Man muss sich langsam wirklich mal fragen, welche Kriterien Frau Moore in der letzten Zeit bei ihrer Rollenauswahl zugrunde legt?
Möglicherweise dachte sie sich zwei Jahre nach "The hours", ihrem letzten Top-Film: Bevor ich gar nix mehr spiele, nehme ich lieber Rollen in einem schwachen Thriller und einer lauen Komödie an.
Ihr letzter Film "Die Vergessenen" hatte immerhin eine interessante Grundidee, dafür aber ein miserables Ende. Ihr neuster Film "Laws of attraction" kann nicht mal mehr eine solche originelle Idee als Grundlage bieten.
Julianne Moore und Pierce Brosnan spielen zwei Scheidungsanwälte, die sich im Verlaufe des Films begegnen, zunächst bekriegen, sich aber am Ende des Film natürlich nur noch kriegen.
Julianne Moore übernimmt dabei den "humorigen" Part, d. h. sie ist zwar eine erstklassige Anwältin, aber komischerweise auch ziemlich unsicher, wenn es um Männer geht. Dem männlichen Geschlecht in Form von Pierce Brosnan begegnet sie so, als ob sie - Entschuldigung! - einen Stock im Arsch hätte.
Pierce Brosnan ist - Oh Wunder! - natürlich das glatte Gegenteil, ultracool und charmant und - Hach! - total gutaussehend. Und selbstverständlich ist auch er megaerfolgreich. Dem Zuschauer wird mehrfach aufgedrängt, dass er noch nie einen Fall verloren hat.
Im Verlaufe des Films treffen sich die beiden Anwälte mehrfach. Und immer zieht Julianne den Kürzeren, was wohl witzig sein soll, aber nur manchmal zu einem Zucken der Mundwinkel führt.
Sie verliert den ersten Fall, bei dem Pierce ihr Gegner ist.
Die Rede, die sie vor Kollegen hält, u. a. auch vor Pierce, der zu spät kommt und völlig überraschend auch zum Kreis der Redner gehört, liest sie mehr oder weniger steif vom Blatt ab. Danach steht Pierce in lockerer Manier auf, braucht natürlich kein Pult und kein Skript,. und beginnt seinen Vortrag mit den Worten "Ich sehe das etwas anders ...!" Wahnsinning cool!
Dann hat Julianne irgendwann mal die geniale Idee, sich bei Pierce zu entschuldigen, warum auch immer. Das Resultat: Sie landet in seinem Bett!
Eine neue Klientin, die sie eben noch stolz ihren Kollegen präsentierte, denn es handelt sich dabei immerhin um die Frau eines Rockstars, wendet sich kurz darauf natürlich von ihr ab und lässt sich von Pierce vertreten. Nur um sich an Pierce rächen zu können, vertritt sie dann die Interessen des Rockstars.
Dieses Rockerpärchen nervt dermaßen, dass man sich wünscht, sie würden sich gegenseitig umbringen, damit der Film überhaupt noch eine Chance hat. Michael Sheen, der trotz des Quarks (z. B. "Underworld", "Timeline"), an dem er in der Vergangenheit beteiligt war, offenbar immer noch Rollen bekommt, spielt den Rockmusiker als schwuchteligen Womanizer auf Koks. Den Vogel schießt aber Parker Posey als seine Frau ab. Diese schauspielerische "Leistung" ist mit Worten nicht zu beschreiben.
Leider dreht sich der ganze Film dann nur noch um diesen Fall, der unsere beiden Kontrahenten sogar - völlig überflüssigerweise - nach Irland führt, wo das riesige Schloss des Rockstars steht, um das sich die Noch-Eheleute in dem Prozess streiten.
In Irland findet dann natürlich gerade eine Feier statt, auf der sich beide sinnlos betrinken. Und dabei verträgt doch Julianne - im Gegensatz zu Pierce - gar keinen Alkohol! Da braucht man sich auch nicht zu wundern, dass man am nächsten Morgen aufwacht und plötzlich - Oha! -verheiratet ist. Und um in der Heimat nicht das Gesicht zu verlieren, zieht man dann auch noch zusammen!
Ja, das Drehbuch mutet dem Zuschauer schon eine ganze Menge zu!
Und es kommt noch schlimmer: Denn plötzlich bekommen alle ihren Moralischen und haben sich doch so lieb, dass sie sich dann tatsächlich doch nicht wieder scheiden lassen!
In der Komödie "Laws of attraction" gibt es leider herzlich wenig zu lachen! Die meisten Gags kennt man viel besser aus vergleichbaren Filmen. Oftmals versucht der Film, durch Hektik witzig zu wirken. Das funktioniert viel zu selten.
Das Hauptproblem des Films ist das schlechte Drehbuch und die unglaubwürdigen Charaktäre. Pierce Brosnan ist chronisch unterfordert und wirkt deshalb zuweilen lustlos.
Julianne Moore muss eine vermeintlich starke Frau spielen, der aber im Verlaufe des Films nichts gelingt. Sie muss immer nur reagieren auf den charmanten und obercoolen Gegner.
Der Film vermittelt ein Frauenbild, von dem ich dachte, dass es seit ein paar Jahrzehnten ausgestorben sei. Dieses Frauenbild wird abgerundet durch den Charakter von Moores Mutter, gespielt von Frances Fisher ("Titanic"), die scharf auf junge Männer ist und voller Stolz zu ihren Operationen steht.
Der Film hätte eine nette, von mir aus auch altmodische Screwball-Comedy werden können. Das Drehbuch hält aber statt gewitzten Dialogen nur Hektik und unglaubwürdige Charaktäre parat.
So ist "Laws of attraction" letztlich nur ein vorhersehbares Filmchen vom Reißbrett mit viel zu wenig guten Gags (mir fällt wirklich keiner ein) und total unterforderten Stars.
4,5/10