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William ist Steuerberater. Eines Tages steht ganz überraschend eine junge Dame bei ihm vor der Tür die eigentlich seinen Nachbarn, den Psychologen Dr. Monnier, aufsuchen wollte. Dennoch tut William so als wäre er Dr. Monnier und die Frau schüttet ihm in dem Glauben erstmal ihr Herz aus. Er staunt nicht schlecht als sie anfängt über ihre Eheprobleme und hinterher sogar ihren Orgasmus zu reden...

Schon allein die Story ist nicht nur neu und innovativ, sondern auch sehr interessant. Man überlege sich mal Steuerberater zu sein und eines Tages sucht einen eine Frau auf die glaubt man sei Psychiater. Eine wildfremde Frau beginnt über intimste Probleme zu reden. Wie soll man sich in einer solchen Situation verhalten? Und was passiert wenn diese Frau dann erfährt das man in Wirklichkeit kein Seelenklempner sondern Steuerberater ist? Sie hat irgendeinem Mann sehr persönliche Dinge mitgeteilt, einem Mann der nun alles mögliche über sie weiß und sie hat keinen Schimmer wer dieser Kerl eigentlich ist. Es könnte ein Perverser sein. Anna hat Glück gehabt. Sie ist mit William an einen gutmütigen Kerl geraten, aber man überlege sich wirklich mal William sei ein Mensch der selber den Psychiater aufsuchen sollte...

"Intime Fremde" ist äußerst interessant. Er wirft einiges an Fragen auf und es ist ein Film über den man lange nachgrübeln kann.

Es baut sich ziemlich schnell eine Beziehung zwischen Anna und William auf. Sie reden nur, die ganze Zeit, und obwohl sie sich dabei immer näher kommen sind sich Anna und William in gewisser Weise fremd. Deshalb auch der Titel, "Intime Fremde".

Der Großteil des Films besteht aus Dialogen zwischen Anna und William. 70% finden im Büro des Steuerberaters statt und dort reden sie. Nur selten wechselt der Schauplatz und im Grunde ist "Intime Fremde" wenig abwechslungsreich. Der Film konzentriert sich ganz auf Dialoge und Akteure. Er lebt vor allem durch das gute Zusammenspiel der beiden Hauptdarsteller. Sowohl Sandrine Bonnaire, die Anna verkörpert, als auch Fabrice Luchini als William spielen sehr glaubhaft und können sich einfach super mit dem Charakter ihrer Figur indentifizieren.
"Intime Fremde" ist sehr fesselnd. Als Psychothriller funktioniert er überhaupt nicht. Der Film will aber auch gar keine Spannung aufbauen, denn es ist ein ruhiges Psychodrama. Mit 104 Minuten hat er einbisschen Überlänge, ist aber zu keinem Zeitpunkt langweilig. Einige Leute könnten große Probleme mit dem Film haben und ihn sehr boring finden, weil im Grunde wirklich nicht viel passiert. Wenn man aber Geduld mitbringt und einfach den Gesprächen von Anna und William lauscht ist "Intime Fremde" wirklich interessant. Es gibt Filme die sehr fesselnd sind, obwohl das Tempo gleich null ist. Zu denen zählen zum Beispiel die Movies von Jim Jarmusch und eben dieser. "Intime Fremde" kann man sicher nicht mit "Stranger than Paradise" oder "Down by Law" vergleichen. Aber zwei Sachen verbinden die 3 Filme: Das langsame Tempo und alle Filme sind mal was anderes. In Zeiten wie diesen in denen der Zuschauer mit immer mehr Tempo und Action im Kino zugeballert wird ist es mal eine nette Abwechslung einen solch fesselnden Film ohne jegliche Action zu sehen. "Intime Fremde" ist auch kein Unterhaltungsfilm ala Blockbuster die wir immerzu auf der großen Leinwand in Cineworld und co zu Gesicht bekommen. "Intime Fremde" kommt aus dem Heimatland von Baguette und Croissant und er ist typisch französisch. Deshalb ist es förderlich, wenn man ein Faible für französische Filmkost hat (so wie ich) um leichter Zugang zu dem Film zu finden.

Ich kann dieses äußerst interessante, sehr gute Filmchen nur jedem wärmstens empfehlen. Ein echter Geheimtipp von meiner Seite.

Zu guter Letzt eine Bemerkung zu "Dogville":
"Intime Fremde" zeigt sehr schön das auch ein Film mit Kulisse sich auf das Wesentliche konzentrieren kann.

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