"12 Angry Man" von 1957 gilt als Klassiker. Wenig bekannt ist dagegen diese 6 Jahre später erschienene deutsche TV-Verfilmung, welche die Geschichte weitgehend gleich erzählt und auch dieselben Charaktere mit deren Attributen aufweist. Zu den inhaltlichen Unterschieden, die mir aufgefallen sind, gehört, dass man hier den Angeklagten zu Beginn nicht zu sehen bekommt, oder eine Szene, in der Antisemitismus zur Sprache kommt (der immigrierte Geschworene ist hier ein Jude).
Zahlreiche bekannte Darsteller sind dabei, wie Mario Adorf, Siegfried "Der Alte" Lowitz, der Schweizer Lukas "Graf Yoster" Ammann oder Ralf Wolter (aus den Karl-May-Verfilmungen). Allerdings, und hier liegt der Hauptunterschied zur US-Version, haben die Schauspieler nicht die Ausstrahlung der US-Stars. Gerade die Darsteller der entscheidenden Rollen, Geschworener Nr. 3 (der aus persönlichen Motiven als Letzter an der Schuld festhält, hier Lowitz in der ungewohnten Rolle des Wüterichs, im Original der noch furiosere Lee J. Cobb), Nr. 4 (der sachlich-kühle Debattierer) und die Nr. 8 (die Fonda-Rolle, hier gespielt vom mir unbekannten Robert Graf) erreichen für mich nicht die Intensität der Vorbilder. Immerhin: Der junge Adorf, als Prolet mit Baseball-Karten, schafft es, mir ziemlich aufn Sack zu gehen.
Gut gespielt und spannend erzählt ist es aber allemal. Nur halt eben kein vollwertiger Ersatz. Aufgrund der Inhaltsgleichheit zu "12 Angry Man" sowie der Tatsache, dass auch diese Version in Amerika spielt (das deutsche Justizsystem kennt halt keine Geschworenen..) eigentlich auch ziemlich überflüssig.