Review

Die 12 Geschworenen (USA 1957)

Regie: Sidney Lumet
Genre: Drama
Länge: 97 Minuten
Freigabe: FSK 12
IMDb: 9,0/10
_________________________________________________________________
INHALT:

Ein spartanisch eingerichteter Raum, in dem die Fenster klemmen und der Ventilator kaputt zu sein scheint und dass an einem der heißesten Tage im Jahr. In diesem Raum sollen 12 Männer unterschiedlicher Herkunft, über das Leben eines 18 jährigen Puertoricaner, der angeklagt wird seinen Vater erstochen zu haben, entscheiden.
_________________________________________________________________
KRITIK:

"Die 12 Geschworenen" setzt sich mit dem amerikanischen Rechtssystem und dessen Tücken auseinander. Zwölf zufällig ausgewählte Menschen sollen über das Schicksal eines anderen Menschen entscheiden. Man schließt sie solange in einen Raum ein, bis sie zu einem einstimmigen Ergebnis gelangen: Schuldig oder Nicht-schuldig...

Gleich zu Beginn kommt es zu einer ersten Abstimmung, bei der der Anklagte beinah auf dem elektrischen Stuhl gelandet wäre, hätte sich nicht Geschworener Nr. 8 (Henry Fonda) dagegen ausgesprochen. Ab sofort wird er als Querulant beschimpft, bleibt jedoch ruhig und beharrlich. Es folgen zahlreiche Dialoge mit einigen Wortgefechten, welche die Stimmung unter den Geschworenen immer
aggressier werden lässt. Dabei wird sehr schnell klar, dass es einige sehr fragwürdige Gründe für eine Verurteilung gibt (Rassismus, Mitläufer, persönliche Rachegelüste, pünktlich zu einem Baseballspiel zu kommen). Dabei sind sich die meisten gar nicht ihrer Verantwortung bewusst.

Allein durch den kleinen Raum und der Hitze bekommt der Zuschauer gleich am Anfang ein beklemmendes Gefühl. Durch die Kameraführung wird dieses Gefühl im Laufe des Filmes noch mehr verstärkt. So wird uns am Anfang der komplette Raum mitsamt den zwölf Geschworenen von oben gezeigt, wir blicken auf sie hinab. Im Laufe des Films verändert sich der Winkel bzw. die Position der Kamera, sie nähert sich immer mehr einzelnen Geschworenen, so dass ihre Mimik und Gestik, ihre Körperhaltung während den Dialogen besonders gut eingefangen werden. Das erzeugt immer mehr eine bedrückende Stimmung, die zu explodieren droht, gäbe es da nicht einige Pausen (im Waschraum, Dialoge am Fenster oder jemand repariert den Ventilator oder bei lockerem Smalltalk).

Der größte Moment des Films, ist die rassistische Entgleisung von Geschworenen Nr. 10 und die Reaktion der anderen Geschworenen. Statt sich auf einen Dialog über diese unmenschlichen Vorurteile einzulassen, grenzen sie ihn alle aus, indem sie sich körperlich abwenden. Eine überaus starke Szene!

Die 12 Geschworenen hält uns einen Spiegel vors Gesicht und ist leider aktueller denn je. Es ist nicht nur ein intelligent geschriebenes, grandios gespieltes und höchst spannendes Justiz-Kammerspiel-Drama, sondern es konfrontiert mit seiner moralischen Botschaft und fordert wiederrum den Zuschauer auf, seine persönlichen Vorurteile und Glaubenssätze zu hinterfragen. Ein zeitloses Meisterwerk!

Details
Ähnliche Filme