Der Film ist so flink, dass man gar nicht richtig weiss, wie man ihn am besten packen soll. Zusätzlich zu der Geschwindigkeit, die deutlich über dem verfassungsrechtlich gebotenen Minimum liegt, ist er nämlich noch reichlich wirr. Nicht im Sinne von „undurchschaubar“ oder „kompliziert“, sondern halt einfach nur verrückt. Abgedreht. 82min rasante, zuweilen etwas blöde und öfters mal sehr blöde Unterhaltung, die derartig irre nur funktionieren kann, wenn man genug Schalk miteinbaut und ja nicht zuviel Inhalt aufwirft. Ausserdem sollte man sich wenn schon nicht in Tempo und Exzessen, dann doch zumindest in den Personen und Örtlichkeiten einschränken; das Übermass des Einen muss auf der anderen Seite wieder abgefangen werden. Ansonsten kann man nur mit Kopfschmerzen hinausgehen oder entnervt aufgeben.
Regisseur Wellson Chin kennt sich mit der richtigen Bedienung dieser „Spiel, Spass und gute Laune“ Methodik aus; hat er doch im gleichen Zeitraum gerade die vierteilige Inspector wears Skirts Reihe abgeschlossen und dort die Handhabung schon einmal kräftig geübt. Mit gemischten Ergebnissen allerdings; auf Dauer wurde es zu laut und zu dumm, zu nervig und zu anstrengend – ein Hauptproblem von kantonesischen Komödien. Ausserdem liess man nach und nach die Action zugunsten des Humors fallen und konzentrierte sich auch wirklich auf das Letztere; obwohl man mit dem Ersteren nicht nur mehr Erfolg hatte, sondern gerade damit den eigentlichen Anreiz schuf. Auch Super Lady Cop startet sehr vielversprechend mit einigen furiosen Krawallszenen; um sich dann schnell in einen Blödelfilm umzuwandeln, der nur noch sporadisch mal zur wirklicher Action greift. Deswegen wird er aber nicht leiser und auch nicht weniger hurtig, sondern ändert allein die Wahl der Mittel. Manchen wirds freuen, dass auch die Scherze teilweise nicht von schlechten Eltern sind. Andere sind sicherlich vorneweg unglücklich über die Tatsache, dass man es wieder nicht zustande gebracht hat, einen ernsten SciFi Film abzuliefern.
Damit hat es bisher ja leider fast noch nie geklappt; selbst der meist rauh - depressive The Final Test [ 1987 ] konnte es nicht lassen, sich zeitweise in Schabernack und Absurditäten zu ergehen. Hierbei sieht man diese Richtung allerdings schon vorneweg; die Einleitung in Form einer geschichtspolitischen Zusammenfassung gibt neben dem Ende des Kalten Krieges und dem Zusammenbruch der UDSSR auch die Tatsache bekannt, dass statt einer weiteren Aufrüstung von Nuklearwaffen nunmehr die Erforschung der Akupunktur als Hauptziel steht. Ja genau. Dabei befinden wir uns gar nicht in der Zukunft, sondern im Hier und Jetzt; was analog zur Drehzeit September 1992 bedeudet. An der chinesischen Grenze findet eine ominöse Explosion statt; aus dem Flammenmeer treten drei Männer, die sofort eine Schneide des Todes Richtung Hong Kong schlagen. Dort kehren sie für einen Moment ein, werden aber von einem Trupp Polizisten aufgestöbert. Ausserdem ist der chinesische Super Lady Cop Nieh Ling [ Cynthia Khan ] ebenfalls hinter ihnen her, und die ist weitaus effektiver als die eifrig ins Gras beissenden Kameraden.
Als Taufpate des Ausgangspunktes kann man sich also bei den Grundthemen der Science Fiction allgemein bedanken wie bei zwei der augenfälligeren Vertreter Blade Runner [ 1982 ] und The Terminator [ 1984 ] spezieller. Weiters kommen aber Spionagefilme der 60er, 70er und 80er ebenfalls in Betracht; die Überzeichnung von Personen und Stilistik lenkt nicht davon ab, dass man sehr deutlich mit den Themen von Top Secret Missionen, Überläufern und Doppelagenten hantiert.
Nun lässt sich nur spekulieren, inwieweit der Autor anschauliche Bezüge herstellen wollte; aber Nieh Ling bekommt ihren Auftrag ausgerechnet vom Zentralkomitee, erinnert sich später nur an Russland als Heimatadresse und redet sich mit ihren Verbindungsmann auch ständig als „Genosse“ / „Genossin“ an. Etwas sehr auffällig eben, so dass es auch in dem nun folgenden Lärm nicht untergehen sollte. Denn spätestens wenn Nieh auf Inspector Chiu Shui [ Alex Man als großspuriger Weiberheld mit gleich zwei kugelsicheren Westen ] und Yoki [ Athena Chu als die plappernde, lolitahafte Zeugin des missglückten Polizeieinsatzes ] trifft, ist alles an ernsten und ruhigen Anklängen gnadenlos vorbei.
Der Geräuschpegel wird dann gleich auf Maximum gestellt; vor allem der Cutter arbeitet im Akkord und lässt überhaupt keine Übergänge zwischen einzelnen Einstellungen zu. Es grenzt schon fast an ein kleines Wunder, dass die Anschaulichkeit vor allem der Actionszenen nicht verlorengeht; aber man muss wirklich schon mit wachem Geist folgen, um die Übersicht wahren zu können. Hier wird nicht mit Nachdruck und Akzentuierung gedreht, sondern rein über die 360° Kinetik Wirkung versucht; dabei nutzt man wirklich auch jedes Instrument und spielt jenseits der rasanten Schnittfolge die Bilder auch noch teilweise schneller ab. Der Super Lady Cop quasi als Nachfolger seiner Keystone Kollegen. Die veranstaltete Arbeit des nominellen Führungsgremiums der Martial Arts Choreographen ist also nur zum Teil sichtbar; die formidablen Stunts werden gar nicht genauer ins Auge gefasst, sondern laufen einfach nur ab. Man prügelt sich auf einem fahrenden Auto und macht dann auch mal einen fatalen Schritt daneben >>> kein Höhepunkt, sondern in ein paar Sekunden abgehandelt und gleich zum Fight auf einem Bambusgerüst übergeleitet.
Man steigt über einen Balkon und rutscht nur mit Handtuch bekleidet einige Stockwerke hinunter ab >>> kommt nur einem kurzen Lacher zugute und wird nicht weiter beachtet.
Leider würde man aber desöfteren gerne eine zweite Einstellung davon bekommen; sei es aus einer anderen Perspektive, sei es in einer Zeitlupe festgefroren. Nichts dergleichen. Der erst konstruierte Effekt wird nicht extra gewürdigt und durch das blosse Abspulen wieder demontiert.
Dafür darf man sich dem anderen Teil des Filmes intensiver widmen: Den Scherzen und den Schoten.
Slapstick natürlich. Onomatopoesie. Körpersprache. Exotische Charaktere. Durch Chiu Shui viel Schäkereien um anwesende Frauen; nicht unähnlich dem City Hunter, aber weniger comigal. [ Obwohl eine ähnliche Chun Li Hommage als Anlehnung an Streetfighter auftaucht. ] Wenig Wortwitz, dafür einige sehr trockene Sprüche von den Bösen. Bei denen während des vollzogenen Experimentes die Trennung von Richtig und Falsch offensichtlich nicht eingespeist wurde, so dass sie einfach frei Schnauze handeln und sich alles unter den Händen reissen, was nicht Niet- und Nagelfest ist. Und immer hier und da einen Kommentar abgeben, der zwar nur die Situation darlegt, aber gleichzeitig durch die Aussprache derselbigen ihre Härte nimmt. Einige Brutalitäten tauchen allerdings ebenfalls mit auf: Prostituierten wird der Hals umgedreht, Gesetzeshüter niedergemäht und Überbleibsel für die Forschung behalten. Ausgehebelt wird die Grobkörnigkeit durch Farcen; so verträgt der eine Fremdling die Nachwirkungen nicht und verwandelt sich nach und nach in eine Transe. HK Humor, sicherlich. Ab und an nicht ohne Esprit.
Wenn sich am Ende in einem ominösen Grosscontainer geprügelt wird, in dem die Kulisse an die surrealen Landschaften der Wuxia – Verfilmungen der Shaw Brothers erinnert, hat man ein relativ unbekanntes, kurzweiliges Werk gesichtet. Nach dem sich eine Suche nur lohnt, wenn man mit den Gegebenheiten des kantonesischen Kinos vertraut ist und sich nicht an Kunstfiguren, Nervensägen und silly disturbances stört. Oder man das zugunsten einer schnuckligen Cynthia Khan verdauen kann und deswegen auf sich nimmt.