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"Früher war alles besser!" Diesen Spruch dürfte wohl einer der am meisten gesprochenen Sätze der älteren Generationen sein. Ob das wirklich immer zutreffend ist mag zwar dahingestellt sein, doch zumindest in einer Kategorie ist sich vor allem eine Gruppe von Menschen ziemlich sicher. Die Sprache ist natürlich von Cineasten und ihrem Lieblingshobby dem Film. Zwar können sich die meisten Filmfreaks auch heutzutage noch gut unterhalten lassen, doch die schönen alten Streifen haben größtenteils doch noch den Charme, den die meisten Filme von heute sträflich vermissen lassen. So auch "Cletis Tout: Tot oder lebendig". Eigentlich als eine Kriminal-Hommage an gute alte Filmzeiten gedacht, entpuppt sich der (in den USA böse gefloppte) Streifen, leider viel zu schnell als Kriminalklamotte für zwischendurch, bei der nur die Darsteller stimmen.

In "Who Is Cletis Tout?" geht es um einen Kleinganoven namens Finch, der eines Tages an den Profikiller Critical Jim gerät, der ein großer Filmfreak ist. Dieser ist eigentlich beauftragt den Mafiagesuchten Cletis Tout zu töten, als dessen sich Finch seit kurzem überall ausgibt. Um sich vor dem sicheren Tod zu bewahren, erzählt Finch nun Jim eine filmreife Geschichte, wie er zu seinem gefährlichen Pseudonym gekommen ist und von dem großen Diamantenclou, den er mit seinem Partner Micah Donnelly und dessen Tochter durchziehen wollte. Und Filmfreak Jim hört gespannt zu und mischt sicher auch immer wieder, mit seinen ganz eigenen Ideen, in das Geschehen ein... Eigentlich klingt das Ganze auf dem ersten Blick nach einer recht netten Filmkomödie, die durchaus das Zeug dazu hätte, als zitatenreiche Filmhommage durchzugehen. Dazu ist die Idee mit der Verstrickung zweier unterschiedlicher Handlungsstränge durchaus geeignet und in den ersten Minuten ist die Liebe zum Medium Film auch durchaus spürbar. Leider verrennt sich das Treiben aber schon nach kurzer Zeit in eine völlig zerfaserte Handlung, die leider keinerlei Gespür dafür besitzt, Logik oder Tiefgang zu besitzen und viel zu schnell die Ereignisse überschlagen lässt. Und somit macht sich, nach dem starken Start, viel zu schnell Langeweile breit.

Des weiteren kann man auch die Zitierung einzelner Filmklassiker als nicht sonderlich gelungen bezeichnen. Zwar sind die Zitate äußerst zahlreich und gehören größtenteils auch wirklich zum Besten vom Besten Marke Hollywood, doch meist beschränken sich die Zitate nur auf die Dialoge, die danach noch einmal hübsch brav, vom gerade sprechenden Charaktere, zum jeweiligen Film plus dazugehörigem Produktionsstudio, zugeordnet werden. Clevere Überspielungen ganzer Filmszenen in "Cletis Tout" werden dabei leider fast völlig außen vor gelassen bzw. bleiben zu oberflächlich, abgesehen vielleicht vom Schluss, in dem man einer Figur dabei zusieht, wie sie durch den Regen schlendert und "I'm singing in the rain" von Gene Kelly schmettert und der Ausbruchsszene, die ein wenig an "Gesprengte Ketten" erinnert. Da hätte doch durchaus mehr kommen können.

Und auch fernab der Zitatfreudigkeit kann der Streifen nur selten überzeugen. Die Gags sind größtenteils lauwarm und ringem dem Zuschauer höchstens ab und an ein Schmunzeln ab. Der Kriminalpart ist, durch das zerfahrene Treiben, meist auch nicht sonderlich spannend und von einer gewissen Atmosphäre kann ebenfalls kaum die Rede sein. Zudem geht einem auch der recht unglaubwürdig geratene Liebespart gegen den Strich und die süffig-kitschige Musik gibt den meisten Szenen dann den Rest. Somit wurde hier zwar viel Liebe in alte Filme gesteckt, doch dabei vollkommen vergessen, mit genauso viel Liebe den eigentlichen Inhalt umzusetzen.

Richtig überzeugen können allerdings die Darsteller, die hier wirklich aus einer exzellente Riege an Schauspielern besteht. Als erstes hätten wir da Christian Slater, der hier auf richtig nette Art und Weise, den Kleinganoven Finch spielt und das auch durchaus überzeugend hinbekommt. Dann Tim Allen (leider wieder mit Mel Gibsons Synchrostimme), der den Part des Filmverliebten Profikillers ebenfalls super zu Schau stellt. Des weiteren Richard Dreyfuss, der allerdings etwas zu kurz kommt und eine, wie immer, mehr als bezaubernde Portia de Rossi, der man wirklich nur für jede ihrer Szenen danken kann. Durch dieses wirkliche grandiose Quartett, schafft es der Streifen dann doch noch knapp in den Durchschnittsbereich.

Fazit: Alles in allem wurde hier eine schöne Idee mächtig verhunzt. Mag eine zitatenreiche Hommage an die guten alten Filmzeiten auch noch so löblich sein, so kann sie unterm Strich nicht überzeugen, wenn nur hin und wieder einzelne Dialogfraßen aus bekannten Filmen zitiert werden und sonstige Verbeugungen (nahezu) völlig außen vor bzw. zu oberflächlich bleiben. Zudem kann auch der eigentlich Film nicht überzeugen, da das Drehbuch doch sehr zerfasert ist, die Gags nur lauwarme Schmunzelware bieten und der Kriminalpart einen eher ermüdet als zum schwitzen bringt. Gold wert ist hier leider wirklich nur das brillante Schauspieler-Quartett Slater, Allen, Dreyfuss, Di Rossi, die den sonst eher müden Streifen so wenigstens ins (knappe) Mittelfeld katapultieren. Dennoch, alles in allem maximal ein Filmhäppchen für zwischendurch, das weder als Hommage noch als eigenständiger Film überzeugen kann. Schade!

Wertung: 4,5+/10 Punkte

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