Review

Entgegen den Erwartungen hat mir "The Alamo" recht gut gefallen, dem allgemeinen Tenor zum Trotz. Durch diverse Reviews und die Einspielergebnisse in den USA vorgewarnt rechnete ich ohnehin nicht mit einer anspruchsvollen, halbdokumentarischen Verfilmung sondern vielmehr mit einem actionreichen, patriotischen Heldenkampf in bester Hirn-aus-Tradition von Bruckheimer und Bay.
Genau das bekommt man schließlich auch geboten: Durchaus imposante Bilder insbesondere zur Dämmerung, explosive Old-School-Action mit vielen Statisten und klischeebeladene Charaktere bzw Feindbilder.
Abgesehen von kleineren Längen im ersten Drittel kann "Alamo" seine stolzen 130 Minuten dennoch recht fesselnd gestalten. Immer wieder lockern kleine Scharmützel den Belagerungszustand des Forts auf und auch das Hin- und Herspringen zwischen den beiden Kriegsparteien sorgt für etwas Abwechslung. Kracht es schließlich, darf die Surround-Anlage ruhig aufgedreht werden. Großartige CGI-Effektschlachten gibt es zwar nicht, dennoch weiss das, sich auf jugendfreiem Niveau bewegende Gemetzel mit allerlei Kanoneneinschüssen, Gewehrduellen und Messerstechereien ansprechend zu unterhalten. Sicherlich hätte man hier auch die Härte eines James Ryan bringen können, wer weiss, ob nicht doch noch eine härtere Version in irgendeinem Archiv schlummert. Denkbar wäre es zumindest, da nicht alle Schnitte während der Actionszenen "rund" wirken.

Was mich an "Alamo" etwas störte, waren zum einen die etwas blass bleibenden Darsteller (hier hätte ein echter Zuschauermagnet nicht geschadet, Billy Bob Thornton gelingt dies nicht wirklich, Dennis Quaid bleibt ebenfalls blass), zum anderen das teilweise Fehlen eines handwerklichen Gespürs für dynamische Geschichtsentwicklung. Nicht selten hat man den Eindruck, daß man hier durch geschickteres Inszenieren und Ausgestalten der Handlungsstränge weitaus mehr "Klasse" hätte schaffen können. In der Tat schade, da sich der gesamte Film inhaltlich praktisch nur ums Kämpfen und Krieg dreht.

Dieser Punkt ist es letztlich auch, der John Lee Hancocks "The Alamo" zur anspruchslosen, heldenverehrenden Actionunterhaltung degradiert. Die einen mag dies furchtbar stören, ich für meinen Teil kann mir aber auch solch einen Film sehr gut mal ansehen. Technisch ist hier alles in Ordnung, die Darsteller zwar nicht optimal gecastet und bisweilen etwas blass - aber ich rede hier ja auch nicht von einem potentiellen Oskarkandidaten! Wer's auch gern mal etwas anspruchsloser angehen lässt und sich auch an amerikanischem Patriotismus (Eine Niederlage wird quasi zum Sieg stilisiert) nicht stört, der kann hier zugreifen!

Details
Ähnliche Filme