William Friedkins US-Cable-TV-Version von Sidney Lumets Gerichtsfilm-Klassiker von 1957 hält sich sehr genau an die Vorlage und wartet ebenso mit einem exzellenten Ensemble auf. Die beiden grossen Kontrahenten sind Jack Lemmon, der einmal mehr zeigt, dass er nicht nur komische Nervenbündel spielen kann, und der wuchtige George C. Scott (im Original waren es Henry Fonda und Lee J. Cobb). Der Rest besteht aus hervorragenden Darstellern (James Gandolfini, Armin Müller-Stahl, Ossie Davis, Hume Cronyn, Edward James Olmos, Tony Danza, Mykelti Williamson, William Petersen u.a.)
Natürlich sind einige der Charaktere eher flach und entsprechen den üblichen Klischee-Figuren, aber schlussendlich geht es in diesem Film um anderes: eine eigene Meinung haben und sie zu vertreten, das Zweifeln und das Sich-hinterfragen, Egoismus, soziales Denken, Verantwortung tragen, Stolz und Mitläufertum. Das klingt jetzt alles analytisch und trocken, aber dieses Theaterstück (und um nichts anderes handelt es sich) ist trotz der geographischen Enge (der Film spielt fast nur in einem Raum) absolut spannend und tragisch. Hier werden Tiefen in uns ausgelotet, die wir nicht gerne sehen, aber uns mit ihnen auseinandersetzen müssen.
Regisseur Friedkin, sonst eher der Mann fürs Grobe, zeigt mit seiner Neuversion, dass ihm auch das Psychologische liegt.
Tipp: Die Farbe beim Schauen wegdrehen, in schwarzweiss ist der Film noch intensiver (fast wie das Original).