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"The Bronx" läutete den Polizeifilm der 80er Jahre ein, noch dazu als ein recht ernstes und unterhaltsames Projekt, daß zwar nirgendwo so richtig zuzuordnen ist, aber dennoch nie schwächelt.
Problematisch ist natürlich, daß mit Paul Newman hier ein Mega-Actor die Hauptrolle gibt und so wird der Film dann auch nur zum Teil Schilderung des Polizeialltags, Studie über die Polizei, Abbild der Situation in der halbzerstörten Bronx, aktuell-kritischer Film, sondern stets auch ein einfühlsames Portrait eines gleichermaßen erfolgreichen und gescheiterten Mannes.

Diese "Von-allem-ein-wenig"-Masche macht den Film in sich wenig gebunden, zerstört aber nicht den Reiz des Milieus. Newmans Bulle, seine Frustration und Resignation, sowie sein geschulter Umgang mit dem Street Life sind das ständige Center dieses Films, angefangen bei einem Doppelmord an zwei Kollegen, bis hin zu Krawallen und einem Mord von Kollegen, den er decken soll. Dieser moralische Zwiespalt wandert jedoch auch vom Zentrum wieder an den Rand, während die unglückliche Beziehung mit einer Krankenschwester seinen Lauf nimmt.

Ebenso abwechslungsreich wie die Aussage, ist auch die Struktur des Ganzen, die viele Szenen, die zusammengehören, geschickt aneinanderreiht, den Faden jedoch nie verliert, obwohl sich die Stränge bisweilen kaum kreuzen, sondern nur berühren. Der Doppelmord z.B. wird nie aufgeklärt, obwohl wir den weiteren Werdegang des Täters durch den ganzen Film am Rande der sonstigen Ereignisse mitverfolgen dürfen. Andererseits löst dieser Mord sämtliche anderen Handlungsstränge erst aus, da die Polizisten sowohl hochmotiviert als auch wutentbrannt arbeiten, angetrieben von einem neuen Vorgesetzten, der in dieser Umgebung fremd ist.

Newman ist so knurrig und lakonisch wie in vielen seiner Filme aus den Siebziger und Achtzigern und niemand spielt hier gegen ihn an. Stattdessen behaupten sich alle neben ihm. Edward Asner paßt hervorragend als Polizeichef, während Ken Wahl als Newmans junger Partner leicht zu kurz kommt Rachel Ticotin ist hervorragend als Nurse, während eine glanzvolle Pam Grier als komplett zugedröhnte und durchgeknallte Nutte die besten Szenen abfährt.
Der Härtegrad ist nicht von schlechten Eltern, obwohl sich hier nicht in Grausamkeiten ergangen wird, bleibt die Realität der Straße doch ständig fühlbar. "The Bronx" ist ernstes und ernsthaftes Kino, doch unterhaltsam zugleich, einer der wenigen Vertreter, ehe das Genre phantastisch wurde und die Cops überlebensgroß, ähnlich "Prince of the City", "Leben und Sterben in L.A." und "8 Millionen Wege zu sterben". Aber 1981 hatten die 80er ihre Unschuld auch noch nicht verloren. (7/10)

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