Irgendwann in ferner Zukunft wird sich vielleicht irgendein Filmwissenschaftler der Frage widmen, wieviele Filme mit Titeln, die auf „-ator" enden, im Fahrwasser von James Camerons „Terminator" Mitte der 80er in die Videotheken gekübelt wurden. Es war aber auch zu verlockend: Man brauchte das grottige Action-Überbleibsel vom billig auf der Mifed erstandenen Filmpaket einfach nur „Contaminator", „Special TERMINATOR CIA" oder eben "Retaliator" zu nennen, schon konnte man sich relativ sicher sein, daß genügend blöde Ärsche im Videothekenregal danebengreifen und so für Umsatz sorgen würden. Beschweren tut sich danach auch keiner, ist ja zu peinlich.
Wie es sich für eine amerikanisch-israelische Koproduktion gehört, beginnt "Retaliator" mit einer palästinensischen Terroristengruppe, die auf Kreta recht unmotiviert irgendwelche Touristen über den Haufen ballert und zwei (ganz zufällig) amerikanische Blagen kidnappt. Angeführt wird der finstere Haufen von einer gewissen Samira, die wiederum von einer Dame mit dem originellen Namen Sandahl Bergman dargestellt wird. Jene hatte mal bei irgendeinem Wettbewerb den ersten Preis gemacht, durfte deswegen im ersten „Conan" mitspielen und sah auch damals schon aus wie ein ausgelatschter Schuh.
Schnitt nach Amiland zur CIA, wo man von den Geschehnissen sichtlich angenervt ist („Immer der gleiche Scheiß!"). Anstatt sich einen neuen Job zu suchen, rufen die Geheimdödel ihren besten Mann, den „Retaliator" eben. Der wird gespielt von Robert Ginty, und jetzt muß ich mal ein bisschen ausfallend werden: Dieser Robert Ginty ist so ziemlich der dämlichste, häßlichste und allgemein unsympathischste Actiondarsteller, der mir je untergekommen ist. Jedes Mal wenn ich den sehe zuckt mir der Fuß, weil er in diese eklige Fresse möchte. Selbst den ultra-sleazigen „Exterminator" hat diese Knallcharge mir fast versaut. Zum Glück hat er nicht allzu viele Filme gedreht.
OK, Herr Retaliator fährt also mit ein paar schwerbewaffneten Kumpels nach Beirut, um das Terroristennest auszuräuchern und die Bälger zu retten. Soweit ist alles klar. Warum man jetzt aber die Oberterroristin verwundet und nach Amerika mitnimmt, anstatt sie einfach wegzuballern, konnte der Film mir nicht wirklich schlüssig begreiflich machen. Andererseits wäre er dann aber auch schon zu Ende, und das wäre ja auch nicht so toll (obwohl...).
Der eigentliche Gag des Films kommt jetzt: Die arme Samira kommt der CIA gerade recht, um sie für ein ganz doll geheimes wissenschaftliches Projekt namens Cybertron (was die deutsche Synchro damals noch „Zübertrohn" auszusprechen wußte) zu mißbrauchen. Da stehen ein paar vermummte Mediziner in einem hübsch pink und blau ausgeleuchteten Heizungskeller, matschen der Lady im Bregen rum und pflanzen ihr einen Mikrochip ein. Davon wird man nämlich zur unaufhaltsamen, voll kontrollierbaren Killermaschine, weiß ja jeder. Dabei schmeißen sie mit Dialogzeilen um sich, zu denen einem echt nix mehr einfällt:
HiWi: Wir haben einen sehr synchronen Rhythmus, Doktor.
Doktor: Wie sieht's aus, was sagt der Computer?
HiWi: 103 zu 1,9 Mikrosekunden.
Doktor: Alles klar.
HiWi: Ich bemerke eine erhebliche Verringerung des Alpha-Rhythmus auf der rechten Seite.
Doktor: Hier ist das Sprachzentrum. Wir könnten eine perfekte Frau aus ihr machen, indem wir dafür sorgen, daß sie nie wieder ein Wort sagt.
Weiblicher HiWi: Sehr witzig, Doktor.
Doktor: Wir müssen eine Verbindung zur anderen Gehirnhälfte herstellen, sonst können wir nur den halben Körper kontrollieren.
Äh...ja. Nach gelungener Operation schaut Frau Bergman noch bescheuerter aus der Wäsche. Die CIA findet das aber nicht weiter schlimm und schickt sie sofort auf die erste Killer-Mission. Die Jungs haben anscheinend noch nicht sehr viele C-Filme gesehen, denn natürlich läuft sie im Anschluß Amok gegen jeden, der für ihren desolaten Zustand verantwortlich ist. Eine der schönsten Szenen des Films ist die, in der sie herausfindet, wo die ganzen Leute wohnen: Samira ist nämlich nicht nur eine knallharte Killerbraut, sondern auch ein 1A-Modem. Sie geht also in eine Kneipe, hängt sich ans Telefon und flötet sich in den CIA-Zentralrechner, der ihr auch gleich bereitwillig die Privatadressen der gesuchten Personen zurückflötet. Genial!
Auch nicht ganz nachvollziehbar ist folgende Szene: Nachdem der überhaupt nicht frauenfeindliche Doktor auf einer Party dran glauben mußte, verzieht sich Samira aufs Klo. Dort klaut sie einem zufällig anwesenden weiblichen Partygast glatt die Perücke vom Kopf. Der Sinn der Aktion? Keine Ahnung, jedenfalls rennt sie für den Rest des Films mit einer schreiend häßlichen 80er-Jahre-Turmfrisur durch die Gegend.
Nun, natürlich steht auch Robert Ginty auf Samiras Abschußliste. Und obwohl man ihr den Erfolg von Herzen wünscht, läßt sich unser Actionheld leider nicht so schnell unterkriegen. Am Ende verschanzt er sich mit seiner Familie auf der „Camarilla Federal Reserve Base", die irgendwie verdächtig nach einem Sportflugplatz aussieht. Zwischen den ganzen einmotorigen Cessnas rennen Unmengen von Soldaten planlos hin und her, damit sie auch ja gut von Samira weggemetzelt werden können. Irgendwann ist keiner mehr übrig, da muß der Hero dann selbst ran. Aber da es auf einer ordentlichen „Federal Reserve Base" nicht nur jede Menge Sportflugzeuge, sondern auch genügend Planierraupen gibt, hat der Retaliator recht schnell den Tag gerettet und der Film ist endlich vorbei.
Meine Güte. Der Film hätte wirklich spaßig werden können, aber leider kommt die Geschichte nie so richtig aus dem Quark. Alles wird endlos zerlabert, und stringente Handlungsführung scheint auch nicht gerade die Stärke des Drehbuchautoren zu sein (die obige Inhaltsangabe ist stark gestrafft). Auch in technischer Hinsicht macht das Werk nicht immer den kompetentesten Eindruck: Irgendwer hätte Regisseur Allan Holzman (der ein paar Jahre vorher den sehr viel gelungeneren „Mutant - Das Grauen im All" verzapfte) ruhig verraten können, daß ein Stativ bei statischen Einstellungen Wunder wirkt und daß es nicht wirklich gut kommt, wenn eine als Sonnenblende mißbrauchte Filmklappe ins Bild ragt. Andererseits gibt es genug haarsträubend blödsinnige Szenen, die beim Zuschauer immer wieder für Heiterkeit sorgen. Eine Empfehlung kann ich aber nur sehr bedingt aussprechen. Dafür gibt's zum Schluß noch ein kleines Dialog-Highlight zweier furchtloser Terroristenjäger, die gerade eine Spazierfahrt durch Beirut machen:
Furchtloser Terroristenjäger #1: „Die müßten einen Freizeitpark errichten und ihn Gaddafi-Land nennen. Dann kannst du für ne Tageskarte zusehen, wie sie unschuldige Leute umbringen."
Furchtloser Terroristenjäger #2: „Es gibt keine Tageskarten mehr. Nur noch Monatskarten."