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Gemeinhin als Martial Arts Comedy, kurz vor Abschluss des Jahres Ende November 1982 an das Publikum verkaufte Shaw Brothers (Hong Kong) Ltd. Produktion, die sich getreu des bisherigen (und auch noch folgenden) Werkes des hochgedienten Sun Chung als eher ernste Angelegenheit mit einigen frischen Erweckungen zu Beginn erfreut. Nicht nur, dass das Thema für die Chinesen kein Anlass für Scherz und Freude ist, auch wird der Umgang damit weder verharmlost noch anderweitig ironisch kommentiert; von einigen wenigen Kontrasten der mit dem ausländischen Fortschritt noch unerfahrenen, diesen aber auch gar nicht begehrenden Dorfbevölkerung zu Beginn und Fu Sheng in der schon gewohnten Rolle als Clown (mit später Wut im Bauch) einmal abgesehen:

Die Ruhe in der Gegend wird durch das Eindringen der britischen Obrigkeit empfindlich gestört, möchten die Herrschaften doch die "Goddess of Mercy" aus dem Tung Fat Tempel als Geburtstagsgeschenk für ihren Vorsitzenden erwerben, wozu sie dankend auch die Dienste der Chamber of Commerce, geleitet von Chairman Tang [ Tang Ching ], seines Sohnes Robert [ Johnny Wang Lung-wei ] und des schmierigen Beraters Mr Chun [ Tin Ching ] annehmen. Doch die Dorfbevölkerung unter Führung des Arztes und Apothekers Chang Tak-tai [ Ku Feng ] und Master Jiang [ Walter Tso ] wehrt sich mit der Gründung einer "Protect the Buddha Group" gegen diese Anmaßung, was Changs Sohn Chang Siu-tai [ Alexander Fu Sheng ] entsprechend mit Leibeskräften unterstützt. Als sich Roberts Schwarm Judy Shum Shao-ling [ Cecilia Wong ] und ihr Bruder Sam Shum [ Ngaai Fei ] gegen die Pläne der Invasoren stellen und diese als Verstärkung mehrere japanische Samurais von Yamaguchi [ Michael Chan Wai-man ]

Erstaunlicherweise, im Kontext vom (normalerweise eher dem Modern Day Crime oder auch Horror zugehörigen) Schaffen Sun Chungs betrachtet allerdings nicht gänzlich überraschend, ist die Sachlichkeit und sich steigernde Anspannung, durch und in der Geschichte, die trotz folienartiger Kontrastierung und Dragon Lord (1982) - Konzept die mit größte Stärke des Filmes ergibt. So beweist die Handlung hier doch ausnahmsweise Rang und Haltung und kann auch eventuell auftretende Stereotypen, mitvorhandene Klischees und zu etwaig aufdringliche Schwarzweißmalerei problemlos durch seine eigene ausgestrahlte und gefühlte Wichtigkeit und Strenge in den Plot mit transferieren und dort auch als Anlaß für weitere Diskussionen mobilisieren. Sowieso ist die Anpassung an die Umstände sowohl inhaltlich als auch (umgekehrt dazu formell) mit entscheidend für den Gewinn der Arbeit. Während sich ein Teil der Chinesen von den anderen abschottet und zusammen mit eigentlich auch grundverschiedenen ausländischen Gruppierungen, hier die der Briten und der Japaner für einen gemeinsamen Zweck und zum gemeinsamen Wohl kooperiert und dort die eigene Integration auf besten Wege veranstaltet, stellt sich der andere Teil der Chinesen traditionell stur. Auch der Film selber bleibt strikt, hängt sich nicht an neumodischen Verfahrens- und Verhaltensweisen auf, und passt sich im Grunde nicht dem aktuellen Publikum des Jahres 1982, sondern wie auch bei Suns letzteren period piece Ausflügen The Kung-Fu Instructor (1979), Rendezvous with Death (1980), The Kid with a Tattoo (1980) dem der Vorgängerära, also Mitte der Siebziger bis Ende dieses Jahrzehntes an.

So bekommt man auch hier schon optisch seine Gewohnheiten geliefert, in Form von Kostümierung und Kulisse, die unzählig bereits verwendet und auch durch Suns Hauskameramänner Lam Nai-choi und Cho On-sun nicht wirklich auffällig anders in die Szenerie, allerdings das Wesentliche im Kader stetig einfangend eingesetzt wird. Die Straßen des überhaupt spärlich in Augenschein genommenen Dorfes sind klein und beengt, der Eingang vor Changs Laden als mit öffentlicher Schwerpunkt des Areals entsprechend bevölkert, wie auch sonstig das Leben in diesem überschaubaren (Studioprojektions-)Radius lebhaft bewohnt und verkehrsreich frequentiert ist. Dasselbe gilt mit Ausnahme der Chang - Wohnung, welches ungewöhnlich dunkel auch bei Tag und abgeschottet außen vor liegt, auch für die wenigen Innendekors. Auch hier wird der Gegensatz von neuen Einflüssen und dem Altehrwürdigen der Tradition beachtet, stellt das überaus vollgestopfte Heim von Gegner und Überläufer Tang die komplette Antithese zu dem Sachlichen (oder auch Spärlichen) der Behausung von Chang dar.

Vater und Sohn gehören bei beiden Paaren übrigens fest zusammen, existiert auch augenfällig keine Frau in Form der Mutter des Hauses; ein Männerbündnis durch Vererbung und ohne Störung weiblicher Erziehung, in der der Vater jeweils die Bremse, aber auch den Riegel der Sicherheit für den Rebellious Son darstellt, während dieser jeweils vor Übermut und aus Trotz und Naivität der eigenen jugendlichen Kraft immer die Herrschaft der Muskeln und Fäuste anstreben will. Folgerichtig wird auch hier, choreographiert durch die seit 1976 kollaborierenden Wong Pau-gei und Tong Gai die Formel der Action vertreten, dabei lange Zeit eher als schmückende Zutat und gar nicht veranschaulichender Schwerpunkt. Samt und sonders sind die Kampfeinlagen bis zum Showdown gegen die jeweils Besten aus alle Herren Länder nicht das bestimmende Mittel, haftet besonders das einleitende Boxduell gegen einen schwergewichtigen Engländer [ Randy Channell ] auch etwas reichlich Improvisiertes, ja Ungelenkiges und die folgenden Scharmützel auch noch das Gefühl der Spielerei und Austesterei, dort noch mit am Ehesten die Eigenschaften einer Komödie untermalenden Unschädlichkeit an. Kostproben des Könnens, abwechslungsreich, aber nicht zentral, mit leichter Hand formuliert, liefern dann vor allem die Waffengattungen von Schwert, Hellebarde und Dreigliederstab, sowie einige Verwendung von Zeitlupen und späten Blutfontänen als Relevanzsetzung, in der plötzlich auch quer durch die Lokalität gesprungen oder gar durch die Studiobühne geschwungen und anderweitig der knappe Einsatz von Drähten probiert wird.

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