Todd und Terry sind achtjährige Zwillingsbuben, die so harmlos aussehen, als könnten sie kein Wässerchen trüben. Selig schlummern sie auf dem Rücksitz des Wagens, während ihre Mutter Maddy (Louise Lasser, Everything You Always Wanted to Know About Sex * But Were Afraid to Ask) vorne mit ihrer neuen Bekanntschaft rummacht. Was um die spitze Frau herum vorgeht ist ebenso nebensächlich wie der Horrorstreifen The House That Cried Murder! auf der großen Leinwand des Autokinos. Und so entgeht ihr auch, daß sich ihre Sprößlinge heimlich, still und leise davonstehlen, kaum daß sie erwacht sind. Daß ihre Kinder ausgebüxt sind bemerkt sie erst, als es bereits viel zu spät ist. Die Zwillinge schleichen neugierig durch das Drive-In und stoßen auf einen Wagen, in dem sich ein junges Pärchen vergnügt. Terry, der zuvor eine herumliegende Axt ergriffen hat, sieht dem Treiben interessiert zu, bis ihn der Bursche sieht und auffordert, er soll gefälligst verschwinden. Terry denkt allerdings nicht daran, holt mit der Axt weit aus und drischt dem Typen die Schneide mit Schmackes mehrere Male mitten ins Gesicht. Blutüberströmt haucht der junge Mann sein Leben aus, während seine splitternackte Begleitung kreischend das Weite sucht. Terry drückt indes dem geschockten Todd die Axt in die Hand, schmiert ihm Blut ins Gesicht und bezichtigt ihn lautstark des Mordes!
Zehn Jahre später. Terry (Mark Soper) lebt glücklich und zufrieden bei seiner Mutter. Nicht ganz so glücklich ist Todd (ebenfalls Mark Soper), muß der doch seit dem unangenehmen Vorfall im Autokino in der geschlossenen Anstalt von Dr. Berman (Produzentin Marianne Kanter) sein Dasein fristen. Just zu Thanksgiving gelingt ihm die Flucht, womit einem Besuch zu Hause nichts mehr im Wege steht. Dort verkünden derweil Maddy und Brad (William Fuller) freudestrahlend ihre Verlobung. Für Terry ist das alles zu viel, er schnappt endgültig über. Fortan ist niemand mehr vor ihm und seiner scharfen Machete sicher. Einer der Unglücklichen, auf die sich Terrys Verhalten nachteilig auswirkt, wird vom jungen, aufstrebenden Spezialeffektkünstler Ed French gespielt. Für den Jungspund im SFX-Bereich muß das Engagement, hier auch die Blutsuppe rühren zu dürfen, wohl einem wahrgewordenen Traum geglichen haben. Ed French durfte sich bei Blood Rage jedenfalls so richtig dolle austoben und dem Publikum präsentieren, was er drauf hat. Für Slasher-Movie-Fans ist das Gebotene ein feuchter Traum. Das Blut fließt in Strömen, wenn Terry mit Machete, Grillgabel oder Axt zur Tat schreitet. Sind die wunderbar saftigen Murder-Set-Pieces schon ein echter Hingucker, so setzt er mit den so einfallsreich wie liebevoll inszenierten Folgen der Attacken noch einen drauf. Ob eine in der Mitte zerteilte Frau oder ein weit aufklaffender Schädel, Fans goriger Eskapaden kommen hier voll auf ihre Kosten.
Den zahlreichen handgemachten Effekten mag zwar die Finesse eines Tom Savini abgehen - weshalb sie, obwohl gut umgesetzt, auch nicht unbedingt realistisch erscheinen -, aber da hier mit dem red stuff nicht gekleckert sondern fröhlich geklotzt wird, steigert das den Spaß am großen Ganzen nur noch, zumal Blood Rage auch anderweitig punktet. Die von Bruce Rubin erdachte Story ist interessant, obwohl auf das Whodunit-Element (leider) kein Wert gelegt wurde. Die Schauplätze des zur Gänze in und um Jacksonville, Florida, entstandenen Streifens sind nett, die Kamera fängt das Gemetzel ruhig und bedächtig ein (kein hektisches Gewackel), und auf der Tonspur dudelt Richard Einhorns herrlicher Synthesizer-Score so ausgelassen dahin, als gäbe es kein Morgen. Auch schauspielerisch geht ziemlich die Post ab. Louise Lasser zieht eine etwas überzogen-melodramatische aber nichtsdestotrotz faszinierende Show ab, wobei ihre Figur bis zum (überraschend starken) Ende vor allem psychisch einiges durchmacht. Mark Soper (The World According to Garp) wiederum haucht den beiden unterschiedlichen Zwillingen launiges Leben ein. Während Todd ein schüchterner, traumatisierter, aber alles in allem doch sehr netter Junge ist, ist Muttersöhnchen Terry ein Psychopath der Güteklasse A. Die restlichen Schauspieler füllen ihre eindimensionalen (Opfer-)Rollen adäquat aus, wobei zwei, drei Ladies für den obligatorischen Hauch T & A sorgen. Und in einer Minirolle als Kondomverkäufer ist Ted Raimi im Drive-In-Prolog zu sehen.
Neben den happigen Splattereinlagen von Ed French (der in den Folgejahren übrigens einen rasanten Aufstieg hinlegte; von Exploitation-Flicks wie Exterminator 2 und Breeders über ansehnliche Produktionen wie The First Power und The Guardian bis hin zu A-Ware wie Terminator 2: Judgment Day, da kann der gute Mann echt nicht meckern) begeistert Blood Rage auch mit der lockeren, schrägen, irgendwie schizophrenen Stimmung, die sich durch das Geschehen zieht. Der grundsätzlich ernste Ton wird immer wieder von seltsamen, ja, fast schon absurden Momenten torpediert. Terry und Todd werden, trotz unterschiedlicher Klamotten und völlig gegensätzlichem Verhalten, oft verwechselt. Maddy setzt sich, mit den Nerven am Ende, vor den Kühlschrank und futtert Bohnen. Und natürlich Terry, der einer Frau auch schon mal gentlemanlike in den Mantel hilft, bevor er sie tötet. Seine Wortspenden sind ebenfalls nicht zu verachten. So sorgt sein mit ernster Miene vorgetragenes Bonmot "it's not cranberry sauce" immer wieder für herzhaftes Schmunzeln. Der Film ist bisweilen einfach wunderbar komisch, ohne in komödiantische Gefilde abzudriften. Blood Rage wurde 1983 in Florida gedreht, erblickte aber erst vier Jahre später unter dem Titel Nightmare at Shadow Woods (und stark gekürzt) das Licht einiger amerikanischen Kinos. Die unzensierte Fassung dieses ungemein kurzweiligen Erntedankfest-Slashers hat es jedenfalls in sich. Blood Rage zählt gewiß nicht zu den besten Schlitzerfilmen der 1980er-Jahre. Einer der vergnüglichsten Vertreter dieser Spielart ist er jedoch allemal.