Zwei Kindheitsfreunde die schon immer der Fliegerei verfallen waren, melden sich im Zweiten Weltkrieg bei der Luftwaffe. Nachdem der eine von ihnen (Ben Affleck) nicht aus England zurückkehrt, macht sich der andere (Josh Hartnett) an seine Freundin (Kate Beckinsale) heran. Als Affleck dann doch noch zurückkommt, gibt es einen Streit zwischen den beiden Freunden, doch beim Angriff auf Pearl Harbor werden die beiden wieder vereint.
Die Story ist schwach. Bay ist es nicht einmal gelungen, die Ereignisse von Pearl Harbor historisch korrekt darzustellen und das, was stimmt ist dramatisiert und übertrieben. Die Soldaten sind viel zu patriotisch und heroisch, bei Armageddon und Transformers mag Bay mit diesem übertriebenen Heroismus Erfolg haben, aber bei einem Kriegs-Drama passt es einfach nicht. Natürlich sind auch Präsident Roosevelt (Jon Voight), der junge Schiffskoch Doris Miller (Cuba Gooding jr.) und James Doolittle (Alec Baldwin), die alle wirklich existierten, stark idealisiert. Nur wer wirklich keine Ahnung von Geschichte hat, wird diese Story glauben.
(Achtung, im nächsten Absatz sind Spoiler)
Das Dreiecksverhältnis zwischen Kate Backinsale, Josh Hartnett und Ben Affleck steht den gesamten Film über im Vordergrund. Am Anfang ist es noch einigermaßen gelungen, doch zum Ende hin wird es immer sentimentaler, bis es komplett in übertriebener und dramatisierter Melancholie endet. Der Handlungsstrang mit dem Schiffskoch Cuba Gooding jr., der sich gegen Ende als großer Held entpuppt, ist eigentlich überflüssig und hat mit der eigentlichen Story nicht viel zu tun. Auch andere Soldaten und Krankenschwestern, allen voran Jennifer Garner, werden näher behandelt und in die Geschichte eingebunden, sollen aber auch nur Tiefe in einem flachen Film heucheln.
Der Film läuft sehr langsam an und kann im ersten Teil kaum Spannung oder Interesse aufbauen. Die melancholische Geschichte nervt bereits nach einer halben Stunde. Die Schlacht ist natürlich, wie sollte es bei Michael Bay auch anders sein, sehr gut gemacht, mit hervorragenden Action-Sequenzen und durch eine relativ kompromisslose, wenn auch übertriebene Darstellung sehr unterhaltsam. Stellenweise gelingt es Bay die Schatten des Krieges solide darzustellen. Das Ende zieht sich dann leider auch wieder in die Länge. Der Vergeltungsschlag der Amerikaner wird auch noch gezeigt und natürlich wird bei diesem Angriff nicht gezeigt, dass auch beim amerikanischen Angriff viele Japaner starben, auch hier ist alles sehr amerikanisch und eindimensional in Gut-Böse-Klischees dargestellt worden. Der Gipfel der Malancholie wird kurz vor Schluss erreicht.
Ben Affleck stellt einmal mehr unter Beweis, dass er zu den schlechtesten Darstellern in Hollywood gehört, keine Ahnung, was sich Bay dabei gedacht hat, ihn einzusetzen. Josh Hartnett und Kate Backinsale spielen solide und passen gut in ihre Rollen. Alec Baldwin spielt sehr gut und ist, wie es von ihm erwartet wird übertrieben heroisch und patriotisch. Jon Voight glänzt als amerikanischer Präsident. Cuba Gooding jr., Jennifer Garner und Tom Sizemore spielen solide. Kult-Komödien-Darsteller Dan Aykroyd ist in einer ernsten Rolle überraschend stark.
Nach den 3 starken Filmen Bad boys, the rock und Armagddon verkalkuliert sich Bay. Er versucht mit seinen typisch action-reichen, patriotischen und heroischen Ansätzen ein Kriegs-Drama darzustellen. Unterhaltsam ist dieser Film dann zwar, mehr aber auch nicht, diese Regie hätte er besser nicht übernommen. Wie bei jedem Bay-Film sind Kamera, Schnitt, Bild Ton, Musik, Kulisse und Effeckte hervorragend, aber auch sie können Pearl Harbor nur bedingt retten. Nach diesem Film kehrte Bay zum Glück mit Bad boys 2 zu seinen Anfängen zurück. Danach kamen die beiden brillianten Action-Kracher die Insel und Transformers.
Zusammenfassend ist Pearl Harbor ein schwaches Kriegsdrama, das übertrieben heroisch, patriotisch und eindimensional, die Ereignisse von Pearl Harbor darzustellen versucht und neben einem ordentlichen Unterhaltungswert, der aus den guten Action-Szenen und der soliden Handlungssträngen resultiert, keine Tiefe bieten kann. Schade, bei der Besetzung und dem Budget wäre wesentlich mehr drin gewesen.