Die Entlassung Richard Donners während der Dreharbeiten zum zweiten Teil der Superman-Saga zogen für die Filmreihe mehrere schwerwiegende Konsequenzen nach sich. War eben dieser Film schon arg gebeutelt durch die unterschiedlichen Vorstellungen von Donner und seinem Nachfolger Richard Lester, so zeigten sich sowohl Gene Hackman als auch Margot Kidder erbost über den Wechsel auf dem Regiestuhl und vor allem über die hässlichen Umstände, durch die der Wechsel eingetreten war. Hackman stand nun nicht mehr zur Verfügung für die Rolle des Lex Luthor und auch Kidders Anwesenheit als Lois Lane wurde auf das Minimum eines nicht weiter nennenswerten Gastauftritts beschränkt. Das muss in erster Linie nichts schlechtes heißen, da das Superman-Universum neben Luthor noch viele weitere interessante Schurken aufzubieten hat und die Beziehung zwischen Clark Kent und Lois Lane in den ersten beiden Filmen ausreichend behandelt wurde, sogar zu einem logischen, vorläufigen Schlusspunkt gekommen war.
„Superman III“ sollte nun der erste Film der Reihe sein, den Richard Lester nach eigenen Vorstellungen konzipieren konnte – im Gegensatz zu Richard Donners respektvoll-ehrfürchtiger Annäherung an den Stoff ließen bereits Teile des zweiten Films auf die Intentionen Lesters schließen: Der Brite war mehr interessiert an Slapstick, Überhöhung und schließlich an der Dekonstruktion des Helden-Images – so arbeitet dieser dritte Teil die komische Seite heraus, die Supermans Saubermann-Attitüde durchaus anbietet. Leider stellt sich diese Interpretation der Figur nur als leidlich reizvoll heraus, was nicht zuletzt an den schwachen Antagonisten liegt, welche dem Mann aus Stahl entgegen treten:
Der 2005 verstorbene Richard Pryor ist sicherlich ein Besetzungscoup, schließlich handelt es sich um den wohl einflussreichsten afroamerikanischen Stand-Up-Comedian aller Zeiten. Dementsprechend viel Raum wird ihm zugestanden und Pryor spielt seine Fähigkeiten auch voll aus. Seine leicht grobschlächtige Art harmoniert mit der auf ihn zugeschnittenen Rolle, in der sich der legendäre Komiker sichtlich spielfreudig austoben kann, ohne aber bekannte Muster zu verlassen. Gus Gorman ist ein kleiner Mann, der sich vom Arbeitslosen zu einem unbedeutenden Angestellten einer großen Firma und durch sein Geschick am Computer den Großkonzern um einige Dollar erleichtert. Diese Fähigkeit wird entdeckt durch Unvorsichtigkeit und so wird aus dem eigentlich gutmütigen Mann ein Spielball des machthungrigen Industriellen Ross Webster.
Webster ist der eigentliche Gegenspieler Supermans, gespielt von Robert Vaughn, prinzipiell ist dieser aber nur eine müde Kopie von Lex Luthor, ohne dessen originären Charme. Nicht nur das Vaughn eindeutig die Ausdruckskraft von Gene Hackman fehlt, auch seine Figur ist wesentlich einfacher und unsympathischer angelegt, sodass er als Antagonist einfach zu blass bleibt. Pryor kommt viel mehr Screentime zu, Vaughn fehlt die sardonische Selbstironie und so wird er von seinem Handlanger eindeutig an die Wand gespielt.
Das Fehlen von Lois Lane macht sich weniger schmerzhaft bemerkbar. Margot Kidder wird für ihren Einsatz für Richard Donner aber doch sichtlich abgestraft, indem ihre Figur zum Schluss deutlich an Sympathie beraubt wird. Ihre eifersüchtige Reaktion auf Lana Lang soll wohl nicht zufällig ein hämisches Grinsen beim Zuschauer provozieren. Dennoch bleibt die Einführung der Figur Lana Lang, obwohl es sich um eine Notlösung handelt zur Umgehung von Lois Lane handelt, sehr sinnvoll. Nicht nur weil sie in den Comics eine zentrale Rolle inne hat, auch und besonders weil ihre Anwesenheit verdeutlicht, das es für Clark Kent keineswegs nur die eine Frau im Leben gibt bzw. gegeben hat.
Eine große Rolle innerhalb der Handlung spielt die rapide ansteigende Technologisierung in den 1980er Jahren, die wachsende Bedeutung von Computern im Alltagsleben. Dieser Fortschritt wird von Lester kritisch beäugt, ist aber mittlerweile antiquiert und eher unfreiwillig komisch - „Superman III“ ist also anders als seine Vorgänger seiner Entstehungzeit sehr verpflichtet, was sich spürbar negativ auswirkt auf den modernen Rezipienten. Hervorragend gealtert sind dagegen die Spezialeffekte, die auch heute noch beeindrucken können. Hier sei nur der Kampf zwischen Superman und Clark Kent auf einem Schrottplatz genannt, der nicht nur die Kulmination des inneren Konfliktes der Hauptfigur darstellt sondern auch handwerklich einen absoluten Höhepunkt innerhalb des Films markiert.
Als allgemein einzige Schwachstelle Supermans ist die außerirdische Substanz Kryptonit bekannt. Nachdem jene schon in „Superman – The Movie“ zum Einsatz kam und im zweiten Teil nicht nötig war weil Superman auf Gegner von gleicher Stärke traf besinnt sich der Film auf diese traditionelle Gefahr zurück. Das hier künstlich erzeugte Kryptonit stellt sich als fehlerhaft heraus und statt den Mann aus Stahl zu töten verwandelt es ihn in verantwortungslosen und liederlichen Raufbold ohne Manieren. Christopher Reeve hat sichtlich Spaß an der Variation seiner Paraderolle und sorgt für einen glaubwürdigen Charakterwandel. Wer sich an dem eindeutigen Gut&Böse-Schema stört, der hat offensichtlich nicht verstanden, worum es in der Filmreihe eigentlich geht: Nicht um die Abbildung einer klar und einfach abzusteckenden Moral, vielmehr um die Sehnsucht danach. Superman verkörpert all das, wofür wir Menschen zu schwach sind. Das macht ihn zum ultimativen Superhelden, nicht seine übermenschliche Stärke.
Der unausgereifte Plot wird zugunsten zahlreicher parodistischer Einlagen immer wieder vernachlässigt, sodass sich bis zum Showdown (definitiv der unspektakulärste und am wenigsten einfallsreiche der ersten drei Teile) nur selten echte Spannung breit macht und der finale Endkampf einen lieblos herunter gekurbelten Eindruck macht, ohne mit Ideenreichtum zu glänzen. Das gleiche gilt auch für die wenig beeindruckende Musik von Lesters Stammkomponisten Ken Thorne, der hier im Schatten von John Williams steht und keine eigene Linie findet. So bleibt „Superman III“ auch akustisch eine Enttäuschung, was durch das wunderbare Titelthema allerdings noch aufgefangen wird. Schwerer wiegt neben den konturlosen und eher langweiligen Bösewichten (die nicht einmal den Comics entstammen, obgleich hier sehr viel Auswahl gewesen wäre) eben die veraltete Geschichte und die fehlende Spannungsdramaturgie. Nur selten will der Film mehr sein als eine unbeschwerte Komödie, weshalb die dramatischen Sequenzen zu kurz kommen. Für eine intelligente Dekonstruktion des Helden geht es andererseits zu behäbig und brav vor, das gesellschaftskritische Potential der Story bleibt derweil oberflächlich.
Fazit: Mit diversen Schauwerten versehener, ironischer Popcorn-Film von Richard Lester, der im Lauf seiner Karriere leider vom visionären Innovator zum routinierten Auftragsregisseur abstieg. Lesters Gespür für komödiantische Szenen verspricht eine kongeniale Umkehrung des Superman-Mythos, die erhoffte Erfrischung bleibt allerdings aus. Letztlich ein über weite Strecken belangloser Vertreter der Saga, der nur durch die tollen Darsteller und durch die gelungenen Spezialeffekte knapp über dem Durchschnitt rangiert und leider keinen echten Gewinn für den Comicfilm bedeutet.
05 / 10
Anders als die beiden voran gegangenen Filme geriet der kommerzielle Erfolg von „Superman III“ zur Enttäuschung, was dazu führte, dass Warner den Stoff an die B-Firma Cannon abtrat und es nicht mit einem weiteren Teil versuchte.