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Der australische Actioner Mad Max, seinerzeit als Billigfilm gedreht, steht fast schon genrebildend für den eisenharten aber gerechten Cop, der von der Bosheit seiner Feinde aus der Bahn geworfen schlußendlich selbst zum Gesetzlosen wird und einen gnadenlosen Rachefeldzug durchzieht. Oft kopiert und noch öfters zitiert wird Mad Max, die Rolle die Mel Gibson zum weltweiten Durchbruch verhalf, meist nur auf dessen Rachfeldzug in einer dystopischen Zukunft beschränkt - dabei hat sich Regisseur George Miller durchaus Gedanken gemacht, wie er diesen Max Rockatansky, der eigentlich erst in der zweiten Filmhälfte die Hauptrolle übernimmt, in dieser zunehmend verrohten Welt anlegt.

Zunächst einmal sind da die anderen Protagonisten - Jim Goose (Steve Bisley), der auf seiner Maschine weder das Gesetz noch sich selbst sonderlich ernst nimmt, während zwei Kollegen gemeinsam Streife fahren - der dickere von beiden ebenfalls ein Draufgänger wie Goose, sein schmächtiger Begleiter eher besonnen - letzterer trägt von der Verfolgungsjagd zu Beginn eine Kehlkopfverletzung davon, die ihn fortan nur noch per Mikro kommunizieren läßt, was im Film fast untergeht. Der Chef dieses Kleeblatts (Roger Ward als Fifi Macaffee) ist allein schon durch seine Erscheinung - ein glatzköpfiger Hüne mit Riesen-Rotzbremse - eine Respekt einflössende Person. Diese fünf also stehen einer Bande von Motorrad-Rockern gegenüber, die vom charismatischen Toecutter (Hugh Keays-Byrne) angeführt werden. Dessen gewalttätige Truppe gehorcht ihrem Chef aufs Wort, lediglich sein Adlatus Bubba Zanetti (Geoff Parry) wagt das eine oder andere Widerwort. Im Gegensatz zu anderen Rockerfilmen ist dieser Gangleader mit einem speziellen Humor ausgestattet, der ihn zu einem geradezu faszinierenden Gegenspieler der MFP-Cops macht - legendär seine Reaktion auf die toughe Großmutter in Stützstrümpfen, als diese ihn mit einer Flinte bedroht...

Legendär sind auch die im Film verwendeten Boliden, die verschiedenen Ford Falcon XA und XB-Modelle, die den Zuseher noch einmal ein paar Jahre zurückversetzen in die 1979 auch schon überholte Zeit amerikanischer Muscle-Cars wie Camaro oder  Mustang - die mit einfachsten Mitteln abgedrehten Autorennen auf verhältnismäßig engen Landstrassen in den australischen Weiten wissen auch heute noch zu überzeugen, wobei man bei genauem Hinsehen durchaus erahnen kann, wann der Film etwas schneller abgespult wurde.

Was im heutigen CGI-Filmzeitalter spielend am Computer erstellt werden kann, war damals noch mühsame Handarbeit - mittels einer geschickten Kameraführung blieb aber bei etlichen Szenen die Authentizität des Darzustellenden gewahrt: Da wäre beispielsweise der Rocker mit der Kette, der sich an die im Auto fliehende Jessie dranhängen will - seine abgerissene Hand sieht man erst Minuten später - quasi als Gruseleffekt - im blutigen Staubgrau wieder; vom verbrannten Goose zeigt man nur eine Alien-hand und auch der Hund, der Jessie zum Strand begleitet, kehrt nur als Sekundenbruchteile sichtbarer aufgehängter Kadaver wieder. Beim vergewaltigten Pärchen darf Sie zumindest das Kleid anbehalten (und nur einen Schuh), während Er ohne Hosen querfeldein davonrennt. Die vielleicht berührendste weil abstossendste Szene, wie Mutter und Kind überfahren werden, wird im Gegenschnitt mit über den Asphalt kullernden Kinderschuh und Bällchen dargestellt. Deutlich graphischer dann wieder das Hand-Überfahren und der Knieschuß auf Max am Schluß, wohingegen das Beseitigen des letzten Gegners in einem Flammenball im Hintergrund diesen actionreichen Streifen schon fast versöhnlich (im Vergleich zum Vorangegangenen) abzuschließen scheint.

Auch nach dem soundsovielten Durchlauf dieses Evergreens stellen sich dann immer wieder einige inhaltliche Fragen - wie kommt es, daß zwei unsympathische Rechtsverdreher das aus der Reihe tanzende Gang-Mitglied Johnny freibekommen, weil angeblich nichts passiert sei (das corpus delicti, der buchstäblich zerhackte Impala - Kommentar Bubba Zanetti: "Ein Akt der Befreiung" - steht vor der Tür) - und welches Interesse hat Toecutter an diesem Johnny, diesem eher Kleinkriminellen, der nicht so recht zu einer Motorradclique passen will? Wieso werden die Überreste des Night-Riders in einem Kindersarg per Bahn angeliefert - und was ist mit der Frau, die ebenfalls im Auto war? Warum verliert der Fahrer des plüschig dekorierten Impala plötzlich die Nerven und türmt - was Toecutter erst zur Hasenjagd animiert - statt sich wie zuvor ruhig zu verhalten, dann wäre dem Pärchen nämlich vermutlich gar nichts passiert? Wieso sperrt Großmutter die Rocker in einen Stall, vergisst aber völlig, deren Motorräder (zumindest zeitweilig) unbrauchbar zu machen (z.B. durch anketten oder wenigstens leeren der Tanks) - und schließlich die Frage aller Fragen: wieso flieht Mutter mit Kind auf einer schnurgeraden, asphaltierten Strasse, statt sich seitwärts in die zumindest ein klein wenig Deckung gewährende Prärie zu schlagen?

Aber auch trotz dieser kleineren Ungereimtheiten bleibt Mad Max einer jener Filme, die niemals Staub ansetzen und die man sich auch nach mittlerweile fast 40 Jahren immer wieder gerne ansieht. 9 Punkte.

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