Review

Tja, was soll ich sagen? Ich hatte mir ja von diesem Film eine Menge erhofft, schließlich wurde er als Drama verkauft, dazu spielten noch zwei Top Darsteller mit, die Handlung klang interessant und ungewöhnlich und Regie führt Steven Spielberg! Was kann also noch schiefgehen?
Einiges, wie ich leider während des Filmes bemerken musste.
"Die Farbe Lila" lässt sich mit einem Wort treffend beschreiben: unausgegoren.
Nichts passt so richtig zusammen, alles wirkt irgendwie geschludert. Das geht beim Drehbuch los: In der Geschichte von einer Schwarzen, die von ihrem Ehemann und der Gesellschaft unterdrückt wird, steckt eigentlich eine Menge Potenzial, doch hier wird das alles verschenkt! Da werden wichtige Episoden einfach weggelassen, viele Jahre übersprungen, neue Figuren ganz selbstverständlich in die Handlung geworfen, ohne dass man sie in irgend einer Art einleitete. Da gibt es Nebenstränge, die so verworen sind, dass man einfach nicht durchsieht, was das denn nun überhaupt noch mit dem Hauptkonflikt zu tun hat. Das ganze wird gegen Ende hin immer schlimmer und der Zuschauer wird teilweise schlichtweg allein gelassen.
Auch die Regie kann hier nichts rausreißen: Klar, man erkennt schon an einigen Stellen, dass Spielberg am Werk war, zum Beispiel an den intensiven Einsatz von Schatten statt Darstellern oder den kleinen Details, auf die sich die Kamera fixiert, aber im Gesamtbild betrachtet passt alles nicht zusammen. Da gibt es unsaubere Schnitte, seltsame Sprünge von einem Ort zum anderen undsoweiter undsoweiter...
Leider kommt erschwerend hinzu, dass der Film einfach nicht weiß, was er will. Eben war die Szene noch tiefdramatisch, plötzlich wirkt das ganze schon wie eine Slapstickkomödie. Überhaupt nimmt die Komik hier teilweise Überhand und verdrängt jegdliche Dramatik total. Gesteigert wird das noch durch die Überziehung einiger Charaktere, die einfach nur noch wie wandelnde Klischees und eine Parodie auf sich selbst wirken.
Wenn dann dochmal sowas wie Spannung, Gefühl oder Dramatik aufkommt, macht die vollkommen deplazierte Musik alles gleich wieder zunichte. In traurigen Szenen kommt plötzlich fröhliche Musik und manchmal übertreibt sie es einfach nur noch mit dem Kitsch. Klar, als Einzelwerk kann man sie sich durchaus anhören, aber im Film wurde sie vollkommen falsch eingesetzt.
Kitsch gibt es übrigens nicht nur in der Musik, sondern auch im Film. An manchen Stellen ist er einfach nur noch unerträglich und selbst für einen Spielberg etwas zu viel des Guten.
Um doch mal was positives zu nennen: Die Schauspieler sind zum großen Teil wirklich hervorragend, besonders Whoopie Goldberg glänzt in ihrer Rolle und man hätte ihr viel mehr Freiraum lassen sollen, um in ihrem Spiel aufzugehen.
Mit den ganzen Vorraussetzungen hätte man eigentlich großes, dramatisches Kino schaffen können, aber der Kitsch und der unpassende Humor und viele kleine ärgerliche Fehler machen jeden Ansatz für Spannung oder Mitgefühl zunichte.
Schade, Chance verschenkt.
5/10

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