In einem Autokino in Jacksonville, Florida beobachtet der Junge Terry ein Pärchen bei der Fummelei. Recht unvermittelt und grundlos beendet er das Tête-à-tête alsbald mit einem Hackebeil. So, das hat Spass gemacht, aber durch die nahende Polizei an die drohenden Konsequenzen seines Tuns erinnert, schiebt er mal lieber seinem Zwillingsbruder Todd die Tat in die Schuhe. "Soll der doch ab in die Klapse und ich bin fein raus!" Zehn Jahre später am Thanksgiving Day erfahren Mutti und der vermeintlich gute Zwilling beim Truthahnschmaus von Todds Ausbruch. Als kurze Zeit später das Morden wieder beginnt, stellt sich die Frage wer zur Machete greift: Todd oder Terry?
Dieser Spannungsbogen hätte durchaus länger aufrecht erhalten werden können, aber leider ist dem Zuschauer sehr schnell klar, wer hier der Täter ist. Da verschenkt Regisseur John Grissmer viel Potential. Eine fehlende Demaskierung im Finale unterscheidet "Blood Rage" dann auch maßgeblich von vielen anderen Slashern aus dieser Zeit, den goldenen 80er Jahren. Alle sonstigen Genre-Standards werden aber erfüllt: Eine Tatmotivation aus der Vergangenheit, ein linearer Handlungsverlauf garniert mit ordentlichem Bodycount, ein Final Girl und ein eingängiger Synthiesoundtrack. Den Cameo-Auftritt von Ted Raimi als Kondomverkäufer auf der Toilette gibt es sogar noch obendrauf.
Die Kills sind recht derbe, wenngleich sie aufgrund mangelnder Budgetmittel und tricktechnischer Möglichkeiten zum Teil lediglich im OFF stattfinden. Wer "Blutweihe", "The Mutilator" oder "Nightmare in a damaged Brain" mag, kann auch hier zugreifen ohne eine böse Überraschung zu erleben, so wie die Mutter der Zwillinge am Schlusss dieses Films. Leider ist "Blood Rage" bisher nicht in Deutschland erschienen und daher recht unbekannt. Ein gescheites DVD-Release hätte er aber definitiv verdient, umso mehr als die bisher erhältlichen Scheiben geschnitten sind.