Die Welt ist mal wieder am Abgrund! Erstes Indiz: Linksverkehr. Zweites Indiz: Viel Wüste, gemeine Banden, die wie wild mit irren Vehikeln durch die Gegend gurken, Polizisten, die cool sind und bei der größten Hitze Lederzeugs anhaben. Max (Mel Gibson) ist einer dieser coolen Cops und bei seiner Jagd auf die Kriminellen so effizient wie skrupellos. Doch wehe, es geschieht einem ihm nahestehendem etwas. Denn dann nennt er sich selbst nur noch Mad Max...
George Miller verhilft Mel Gibson hier zu einem zeitlosen Durchbruch. Erwähnenswert ist nämlich alleine schon das Setting: Ein post-apokalyptisches Szenario. Erstaunlicherweise wird einem dieses nicht großartig erklärt, sondern mit seinen Axiomen einfach so hingenommen. Wenn die abgedrehten Ledercops und die imponierenden Fahrzeuge nicht wären, würde wohl kein 08/15-Europäer wie ich auf die Idee kommen, es handle sich nicht um das stinknormale Australien mit seinen sandigen Hinterlanden. Diese Art, ein Szenario einfach so hinzunehmen, ist schon mal verdammt cool.
Was den Film auch noch auszeichnet, sind die tollen Rasersequenzen. Alleine schon die Inszenierung beeindruckt, da die Kamera meistens flach über dem Asphalt liegt und in all ihrer Statik das vorbeidonnernde Auto noch viel besser zur Geltung kommen lässt. Auch die Cockpitaufnahmen und die Tatsache, dass die Darsteller wirklich am Steuer ihrer Fahrzeuge sitzen und nicht einfach vor einem Projektor so tun, als ob, beeindrucken. Als Spitze des Eisbergs kommen noch die tollen Crashs dazu, die komplett ohne Special Effects einfach beinhart erscheinen.
Auch jenseits der Raserei ist die Inszenierung top, was sich schon bei der Einführung des Protagonisten widerspiegelt. Dessen Figur wird anfangs mit einer ungeheuren Mystik umgeben, da die Kamera sein Antlitz zu verstecken scheint. Als letztes muss man noch Brian Mays geniale Musikbegleitung erwähnen, die dem Film neben seiner Zügellosigkeit auch noch enorme Klasse verleiht.
Wenn man überhaupt die Lust hat zu meckern, dann kann man den Plot kritisieren. Obwohl der im Zentrum stehende Protagonist angenehm schlüssig aufgebaut wird, verliert die eigentliche Geschichte schon mal an Reiz: Die planlose Reise weg von allem Elend, die Max zu Beginn der zweiten Hälfte des Films antritt, kaschiert das eigentliche Ziel des Regisseurs, Tragik in das Geschehen einzubauen, ziemlich unbeholfen. So verkommt das soziale Miteinander zwischen Max und seiner Frau zu einem Pausenfüller vor seinem Rachefeldzug.
"Mad Max" macht sich dennoch als Kultfilm sehr gut, was er vor allem seiner Kompromisslosigkeit verdankt. Die Geschichte kann mit der Klasse des Szenarios zwar unter keinen Umständen mithalten, die tolle Inszenierung unterhält aber auch so blendend.