Review

"Killer Storm strikes back"

Was wie eine reißerische Schlagzeile eines US-Wetterkanals klingt, wäre auch ein toller Titel für Steven Seagals zweiten Kinoauftritt gewesen. OK, das ist Jammern auf hohem Niveau, denn Hard to kill trifft mindestens ebenso exakt ins Schwarze. Es gibt kaum einen der inzwischen über 30 Actionkracher, in denen es den bösen Jungs so schwer fällt, dem unkaputtbaren Aikidomeister das Lebenslicht auszublasen. Vier Kugeln in die Brust reichen hier ebenso wenig aus, wie ein ins Krankenhaus entsandter Auftragskiller, der den vermeintlichen Routinejob, den eben aus einem 7-jährigen Koma erwachten - und damit ungewohnt hilflosen - Steven endgültig ins Jenseits zu befördern grandios versaut. Ganz zu schweigen von einer gefühlten Hundertschaft gedungener Mörder, denen unser Held in bester Phantom Kommando-Marnier - will heißen im völligen Alleingang - zeigt, wo der Steven den Sake holt. Ach ja, eine jugendliche Streetgang mit gewalttätiger Ader hat Stevens bevorzugten Schnapsladen auch zum letzten Mal überfallen.

Ja, in Hard to kill gibt es für die bad guys nur sehr wenig zu lachen. Dafür umso mehr für Kenner und Liebhaber klassischer 80er-Jahre-Action. Untermalt vom Dekadetypischen Synthie-Score, pflügt sich unser Held wie ein Hurrikane durch seine zwar ebenso brutale, aber weit weniger effektive Gegnerschar. Im Unterschied zu seinen Brachialkollegen Stallone und Schwarzenegger wirkt Stevens Rachefeldzug trotz aller Brutalität allerdings erstaunlich leichtfüßig und elegant. Sein aus verschiedenen fernöstlichen Kampfsportarten bestehender Stil lässt die jeweiligen Opfer stets wie ungelenke Volltrottel wirken, zumindest so lange sie noch am Leben sind. Während den Kämpfen Jean Claudes aus Belgien immer etwas angestrengt Verbissenes anhaftet und Dolph aus Schweden vor allem hölzern-tumb agiert, erinnert Seagals geschmeidige Technik eher an einen Tänzer denn an einen Kämpfer. Gut, dieser Eindruck dürfte sich seinen unfreiwilligen Tanzpartnern eher nicht aufdrängen. Sei´s drum. Wenn Steven zum Prügel-Tango bittet, kann die Männerrunde das Bier durchaus auch mal durch Sekt ersetzen. Denn hier knallts mit erheblich mehr Stil als bei der Konkurrenz.

Hard to kill ist aber auch in anderer Hinsicht ein typischer Seagal. Wie in Nico - und in unzähligen Folgefilmen - spielt er einen Cop. Diesmal zwar ohne den obligatorischen Ex-CIA-Spezialagent-Vietnam-Veteran-Background, dafür aber wieder mit deutlichen autobiographischen Reminiszenzen. Fernöstliche Weisheiten und asiatische Lebensgewohnheiten spielen in vielen seiner Filme eine zentrale Rolle, schließlich lebte er selbst jahrelang in Japan, beherrscht(e) die Landessprache fließend, war dort verheiratet und Inhaber einer eigenen Kampfschule. Sein Filmcharakter Mason Storm ist ebenfalls in Asien aufgewachsen. Nachdem er aus dem Koma erwacht, bringt er sich mit chinesischen Kräutern und Akupunktur in Form. Dabei gibt er auch eine Weisheit seines ersten Kampfsportlehrers zum Besten: „Um Meister zu sein, lerne erst einmal zu heilen. Menschen verletzen ist leicht." Seine Filmgegner profitieren allerdings eher weniger von dieser Botschaft. Ihr Schicksal belegt nur die Richtigkeit des zweiten Satzes.
Klassische Seagal-Motive sind auch das der politischen Intrige sowie das der Korruption diverser Regierungs- bzw. Staatsbehörden. Hier geht es um einen Abgeordneten, der einen US-Senator töten lässt um diesen schließlich zu beerben. Er paktiert dabei mit der Mafia und hat auch sicherheitshalber gleich die Polizei infiltriert. William Sadler spielt diesen schmierigen Polit-Lappen und dürfte den meisten Actionfans als McClanes Widersacher in Die harder besser bekannt sein.

Steven Seagals zweiter Streich ist aber natürlich weit mehr Revenge- als Politthriller. Die politischen Implikationen sind lediglich Beiwerk und Ausgangssituation für eine typische Charles Bronson-Mission. Der Abgeordnete Trent (Sadler) befiehlt die Hinrichtung Storms und seiner Familie, da der findige Cop einen Mitschnitt von seinem Mordauftrag für einen amtierenden Senator besitzt. Wie durch ein Wunder überlebt Storm das Attentat und erwacht sieben Jahre später aus dem geheim gehaltenen Koma. Versteckt von seiner natürlich attraktiven Krankenschwester (Seagals zweite Ehefrau Kelly LeBrock) bringt sich Mason wieder in Kampfform und überzeugt seinen einzigen Freund und früheren Kollegen O´Malley von den rosigen Erfolgsaussichten der bevorstehenden Racheaktion:
„Natürlich sind sie uns zahlen- und waffenmäßig überlegen (eine äußerst euphemistische Untertreibung), aber wir werden trotzdem gewinnen (O´Malley wirkt verständlicherweise etwas verwirrt). Und weißt du warum? (Die Verwirrung nimmt zu). Weil wir ihnen geistig und einstellungsmäßig überlegen sind." (Das überzeugt auch den härtesten Zweifler).
Für den eingefleischten Seagalisten war diese Brandrede natürlich so überflüssig wie ein Chuck Norris-Film. Wir kennen die Fähigkeiten des bezopften Aikidomeisters und wissen, dass jeder Gegner froh sein kann, wenn es nur bei Knochenbrüchen bleibt. In Hard to kill wird dieses Glück allerdings nicht allzu vielen bösen Buben zuteil.

Der Steven weniger zugeneigte Actionjunkie wird sich natürlich fragen, wie unser Held nach einem jahrelangen Koma zumindest seine Armmuskulatur so schnell wieder recht problemlos einsetzen kann. Auch das Sprechen klappt bereits Sekunden nach dem Aufwachen erstaunlich gut. Diesen Nörglern kann man nur entgegenhalten, dass das jahrelange mentale Training ja schließlich zu irgendwas gut gewesen sein muss. Weiterhin werden sich einige wundern, warum Stevens Krankenschwester nicht Model geworden ist, und dass sie zufällig ein abgelegenes Luxusanwesen mit asiatischer Einrichtung zur Verfügung hat, um den zum Abschuss freigegebenen Patienten ideal verstecken zu können. Tja, das Glück winkt eben den Tüchtigen. Das ist zwar keine asiatische Lebensweisheit, würde sich in einem Glückskeks aber dennoch ganz gut machen.

Aber Kimono drüber. Hard to kill ist nicht nur für Seagalisten ein sorgsam geschnürtes Actionpaket, das man sich immer wieder gern liefern lässt. Eine simple Rachegeschichte, gewürzt mit den typischen Seagal-Zutaten und einem Härtegrad, der auch heute noch viele Genrefans zufrieden stellen dürfte. Steven ist hier nicht nur körperlich, sondern auch Sprüchetechnisch in Höchstform und liefert einen der besten Oneliner seines in dieser Hinsicht durchaus beachtlichen Oeuvres. Auf den Lieblingsspruch seines Widersachers „Take that to the bank" (auf Deutsch so viel wie „worauf Sie sich verlassen können") antwortet er in seinem unnachahmlich sanften Tonfall: „Well I take you to the bank senator, to the blood bank."

(7/10 Punkten für „normale" Actionfans; 9/10 Punkten für Seagalisten)

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