drumherum begibt man sich leider vollends in die Trampelpfade der Genrevertreter, denn hier lebt der Film nur noch von seinen sportlich begründeten Emotionen. Der Siegeswille ist es, der hier wieder auf dem obersten Rang steht, womit sich dieser Teil nicht nennenswert von Beiträgen wie „Waterboy“ oder „Helden aus der zweiten Reihe“ abhebt. Der perfekte Season Record ohne Niederlage darf dafür als Symbol dafür verstanden werden, dass das Team, allen voran Coach Boone nie aufgehört hat, an sich zu glauben; und damit daran, dass mit knallhartem Durchhaltevermögen auch der Frieden zwischen den schwarzen und weißen Fronten einkehren kann.
Am Ende scheitert der Film jedoch daran, unbedingt die komplette Umwälzung einer ganzen Stadt bezüglich der Eingliederung Schwarzer in den Alltag der Weißen einfügen zu müssen, denn so setzt sich „Gegen jede Regel“ ein zu straffes Zeitlimit, in dessen Grenzen es einfach unmöglich ist, Klischees zu umgehen. Wenn auch filmisch vielleicht etwas unvorteilhaft, wäre es doch vielleicht sinnvoller gewesen, nur einen kleinen Schritt hin zur vollständigen Eingliederung zu zeigen und nicht ganz so viel Verantwortung auf die Schultern eines einfachen High School-Footballteams zu verfrachten. Denn rein technisch ist es ein guter Film geworden: der Zeitgeist wurde mehr als zufriedenstellend eingefangen, Yakins Regie ist gelungen und gute Schauspieler werten den Film auf. Nur nennenswert aus der Masse herausheben kann er sich eben nicht, denn dazu wurde das Primärziel zu weit verfehlt.