Review

"I can´t get a life if my heart´s not in it" (Oasis)

Andrew kehrt in seine Heimatstadt zurück, als er vom Tod seiner Mutter erfährt. Und kaum dort angekommen, muss er sich Dingen stellen, vor denen er doch eigentlich weglaufen wollte...

Nach einem guten Buch ist man meistens schlauer. Nach einer guten Party ist man meistens fertig. Und nach einem guten Film sieht man meistens die Welt etwas anders. Hier bekommt man eigentlich von allem ein wenig.

Ja, ich reihe mich freudig in die Liste der Liebhaber dieses Films ein, denn GARDEN STATE bietet einfach genau das, was einen guten Film meiner Meinung nach ausmacht: Eine besondere Atmosphäre, originelle Ideen, tolle Darsteller, und die richtige Balance zwischen Tragik und Komik. Zach Braff hat in seinem writer/director-Debüt den üblichen Anfänger-Fehler, alle möglichen Ideen in den Erstling zu stopfen, sorgfältig vermieden. Soll nicht heissen, dass dieser Film nicht ein Füllhorn skurriler Einfälle wäre, aber sie erschlagen einen nicht und verkommen auch nicht zum Selbstzweck. Man könnte fast sagen, dass wir es hier mit dem gemäßigten Bruder von AMÈLIE zu tun haben. Beide Filme schicken ihre Charaktere auf dem Weg zur inneren Reifung durch eine Tour de force aus inneren Konflikten, spleenigen Mitmenschen und bizarren Situationen. Ob nun eine T-Shirt-Anprobe auf einer Totenfeier, ein abgerissener Tankschlauchstutzen oder ein "Medieval Times"-Ritter beim Marshmallow-Flakes-Frühstück, bei einem anderen Film müsste man sich das Dauergrinsen schon mit Gewalt aus dem Gesicht wischen.

Dass dies nicht nötig ist, liegt daran, dass bei aller Komik auch noch die Tragik erfasst wird, und davon hat GARDEN STATE ebenfalls eine Menge. Familiendramen bekommt man hier gleich im Dutzend, inklusive gescheiterter Träume und unausgesprochener Wahrheiten. Ja, Andrew muss sich vielem stellen, und als Zuschauer darf man ordentlich mitfühlen, wenn man sich auf die Charaktere einlässt. Und das klappt hier ganz reibungslos, denn so lebensnahe Charaktere gab es schon lange nicht mehr in einem US-Film für ein junges Publikum. Zach Braff spielt Andrew angenehm zurückhaltend und schafft damit auch einen schönen Kontrast zu den extrovertierten Charakteren um sich herum, mit Ausnahme von Ian Holm, der Braff in Sachen "sagendes Schweigen" noch toppt, aber das zu erklären, hieße, den Spoiler auszupacken, und da bin ich jetzt mal nicht für. Und, ach, Natalie Portman. Also, wer sich hier nicht in sie verliebt, dem kann ich auch nicht helfen. Kaum zu glauben, dass dies die Person ist, die in den Sternenkriegen die introvertierte Amidala gibt. Mit einer unbändigen Energie ausgestattet, fegt sie förmlich durch die Szenen und ist dabei zu keiner Zeit nervig, was beim Part "flippiges Mädchen" in anderen Filmen schon zur Serienausstattung gehört. Sie ist es dann auch, die, welch Wunder, die entscheidende Wandlung in Andrew herbeiführen darf, indem sie ihm zeigt, wie man trotz schwieriger Lebensumstände ein sonniges Gemüt bewahrt. Das klingt jetzt ein bisschen kitschig, und komplett ist dieser Film auch nicht davor gefeit, aber für solche Fälle muss man dann halt einen Tränen-Auffangbecher bereithalten. Es kommt schließlich viel zu selten vor, dass ein Film junge Leute ernst nimmt. Mitsamt ihren Träumen und ihren Ängsten.

Fazit: Eine Tragikomödie über das Erwachsenwerden, die mit einer unglaublichen Leichtigkeit und viel skurrilem Witz zahlreiche gewichtige Themen transportiert. Wunderbar.

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