Als das Thema von Kontakten mit Außerirdischen und Alien-Entführungen in den 1990ern sehr populär war, man danke an „The Arrival“ mit Charlie Sheen, „Contact“ und vor allem „Akte X“, gruben findige Produzenten auch den Vorfall der angeblichen Travis-Walton-Entführung im Jahr 1975 aus, um auf der Grundlage von Waltons Buch über seine Erlebnisse „Feuer am Himmel“ zu drehen.
Zu Beginn sieht man einen Truck durch den nächtlichen Wald rasen, darin fünf Holzfäller. Mike Rogers (Robert Patrick), der Chef der Crew, und seine Kollegen Allan Dallis (Craig Sheffer), David Whitlock (Peter Berg), Greg Hayes (Henry Thomas) und Bobby Cogdill (Bradley Gregg). Die gestandenen Kerle stolpern blass in eine Kneipe, sammeln sich dort erstmal und beschließen dann ihre Geschichte zu erzählen. Welche Geschichte, das blendet „Feuer am Himmel“ erstmal aus, auch wenn man angesichts von Genre und Trailer natürlich die Antwort schon kennt. Doch der Film springt zu dem Zeitpunkt, als Lieutenant Frank Watters (James Garner) eintrifft, ein Ermittler mit herausragender Aufklärungsquote. Ihm sollen sie ihre Geschichte erneut erzählen, was zu einer langen Rückblende führt.
„Feuer am Himmel“ nimmt sich Zeit für die Einführung seiner Hauptfiguren, zumindest von Mike und seinem besten Kumpel Travis Walton (D.B. Sweeney). Beide sind Holzfäller, außerdem ist Travis Mikes Schwager in spe, da er mit dessen Schwester Dana (Georgia Emelin) zusammen ist. Travis träumt von einem gemeinsamen Motorradladen, Mike hingegen ist der Realist, der mit der Arbeit die Hypothek für sein Haus abbezahlen muss. Doch nach der Arbeit im Wald mit ihrer Crew sehen sie ein rotes Leuchten, das sich als UFO herausstellt. Travis will es untersuchen, wird von einem Lichtkegel getroffen und fällt vermeintlich tot um, während die anderen fliehen. Das war es dann auch lange Zeit mit Aliens in dem Film, eine erste Attraktion, ein Vorgeschmack auf weitere Science-Fiction-Anteile.
Erwartungsgemäß will jedoch niemand die Geschichte so recht glauben – vor allem nachdem bekannt wird, dass Travis und Allan nicht gut miteinander auskamen. Viele glauben eher, dass die Holzfäller den Mord an einem der ihren vertuschen wollen…
„Feuer am Himmel“ verfügt über eine starke Besetzung aus Hollywoods zweiter Reihe, allen voran Robert Patrick, der die Rolle auch gern deshalb annahm, weil er von seinem T-1000-Schurkenimage wegkommen wollte. Mit langen Haaren, Bart und Holzfällerhemd spielt den Normalo, dem die Lage über den Kopf wächst: Die Polizei und andere Einwohner glauben seine Geschichte nicht, der Haussegen hängt zunehmend schief und er macht sich Vorwürfe, weil er seinem besten Freund nicht beistand. Ähnlich gut sind Craig Sheffer als Heißsporn und Peter Berg als streng gläubiger Ruhepol, während Henry Thomas als Jungspund und Bradley Gregg als eigenschaftsarmer Letzter im Bunde merklich weniger Screentime und Bedeutung haben. Stark ist auch D.B. Sweeney in der Rolle des Entführungsopfers, während in den wichtigsten Nebenrollen James Garner als skeptischer Ermittler, Noble Willingham als wohlmeinender Sheriff und Kathleen Wilhoite als gestresste Ehefrau von Mike Akzente setzen. Dass Nebendarsteller Henry Thomas durch seine Rolle als Elliot in „E.T.“ bekannt wurde, dürfte beim Casting eine Rolle gespielt haben, während „Feuer am Himmel“ Karriereweichen stellte. Robert Patricks Performance hier war der Grund, warum er später die Rolle als John Doggett in „Akte X“ bekam, während Regisseur Robert Lieberman eine Folgen der Serie inszenieren durfte.
Lieberman ist auch gut darin Atmosphäre zu schaffen, sei es bei der Entführung im ersten Filmdrittel, einer nächtlichen Suchfahrt nach einem mysteriösen Anruf oder bei einer effektreichen Alienszene im letzten Drittel. Für die handwerklich gelungenen Tricks zeichnet Industrial Light & Magic verantwortlich, auch wenn das Design der außerirdischen Besucher nicht allzu kreativ ausfällt: In Raumanzügen sehen sie wie die glubschäugige Klischee eines Marsmännchen aus, darunter dann wie kleine Schrumpelleute. Problematisch an dieser längeren Sequenz ist allerdings etwas anderes: Sie ist ein Schauwert, hat ein paar Bilder, die durch unter die Haut gehen, buchstabiert aber nur das aus, was man zu diesem Zeitpunkt schon genau weiß, nämlich dass Travis wirklich entführt wurde. Also der Film-Travis, der reale Travis Walton wird mittlerweile selbst von den meisten UFO-Gläubigen als Schwindler angesehen. Und dadurch nimmt dieser Block Zeit für andere Dinge weg, aber letzten Endes ist dies auch das Hauptproblem von „Feuer am Himmel“: Er will einfach zu viel.
Dabei hat er nach der halbstündigen Exposition durchaus einen guten Ansatz, wenn es darum geht wie die Kleinstadtgemeinschaft auf das Verschwinden von Travis reagiert. Wie die Holzfäller ohne Beweise zu Verbrechern abgestempelt werden, auch wenn es den Leuten beim vorbestraften Allan einfacher fällt als beim fest in der Gemeinde verankerten Mike. Wie die Holzfäller zweifeln, ob sie wirklich bei der Wahrheit hätten bleiben sollen. Wie Mike an der eigenen Schuld zu knabbern hat, weil er seinen besten Freund zurückließ, und dadurch die Probleme anderer nicht sieht. Denn wenn er seiner Frau vorwirft, dass es ihr nur ums Geld ginge, hat diese durchaus berechtigte Sorgen: Mike verliert durch den Vorfall seinen aktuellen Auftrag, gerät mit den Raten für die Bank in Rückstand und die Familie könnte das Haus verlieren. Das inszeniert Lieberman als stimmiges Drama über Schuldgefühle und Vorurteile, auch wenn das Drehbuch von Tracy Tormé doch nicht alle Figuren stimmig genug beleuchtet. So wird David beim Beten in einer Kirche gezeigt und von seinen Mitmenschen oft als Chorknabe bezeichnet, aber welche Auswirkungen die Entführung von Travis und der Kontakt mit Aliens auf seinen Glauben hat, darauf geht der Film nie ein.
So ist es dann auch schwierig, wenn das letzte Drittel nochmal ein ganz neues Fass aufmacht und sich auf etwas ganz Anderes konzentriert. *SPOILER* Nach der Rückkehr von Travis sind die Verbrechensanschuldigen natürlich vom Tisch, stattdessen fokussiert sich der Film nun auf den ehemals lebenslustigen Träumer, der jetzt schwer traumatisiert ist. *SPOILER* Viele Figuren und Handlungsstränge fallen unter den Tisch, es gibt zwar die genannten Schauwerte, aber die sind halt eine Rückblende. So endet der Film dann auch nicht mit einem Knall oder einer großen Enthüllung, sondern fasert eher aus. Ein Epilog zeigt das Danach ein paar Jahre später, endet erst mit einer versöhnlichen Note, dann mit ein paar Texttafeln über den weiteren Verlauf der angeblich wahren Geschichte. Dramaturgisch ist das leider wenig geschickt, versucht sich zwar an den geschilderten Verlauf zu halten, macht dadurch aber immer wieder Dellen in den Spannungsbogen.
Dementsprechend ist „Feuer am Himmel“ dann auch kein schlechter, aber letzten Endes ein irgendwie unbefriedigender Film. Das Ensemble ist stark, allen voran Robert Patrick, die Atmosphäre stimmt und die wenigen Effektszenen haben durchaus Wirkung. Aber letzten Endes finden Lieberman und Tormé keinen klaren Fokus, lassen Handlungsstränge immer wieder abreißen und verlieren manche Figur aus dem Blick, sind mal mehr an der Alien-Entführung, mal mehr an deren Auswirkungen auf das Kleinstadtleben interessiert, aber bekommen dies nie zu einem stimmigen Ganzen. Schade drum, denn handwerklich kann man ansonsten wenig an „Feuer am Himmel“ herummeckern.