Slasher-Purismus
Wenn ein Film Jahre lang in den dunklen Kammern seiner Produktionsfirma liegt und angammelt, dann spricht das meist nicht für ihn. "Blood Rage" widerlegt diese These und 1983 hätte man eigentlich keinen Grund gehabt, den unweglosen Slasher noch 4 Jahre schimmeln zu lassen. Warum einen ultrabrutalen und grundsoliden Killerflick auf dem Höhepunkt der Slasherwelle loslassen, wenn man auch warten kann, bis diese abgeflaut ist? Verstehen muss man diesen Quatsch nicht. Vielleicht dachte man, in dieser Art gibt es schon zu viel. Worin Wahrheit lag. Doch "Blood Rage" aka "Slasher" aka "Nightmare At Shadow Woods" hat durchaus gorige Argumente auf seiner Seite, die ihn vom Standard abheben und für Slasherfans mehr als interessant machen. Fast würde ich behaupten: ohne "Blood Rage" gesehen zu haben, darf man sich gar nicht so nennen. Er hat diesen Vibe, der fast alles konzentriert zusammenfasst, was man an diesem seichten Subgenre liebt. Humorlos geht es zur Sache, in einem sagenhaften Tempo und mit Leichenbergen, die nur als große Kunst betitelt werden können. Keine Sekunde zu lang und keinen Deut zu cheesy. Immer genau richtig.
Der Plot klingt komplizierter als er sich dann letztendlich entfaltet: Zwillinge stibitzen sich im Autokino weg von den Rücksitzen ihrer rummachenden Mutter und einer der beiden Jungs schlägt plötzlich psychopathisch mit einem Beil einen Kopf ein. Und dann hängt er seinem schockierten Bruder auch noch die Tat an. Zehn Jahre später flüchtet dieser aus der Nervenheilanstalt, was dem eigentlichen Täter einen guten Grund liefert, endlich wieder Schädel zu spalten... "Blood Rage" ist Slasher-Fast Food der leckersten Sorte. Hirn aus, Morde an. Die Geschichte hat einen psychologisch dramatischen und wertvollen Kern, doch im Endeffekt brennen sich nur die herausragend gemachten Kills ein. Da wurde sogar Savini sicher manchmal etwas neidisch. Das saftet ordentlich. Mark Soper spielt die Doppelrolle stark und sein Terry ist wahrhaft angsteinflössend unberechenbar. Zudem läuft der Soundtrack gut durch und allgemein bietet diese blutige Nacht aus Rache und seelischer Verrohtheit durchgängig klasse Unterhaltung. Da kann man nicht viel gegen sagen. Meilensteine sehen zwar anders aus, doch in Sachen purem Slasher gehört das Ding in den Olymp. Jahre nicht beachtet, Zeit das zu ändern.
Fazit: hart, blutig, heftig - "Blood Rage" ist ein Slasher, der ohne Umwege auf den Punkt kommt und dabei alles und jeden zerteilt, ersticht und in Blut ertränkt. Geht es um die reine Kunst der Kills, dann macht diesem Geheimtipp kaum einer was vor. Saftig!