Leichte Spoiler
Im Jahre 1957 gelang es einem Film der eigentlich nahezu komplett nur aus Dialogen bestand, seine Zuschauer zu fesseln und sie bis zur letzten Sekunde mit Spannung vor dem Geschehen sitzen zu lassen. Die Geschichte der 12 Geschworenen, die über einen Mord entscheiden müssen, wobei sich elf von ihnen sicher sind das der Angeklagte schuldig ist und nur einer leise Zweifel anbringt, war fesselnd wie selten ein Film zu vor. Wie alle guten Filme musste natürlich auch Dieser sein Remake erhalten. Doch wer sich jetzt schon wieder an den Kopf greift, dem sei gesagt: Dieses Remake hier gehört zu den besten Remakes aller Zeiten und kann seinem Vorgänger eigentlich zu 100% das Wasser reichen.
Auch bei diesem "12 Geschworenen"-Film kann die Story wieder unheimlich fesseln. 115 Minuten lang wird nahezu nur geredet, doch das in einer Klasse, wie selten zuvor. Die vielen Wendungen, das genaue detailgetreue Aufrollen des Verfahrens und die unterschiedlichen Charaktere machen das Ganze zu einem Spannungscocktail der besten Sorte.
Da hätten wir den Geschworenen der eigentlich nur leise Zweifel hegt und schnell 2 weitere Geschworene mit einem zwar stichhaltigen aber alles in allem recht dünnem Argument auf seine Seite bringen kann. Dann 2 Geschworene, die eigentlich bis zum Schluss von der Schuld des Angeklagten überzeugt sind und sich auch durch die vielen zahlreichen Fakten und Wendungen, die im Laufe der viel zu schnell verflossenen Film-Minuten aufgetischt werden, nicht von ihrem Standpunkt abbringen lassen. Dann gibt es einen Zweifler, der sich einfach nicht entscheiden kann. Dann einen ziemliche Ignoranten, der den ganzen Fall eigentlich durchgehend nicht so ernst nimmt, wie er eigentlich ist und nur dumme Sprüche klopft und den Rassisten, der den Angeklagten eigentlich nur wegen seiner Herkunft schon auf dem elektrischen Stuhl sehen möchte.
Allesamt sind sie, zusammen mit den anderen nicht minder wichtigen Geschworenen, ein mörderisch gutes Team und es ist einfach unheimlich faszinierend, wie es 1 Gegenstimme schafft, dass zum Schluss alle 12 Geschworenen für Freispruch stimmen.
Zudem darf man beobachten wie unterschiedlich die Menschen doch auf Stresssituationen reagieren. Der eine bleibt ganz ruhig, der andere wird aufbrausend, der nächste schwitzt und wieder ein anderer lässt sich die Anspannung in keinster Weise ansehen. Dabei wurde perfekt auf jedes Detail geachtet. Sein es die immer größeren Schweißflecken auf den Hemden der Geschworenen, das unangenehme Klima im Zimmer oder die Wettersituationen außerhalb des Gebäudes. Exorzist-Regisseur Friedkin hat hier eine absolut perfekte Regie-Arbeit geleistet, wie man sie sich eigentlich von allen großen Regisseuren wünschen würde.
Des weiteren sind aber natürlich die wirklich hochgenialen Darsteller das Maß aller Dinge. Eine gute Mischung aus großen Stars, bekannten aber nicht allzu großen Gesichtern und "no Names"! Allesamt sind sie in ihren Rollen geradezu perfekt besetzt. Jack Lemmon als Zweifler ist unglaublich brillant, genauso wie der fest von der Schuld überzeugte George C. Scott. Am allerbesten dürfte aber unser deutscher Hollywood-Star Armin Müller Stahl sein, der eine derartig glänzende Performances bietet, wie sie nur ein Stahl bieten kann. Aber, wie schon erwähnt, auch wirklich alle anderen Darsteller sind schlicht und ergreifend einfach nur perfekt!
Das sich durch den hohen Dialog-Schwall die ein oder andere Länge nicht ganz vermeiden läßt, nimmt man dabei gerne in Kauf!
Fazit: Ein großartiges Remake zu einem der spannendsten Filme aller Zeiten. Stillsicher und perfekt in die heutige Zeit übertragen, hat Friedkin ein kleines Meisterwerk geschaffen, an denen sich selbst große Regisseure eine Scheibe abschneiden sollten. Eine geniale, sorgfältig durchdachte, eigentlich fehlerfreie Story und ein wirklich großartiges Schauspieler-Team garantieren höchste Spannung von der ersten bis zur letzten Minute. Und das (nahezu) allein durch clevere Dialoge.
Ein Remake, dass eigentlich wirklich keiner, der mal wieder richtig vor Spannung zittern möchte, verpassen sollte!
Wertung: 9,5/10