"Schartl ist nicht die Welt, aber die Welt ist Schartl"
Mit "Schartl" kreierte das Passauer Kabarett - Urgestein Sigi Zimmerschied mehr als nur eine filmische Erweiterung seiner großartigen Bühnenprogramme. In Eigenproduktion als Regisseur, Autor, Darsteller und Komponist schafft er eine entlarvende, bitterböse Satire auf kirchliche Würdenträger, bigotte Moral und militanten Gemütlichkeitsirrsinn - all das vor dem Hintergrund seiner Heimatstadt Passau (die wahrscheinlich durch den politischen Aschermittwoch bekannt geworden sein dürfte) nebst dörflichem Dunstkreis. In zahlreichen Episoden wird
die (niederbayerische) Provinzstruktur so genüsslich - makaber zerlegt, dass einem das Lachen schon einmal im Halse steckenbleiben kann: von der Wahl zur "brutalen Sau" in der Dorfdisco, der Reihenhäus'ler - Combo, der Unmöglichkeit des kleines Mannes sein Haus und seine Ehefrau wieder zu erkennen bis zum Talkmaster Fonse, einem Auswuchs volkstümlicher Gemütlichkeit, der seinen Gästen mit einem Dreschflegel die Köpfe einschlägt. Die tiefschwarze Lokalpolitik muss ebenso daran glauben wie die fest verankerte erzkatholische Moral: der Aufmarsch der latent faschistoiden Kleinbürger wie die von Gelüsten geplagte Nonne, die im orgiastischem Finale ihre wahre Berufung als klavierspielende Domina findet. Der brachiale Stil der einzelnen Episoden wird durch einen losen Rahmen zusammengehalten: der Bauer "Schartl", der seinen eigenen Film drehen will und beim Fernsehredakteur auf pure Ablehnung stößt: "Ach, lassen Sie das Filmen sein, Herr Schartl.Die Welt ist hässlich genug." Und so hässlich sie ist, so grotesk ist sie auch, wie "Schartl". Sicherlich, die eigenwillige Inszenierung, die irgendwo zwischen Theater, Kleinkunst und Experimentalfilm liegt und nicht zuletzt der niederbayerische Dialekt machen es dem Zuschauer nicht leicht, allerdings ist "Schartl" ohnehin nicht darauf ausgelegt, einem größerem Publikum zu gefallen.
Dabei darf man sich nicht täuschen lassen: trotz (oder gerade wegen) der Tatsache, dass es sich um eine Eigenproduktion handelt, hat man es mit einem beeindruckendem, wenn auch drastischem Gesamtkunstwerk zu tun. Die Schauspieler, allen voran Sigi Zimmerschied selbst, sind großartig in ihrer Darstellung.