Garden State…
…gehört für mich persönlich zu den etwas größeren Enttäuschungen der letzten Zeit. Nicht, dass ich den Film schlecht gefunden hätte, ganz im Gegenteil: er liegt sogar ein ganzes Stück über dem Durchschnitt, aber der Hype, der um ihn herum gemacht wurde, hat mich einfach viel mehr erwarten lassen.
Aber fangen wir mit etwas Positivem an. Selten habe ich einen Film gesehen, bei dem so wenig passiert und sich doch gleichzeitig soviel tut. Eine wirkliche Handlung gibt es nicht, aber es ist umso interessanter, zu beobachten, wie sich die Charaktere und deren Beziehungen untereinander entwickeln. Wir treffen sowohl bei den Haupt-, als auch bei den Nebenfiguren auf die verschiedensten seelischen Krüppel und wunderlichen Gestalten, die sich in verschiedenen Kombinationen aneinander reiben, aber alle die Bühne mit einem irgendwie sympathischen Eindruck verlassen dürfen.
Dies gilt natürlich auch für die drei wesentlichen Protagonisten. Da gibt es den abgestumpften Andrew „Large“ Largeman (Zach Braff), der bis oben hin vollgestopft ist mit Pharmazeutika, die ihm sein Vater und gleichzeitig auch Psychiater (Ian Holm) verschrieben hat. Dieser ist ebenso emotional gelähmt wie sein Sohn, aber wohl eher aufgrund eigener Depressionen. Eine wirkliche Beziehung zwischen den beiden besteht nicht, was vielleicht aber auch gerade das kennzeichnende Merkmal für eben diese ist.
In der jetzigen Fassung ist diese Ebene jedoch fast zur Nebensächlichkeit verkommen, was ich persönlich als schade empfunden habe, erst recht da bei den Deleted Scenes ein aus meiner Sicht sehr aussagekräftiger Dialog zwischen Vater und Sohn vorhanden war, der einiges an Konflikt offen gelegt und damit auch vieles vom Wesen von Large erklärt hätte.
Leider hat man bei ihm aber auch noch ständig das Gefühl, JD aus Scrubs zu sehen, da es Zach Braff einfach nicht schafft noch einen anderen Gesichtsausdruck aufzusetzen. Ich befürchte ja fast, dass er nicht anders kann, vielleicht aber war es ja auch einfach nur die Gesamtbelastung als Regisseur, Drehbuchautor, und Hauptdarsteller, die ihren Tribut gefordert hat. Zum Glück rettet er seine Rolle und somit im Ergebnis auch den Film mit seiner trotzdem sympathischen Ausstrahlung.
Nathalie Portman macht ihre Sache nochmal ein ganzes Stück besser. Als notorische Lügnerin Sam ist sie genauso sympathisch wie Andrew, dabei in Mimik und Gestik aber viel variabler und lebendiger. Ihrer Rolle ist dabei das ganze Gegenteil von der Braffs. Sie ist in einem herzlichen, wenn auch etwas absonderlichen Umfeld aufgewachsen (ich denke da an die Hamsterlandschaft oder den adoptierten Austauschschüler) und dementsprechend empfindsam und liebvoll im Umgang mit ihren Mitmenschen. Und ebenso wie sie Andrew mit diesen Eigenschaften zum spüren seiner Gefühle bringt, so sind es auch ihre Tränen am Ende des Films, die bei mir die meisten Emotionen hervorgerufen haben. Weil man diesen Charakter bis dahin einfach lieb gewonnen hat.
Genauso sehenswert ist Peter Sarsgaard als leicht asozialer Träumer, der sich trotz seiner ganzen Eigentümlichkeiten aber doch als treue Seele erweist und damit ein Plädoyer auf die Freundschaft hält. Leider führt seine Figur dabei aber auch zu der ein oder anderen Länge, die dem Film zwar irgendwie stehen, aber dennoch ein bisschen Glanz nehmen.
Insgesamt lebt der Film dann von den vielen schönen Kleinigkeiten wie dem Fastfood-Ritter, den Desert Storm-Sammelkarten, dem masturbierenden Mops, dem Hamsterfriedhof, dem lautlosen Klettverschluss und vielem mehr.
Allerdings ist das ein oder andere auch zuviel des Guten gewesen und erscheint beinahe erzwungen. So z.B. die schon aus dem Trailer bekannte Szene mit dem Hemd und der gleichgemusterten Tapete, die für mich letztendlich auch wegen ihrer Umsetzung nur den Eindruck zulässt, als hätte Braff diese Szenen einfach unbedingt in seinem Film unterbringen wollen, ob es nun Sinn macht oder nicht.
Jedoch sieht man gerade an dieser Szene wie viel Gespür Zach Braff für das Visuelle hat. Alles ist perfekt anrangiert, das Licht stets der Stimmung angemessen und die Farben sind stimmig. Ebenso wie der Soundtrack, der wie ein Teppich über dem ganzen Film liegt und irgendwie immer den richtigen Ton trifft. Diesbezüglich möchte ich Zach Braff also ein Kompliment als Regisseur machen. Er besitzt mit Sicherheit das Talent, um mich noch das ein oder andere Mal mit einem neuen Werk mehr zu überzeugen. Bis dahin freu ich mich auf die vierte Staffel von Scrubs.
… wegen der aufgezählten Schwächen kommen mehr als 7/10 Punkte nicht in Betracht.
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