"Es wurde bestimmt von feindlichen Mächten geschickt um uns zu vernichten."
Der neunjährige Hogarth Hughes entdeckt im Wald einen riesigen Roboter und rettet ihn, als dieser sich in Stromleitungen verheddert. Trotz seiner imposanten Erscheinung erweist sich das gigantische Wesen als friedlich. Es entwickelt sich eine tiefe Freundschaft zwischen den beiden. Durch die Angst die der Roboter bei Anderen auslösen würde, hält Hogarth seinen riesigen Freund versteckt. Zunächst im Wald. Durch den Hunger nach Metall aber wenig später auf dem Schrottplatz von Dean McCoppin, den er in dem Restaurant, wo seine Mutter Annie arbeitet, kennengelernt hat.
Völligst ungesehen blieb der Gigant nicht. So wecken diverse Vorfälle die Neugier des Agenten Mansley. Zunächst nimmt er die Berichte über den metallenen Koloss nicht ernst, dann aber entdeckt er Indizien die ihn daran glauben lassen. Als die Hinweise zu Hogarth führen, scheut er sich nicht sich bei der Familie einzuquartieren und den Jungen zu beobachten.
Der im Jahre 1957 angesiedelte Trickfilm trotzt den Regeln die man bis dahin von Disney gewohnt war. "Der Gigant aus dem All“ enthält keinerlei Figur mit Knuddelfaktor und überascht mit einer Geschichte, die anhand des Anspruchs weniger für Kinder geeignet scheint. Möglicherweise Gründe, weswegen der Film an den Kinokassen floppte. Vielleicht liegt es aber auch daran, dass die Geschichte lange Zeit nicht in Fahrt kommt.
Brad Bird ("Die Unglaublichen - The Incredibles") greift mit seiner Story sehr vielschichtige Themen auf. Da ist neben der ungewöhnlichen Freundschaft auch das Thema Tod und manch unmenschlicher Handlung zu finden, das neben den Unterhaltungselementen so garnicht für das jüngere Publikum geeignet scheint. Ebensowenig die tragenden Begriffe der 50er, Kommunistenjagd, Kalter Krieg und Angst vor dem atomaren Holocaust, die in ihrer Umsetzung mal mehr, mal weniger ironisch zu finden sind.
Das jüngere Publikum findet sich dafür in den verstreuten, gut pointierten Slapstickeinlagen. Allerdings ist die Wartezeit darauf manches Mal unangenehm lang. Denn Bird versucht zumindest in der ersten Hälfte des Films seinen Figuren ausreichend Kontur zu verschaffen. Dies gelingt ihm allerdings nicht, denn obwohl die gefühlvollen Aspekte nicht vernachlässigt werden, wirken sämtliche Charaktere flach oder gar klischeeüberladen. Ein Punkt wobei auch die sonst anspruchsvolle, philosophisch angehauchte Handlung an Glaubwürdigkeit verliert.
Erst im letzten Drittel geschieht, was bereits von Anfang an absehbar ist. Die Konfrontation des Giganten mit dem Militär. An diesem Punkt verfolgt die Geschichte einen actionreicheren Rahmen und legt an Spannung und Tempo zu, liefert dann allerdings einen Abschluss der manches Problem geradezu beiläufig löst und Löcher in der Handlung zurück lässt.
Der Zeichenstil ist traditionell und sparsam im Umgang mit 3D-Animationen. Besonders zu Beginn und am Ende sind die Effekte optisch ansehlich präsentiert. Ebenso die Animation der Figuren, weniger dafür aber die Detailfreude der Umgebungen.
Brad Bird muss man den Mut schon lassen, den Trickfilm so anzulegen, dass er für alle Alterklassen geeignet scheint. Allerdings geht seine Rechnung nicht völligst auf. "Der Gigant aus dem All“ beschäftigt sich zu lange mit Floskeln, die bereits von Anfang an klar sind und findet erst im letzten Drittel ein ordentliches Tempo. Den Charakteren mangelts an Transparenz worunter die Glaubwürdigkeit der Handlung leidet. Trotzdem weiß die politische Parabel zumindest kurzweilig zu unterhalten, ohne die Anregung zum nachdenken erfolgreich zu überbringen.
6 / 10