Tom Holland arbeitet das in den 80er Jahren ziemlich unbeliebte Vampirgenre mit „Fright Night“ auf.
Charley Brewster (William Ragsdale) ist ein totaler Horrorfan und sieht sich Nacht für Nacht die Gruselshow „Fright Night“ an, in welcher der gealterte Star Peter Vincent (Roddy McDowall) Filme mit sich in der Hauptrolle zeigt. Denn „Fright Night“ gehört zu jenen modernen Vampirfilmen, in denen die Hauptfiguren bereits Wissen über die Untoten und deren Beseitigung haben und ihnen nicht so hilflos gegenüberstehen wie die Charaktere in den Glanzzeiten von Universal und Hammer.
Als ein Sarg ins Nachbarhaus getragen wird, fasziniert dies Charley dermaßen, dass er seine Freundin Amy Peterson (Amanda Bearse) links liegen lässt und sich dafür erstmal kräftigen Beziehungsstress einhandelt. Doch die Ereignisse im Nachbarhaus fesseln ihn und so beobachtet er das Domizil um festzustellen – dass sein Nachbar ein Vampir ist. Denn wie in so vielen Horrorfilmen checkt natürlich nur der liebenswerte Freak was gerade abgeht, während der Rest der Welt nix mitbekommt.
Natürlich will Charley keiner glauben und es kommt noch schlimmer: Durch seine Anschuldigungen macht Charlie seinen vampirischen Nachbarn Jerry Dandrige (Chris Sarandon) auf sich aufmerksam. Dieser fasst nun den Entschluss den armen Charley kurzerhand zu beseitigen…
„Fright Night“ wagt das amüsante Experiment einen Vampir nicht in mittelalterlichen Schlössern sein Unwesen treiben zu lassen und stattdessen die amerikanische Vorstadtidylle heimzusuchen – sicherlich ein Impuls, der modernen Vampirstreifen wie „The Lost Boys“ und „Near Dark“ den Weg bereitete. Zudem war die Vorstadt in den 80ern immer wieder Schauplatz von Slasherfilmen erkoren worden – worauf auch ein Kommentar Peter Vincents anspielt als er erklärt, das junge Publikum interessiere sich nur noch für Jungfrauen, die von Maskenmännern aufgeschlitzt werden. Der Film ist eh voll von Anspielungen: Peter Vincent ist nicht nur vom Namen, sondern auch vom Charakter her an Peter Cushing und Vincent Price angelegt, in Vincents Wohnung hängt ein Poster von Bela Lugosi als Dracula und die „Fright Night“-Sendung spielt eh pausenlos auf Hammer und Co. an.
Bei soviel Einfallsreichtum kann man dem Film auch teilweise verzeihen, dass die Geschichte zwar durchaus kurzweilig, aber nicht wirklich spannend ist. Denn wie das Ganze wohl endet, ist eh im Ansatz abzusehen und große Überraschungen bietet der Plot nicht: Die Behörden und die meisten Erwachsenen hören nicht, sodass es an dem kleinen Häuflein auserwählter hängen bleibt, den Blutsauger unschädlich zu machen. Wer hierbei noch zum Vampirfutter wird, kann man sich auch schnell ausrechnen. Doch wie gesagt kurzweilig ist es schon und die Gags trösten über den Spannungsmangel hinweg.
Ebenfalls sehr viel Charme haben die Effekte des Films, die noch herrlich handgemacht daherkommen und wohlige 80er Jahre Atmosphäre versprühen. In erster Linie gibt es hierbei die verschiedenen Vampirverwandlungsformen zu sehen, die deutlich moderner und freakiger aussehen als Menschen mit spitzen Eckzähnen. Stattdessen verformt sich hier die komplette Gesichtsform bei den Vampirauftritten (die teilweise auch noch als Fledermaus und Wolf umherstrolchen), was den Effektfan freut.
William Ragsdale ist schauspielerisch ganz OK, aber leider passt er weder ins Schema des echten Helden noch in das des Geeks, was seiner Rolle die Überzeugungskraft nimmt. Auch Amanda Bearse kann man die Vorstadtschülerin nur schwer abnehmen, wenn man sie als Al-Bundy-Schreckschraube kennt. Dafür gibt Roddy McDowall einen herrlich verschrobenen Altstar ab und Chris Sarandon transportiert den Vampir charismatisch-böse ins Vorstadtidyll. Auch die Nebendarsteller, darunter z.B. Art Evans machen ihre Sache gut.
Unterhaltsame Horrorkomödie mit netten Anspielungen und guten Effekten. Könnte einen besseren Plot vertragen, aber weiß zu unterhalten.