Nach Hits wie "Bad Boys" und "The Rock - Fels der Entscheidung" ist der Golddetektor von Regisseur Michael Bay mit diesem Pseudo-Historienfilm diesmal auf Blech gestoßen. Diese erbärmliche Film-Vernichtungsmaschinerie von Bruckheimers Regie-Psychopathen Bay ist nicht das Zelluloid wert, auf das sie gebannt ist. "Pearl Harbor" ist von Anfang bis Ende im Stile eines Trailers geschnitten, letztlich eine Art Anti-Film der Superlative, die totale Verneinung von allem, was Kino faszinierend macht.
Aber eine Story gibt es trotzdem noch:
Während in Europa die Hölle los ist, schieben die Amerikaner auf Pearl Harbor eine ruhige Kugel. Vor allem die Flieger-Freunde Rafe (Ben Affleck) und Danny (Josh Hartnett) machen Späße mit ihren Flugmaschinen. Zudem ist Rafe noch mit der Krankenschwester Evelyn (Kate Beckinsale) zusammen. Als Rafe dann aber für England in die Schlacht gegen das braune Gesocks ziehen will, muss er sich von seiner Liebe verabschieden. Als es dann aber von der britischen Front heißt, dass der gute Rafe ins Gras gebissen hat, dauert es nicht lange, bis Evelyn mit Danny in die Kiste hüpft. Kurz darauf kehrt der totgeglaubte Rafe jedoch zurück und kloppt Danny gleich eines auf die Zwölf. Viel Zeit zum Zanken haben die beiden aber nicht, da schon der böse Japaner im Anflug ist, um den Amis seine Bomben vor den Bug zu knallen...
War Ben Affleck (Daredevil) in "Armageddon" noch ein passabler Nebendarsteller, so verbockt er es als Hauptdarsteller mit seiner Nullmimik. Aber was zum Teufel macht Josh Hartnett (Black Hawk Down) in diesem Film. In solchen Rollen wollen wir Kerle. Und zwar ganze. Dennoch werden die minderjährigen Girlies mit Sicherheit auf ihn stehen. Für das männliche Publikum gibt es lediglich Kate Beckinsale (Underworld) als Medizinschubse und Jennifer Garner (Elektra) in einer Nebenrolle. Und für "Jerry Maguire" erhielt ein gewisser Cuba Gooding Jr. (Rat Race) noch den Oscar. Doch hier spielt er die übliche Klischeerolle des schwarzen Schiffskoch, der aber später dann ein paar Japaner vom Himmel holen darf. Und über die Nebenrollen von Alec Baldwin (Getaway), Jon Voight (Tomb Raider) und Tom Sizemore (Das Relikt) hülle ich mal lieber den Mantel des Schweigens.
Wie es für einen Michael Bay-Film üblich ist, geht auch hier einiges zu Bruch und es gibt Explosionen Deluxe. Doch passt das wirklich in ein historisches Szenario hinein? Nicht wirklich. Die Bombardierung der Schiffe hat Bay zwar recht ordentlich insziniert und es sieht auch gut aus, doch fehlt hier der gewisse Hauch von Realismus. Nahm man "Der Soldat James Ryan" und "Platoon" noch ab, dass alles in etwa so geschehen war, wie man es zu sehen bekam, so will man das bei "Pearl Harbor" nicht wirklich glauben. Wer will denn z.B. schon glauben, dass die Amis die Japaner mit solchen Kunststückchen erledigt haben, wie sie uns von Affleck und Hartnett vorgeführt werden? Natürlich sind die beiden dann auch beim vermutlich fiktiven Gegenschlag gegen die Japaner mit von der Partie. Denn wer will schon einen Film sehen, wo die "guten" Amerikaner hinterhältig den "bösen" Japanern je eine Atombombe auf zwei Städte knallen, und somit mehr unschuldige Menschen ermorden, wie das bei Pearl Harbor der Fall war. Das würde ja nicht zu dem "guten" Weltbild der Amerikaner passen. Und was die Dreiecksbeziehung im Film angeht, so vermute ich stark, dass Michael Bay mal zu Besuch auf dem GZSZ-Set war und eines der Drehbücher hat mitgehen lassen. Besagtes Drehbuch hat er dann noch mit einem historischen Hintergrund vermengt, der genug Möglichkeiten für reichlich Pyro-Technick und ätzendem US-Pathos offen lässt. Das alles wird dann als knalligbunter Historien-Blockbuster vermarktet, damit die Kinder denken, dass sie was für den Geschichtsunterricht tun würden, wenn sie sich dieses Machwerk aus dem Hause Bay reinziehen.
Und am Ende ist die perfekte Ami-Familie, bei der alles Friede-Freunde-Eierkuchen ist, zu sehen und ein Danny Jr. guckt den Zuschauer mit niedlichen Kulleraugen an. Aber auch sein Helm ist schon gestanzt und der Vietnamese warten auf ihn.
Wer auf historische Verfilmungen steht, dem würde ich von diesem Pseudo-Historienstreifen dringend abraten. Da gucke ich mir lieber nochmal "Der Soldat James Ryan" oder "Black Hawk Down" an, ehe ich mir erneut diesen überlangen Schrottfilm reinziehe.