Vom Heldentum...26.01.2010
Ein großartiger Film, das! Man kann währenddessen Essen kochen, hier und da im Haus diverse Erledigungen vornehmen, sich rasieren, mit der Katze spielen, ein Buch lesen, sogar die eine oder andere lästige Buchhaltungsarbeit verrichten. Da wird die Zeit sinnvoll genutzt, 130 Minuten, die wie im Flug vergehen. Sogar ein kleines Nickerchen ist möglich, sodaß man nach Genuß des Films gestärkt seinem weiteren Tagwerk nachgehen kann. Eine perfekte Symbiose also aus Unterhaltung, dem gewissen laissez-faire und Pflichterfüllung. Aber war da nicht was? Ach ja, ich vergaß, ein Film sollte ja eigentlich fesseln, zerstreuen und von ebenjenem Tagwerk, welches nicht selten Mühsal ist, abhalten. Das aber gelingt hier nicht einmal annähernd - selten in der letzten Zeit habe ich einen derart langweiligen Streifen über mich ergehen lassen müssen. Und das ärgert mich, denn die Geschichte rund um die Verteidigung der Grenzstadt Alamo hätte soviel mehr hergegeben.
Aber nein, statt knackige Gefechte zu zeigen schildert man lieber lang und breit die unwichtigen Personen, verweilt auf dem garstigen Tuberkuloseschicksal von Bowie, läßt Crockett die Fiedel spielen und spendet den Bemühungen von Houston, eine Armee zusammenzubekommen, sehr breiten Raum. Es geht letztlich um die finalen Tage Ende Februar 1836 von Alamo, wo eine Minderheit von 200 Texanern sich gegen eine mexikanische Übermacht von mehr als 7.000 Mann verteidigt. Warum macht man das? Weil man den Bundesstaat Texas gründen und dem amerikanischen Boden zuführen will, und weil man durch wahres Heldentum ewigen Ruhm gewinnt. Der Film hält sich auch ziemlich genau an die geschichtlich belegten Details, bleibt dabei aber unglaublich blaß, was vor allem daran liegt, daß die Schlachten quasi en passant abgehandelt werden.
Zudem regiert hier auch noch das PG-13 Siegel, somit bleibt man von Gefechten nach Art des Emmerich'schen Patrioten verschont. Gut so, dann können auch schon die kleinen Amerikaner das Thema des Hinscheidens fürs Vaterland genießen! Darstellerisch ist leider auch keine Großtat zu vermelden, was vor allem daran liegt, daß einem das Schicksal aller in die Gefechte verwickelten Personen aufgrund der furchtbar behäbigen, an einen Fernsehfilm erinnernden Präsentation, ziemlich egal ist. Es tun zwar ein paar bekannte Gesichter mit, aber die reißen hier nichts raus. Dem Film gebricht es an so vielem...keine packenden Gefechte, unspannende Erzählung, Scharmützel bei Nacht und Nebel, liebloser Umgang mit den Figuren, unsinnig lange Nebenhandlungen...da ist es kein Wunder, daß man selbst im pathosverliebten Amerika an der Kinokasse keinen Blumentopf gewinnen konnte. Auf anderen Märkten gelingt dies schon allein aufgrund der fehlenden geschichtlichen Hintergrundschilderung nicht - wenn man nicht weiß, warum die Figuren ausharren, dann ist es auch gleichgültig, ob sie das überleben. Man muß sich nicht wundern, daß das Westerngenre eigentlich tot ist - dieser Film ist eine weitere Schaufel Erde auf den modernden Sarg...3/10.