Der neunjährige Hogarth findet einen gigantischen Roboter, der aus dem All gekommen ist und freundet sich mit der gewaltigen, Eisen fressenden Maschine an. Dumm nur, dass das Militär schon nach dem Roboter sucht und ihn als Gefährdung der nationalen Sicherheit ansieht. Nun liegt es an Hogarth, seinen riesigen, stählernen Freund versteckt zu halten und zu schützen.
Animations- und Zeichentrickfilme, vor allem aus dem Hause Disney, gibt es wie Sand am Meer, aber die mit Abstand meisten kranken leider am naiven Kitsch, der Kindern noch zusagen mag, aber älteren Zuschauern meist nicht mehr, wobei vor allem Komödien durchaus noch dazu in der Lage sind, auch Erwachsene angemessen zu unterhalten. Bei "Der Gigant aus dem All" handelt es sich hingegen um einen Film, der sowohl Kindern, als auch Erwachsenen zusagen dürfte und in kleinster Weise an seiner Zweigleisigkeit krankt und damit um einen der besten Animationsfilme aller Zeiten sowie um den besten von WB.
Der Kinderfilm:
Die Charaktere sind sympathisch gestrickt. Egal, ob der liebenswerte, mutige Hogarth, der sich rührend um den Roboter kümmert, und durchaus an Profil gewinnt, der Roboter selbst, der bereits durch sein Design sehr freundlich wirkt und darüber hinaus sehr liebenswert, im Grunde mit menschlichen Charakterzügen konstruiert ist und von Hogarth nach und nach moralische Grundsätze, eine eigene Gefühlswelt vermittelt bekommt, wirklich alle Charaktere sind liebenswert gestrickt und selbiges gilt auch für die Nebenfiguren und selbst der Agent der Regierung wird mit seinem freundlich wirkenden Äußeren und seiner etwas übereifrigen Art nicht ausschließlich als Feindbild dargestellt. Die Handlung als solche ist ebenfalls durchaus kindgerecht, so ist der Plot gradlinig und leicht verständlich, zu keinem Zeitpunkt wirkt das Geschehen konfus oder gar verkompliziert, steigert seine Dramaturgie aber stetig. Darüber hinaus sind emotionale Momente gegeben, genauso, wie ein Happy End. Hinzu kommen noch ein paar kleinere Action-Szenen und einige Gags, die den Film für den jüngeren Zuschauer überhaupt keine Länge entstehen lassen und damit werden Kinder durchaus gut unterhalten werden und, da dies einer der wenigen Trickfilme ist, der Gewalt nicht als Konfliktlösung anbietet, Brutalität, wenn auch cartoonesk verklärt nicht geradezu zelebriert, sondern zur Friedfertigkeit aufruft, handelt es sich bei "Der Gigant aus dem All" zudem um ein Werk, das auch ganz kleinen Kindern ohne schlechtes Gewissen vorzusetzen ist.
Der Erwachsenenfilm:
Die Gags, die wenigen Action-Szenen und die liebenswerten Charaktere, die sehr kindgerecht geworden sind, wirken auf den erwachsenen Zuschauer keineswegs naiv, sondern sympathisch und charmant und auch die musikalische Unterlegung weiß durchaus zu gefallen. Die Animation als solche, bei der Regisseur Brad Bird, der später unter Anderem "Die Unglaublichen" und "Ratatouille" inszenieren sollte, keinen sonderlich großen Wert auf 3D-Wirkung legt, erinnert teilweise an zweidimensionale Trickfilme, ist dafür aber mit Liebe zum Detail und auch visuell sehr liebenswert und sympathisch in Szene gesetzt. Zudem gewinnen die Charaktere an Profil, der sympathische Film ist emotional und charmant und dies gänzlich ohne naiven Kitsch oder falsche Sentimentalitäten, die der Film im Grunde überhaupt nicht nötig hat und so ist Birds Werk auch das abschließende, vielleicht ein wenig überzogene Happy End kaum übel zu nehmen, dafür ist das kleine Meisterwerk viel zu mitreißend und bewegend. Und ein dermaßen mitreißender Animationsfilm ohne falschen Disney-Kitsch ist wirklich selten, zumal Warner seine Animationssparte kaum mehr weiter verfolgte.
Des weiteren baut Bird vor allem am Anfang immer mal wieder kleinere Passagen ein, in denen nicht gesprochen wird und die Bilder allein wirken, überhaupt ist der Animationsfilm verglichen mit anderen Genre-Vertretern verhältnismäßig ruhig und zurückhaltend und auch dies dürfte den Film für Erwachsene noch attraktiver gestalten, da viele Animationsfilme an ihrer anstrengenden, hektischen Machart scheitern. Zuletzt sind es die Anspielungen auf den Kalten Krieg, die immer mal wieder eingebracht werden und sowohl in den Fokus der Kritik und des Aufrufs zum friedfertigen Umgangs rücken, aber auch, vor allem durch den übereifrigen, paranoiden Agenten parodiert werden. Dabei kommen einige Gags zustande, die auch den Erwachsenen gefallen werden. Lediglich die etwas kurze Laufzeit wäre zu bemängeln, aber viel länger darf ein Film für die Kleinen eben auch nicht sein.
Fazit:
"Der Gigant aus dem All" funktioniert als Kinderfilm sehr gut, unterhält aber auch Erwachsene wirklich hervorragend, da er auf echte Gefühle, statt auf falsche Sentimentalitäten setzt, darüber hinaus unter handwerklichen Gesichtspunkten überzeugt und sich mit seiner Kritik am Kalten Krieg überdeutlich vom Einheitsbrei aus dem Hause Disney abhebt. Unbedingt ansehen!
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