Review

Während ich gerade das Lied, das die Welt verändert, höre (The Shins - New Slang), schreibe ich diese Kritik. Zu Beginn möchte ich wirklich jedem diesen ausgezeichneten Soundtrack ans Herz legen, er passt nicht nur traumhaft zum Film, sondern ist für die ruhigeren oder leicht depressiven Stunden genau das Richtige.

Ich habe gerade Garden State zum zweiten Mal angeschaut, und meine vergebene 10ener Wertung, nach dem ersten Sehen, hat sich erneut bestätigt!
Es wird so unglaublich warmherzig und konsequent die Story von einem schicksalsgeplagten jungen Mann namens Andrew Largeman (Zach Braff) erzählt, dass einem in manchen Momenten einfach die Gänsehaut überkommt und sich zu 100% in dem Geschehen befindet. Man kann somit dem Film testulieren, dass er es geschafft hat! Ich als Zuschauer verfolge begeistert, mit Trauer, Spannung und Humor gleichzeitig diese unglaubliche Lebenspassage von Andrew - Garden State überzeugt somit auf ganzer Linie.

Angefangen von einer jahrelangen Depression (verursacht durch die Medikamente des Vaters) findet unser liebgewonnener Hauptdarsteller nun wieder zu seinen Wurzeln und echten Gefühlen zurück. Diese wurden nämlich 9 Jahre lang schlichtweg durch Lithiumtabletten unterdrückt. Sein emotionsloses Leben mit Albträumen, Rückschlägen und immerhin einer Filmrolle als Behinderter liegt jetzt hinter ihm. An diese Rolle wird er übrigens ironischerweise auch ständig von den Bewohnern von "Garden State" erinnert, einfach jeder hat ihn gesehen in dem Film. Er kam anscheinend so authentisch herüber, dass Sam (Natalie Portman) sogar dachte er wäre wirklich behindert. Die Ironie nun ist, das er das wohl in diesem Moment (durch Tabletten) wohl auch wirklich war.

Jahre seines Lebens als Folgen eines dramatischen Schicksalsschlages sind nun sinnlos verstrichen - Andrew kehrt nun in sein "Städtchen" zurück. Dort warten auf ihn ganz neue Erfahrungen - er hat seine Tabletten nicht mitgenommen und wird deshalb nach und nach "clean", was für ihn ein ganz neues Gefühl darstellt das erst noch erkundet werden muss. Jedenfalls mit wieder wachsender Lebensfreude und Emotion findet er nun "Zuhause" verschiedene Flecken, Orte und Freunde wieder, die zu seinem Selbstfindungstripp beitragen. Aus diesem Grund tippe ich übrigens auch, dass der Name Garden State gewählt wurde. Eine Art Garten Staat, oder sagen wir Gartenkolonie. Überall neue und alte Geschichten und Gesichter in einem begrenzten Raum. Ein in meinen Augen sehr gut ausgewählter Filmtitel, der Andrews Weg über viele Stationen zu einem fühlenden Menschen beschreibt.

Die Hauptstoryline ist nun das Mädchen Sam (traumhaft gespielt von Natalie Portman), welches Andrew in der Wartehalle eines Krankenhauses trifft. Wie sollte es bei dem Film anders sein, in einer absurden Situation (ein Blindenhund rammelt ihn gegen sein Bein..).
Natalie nun überzeugt mit einer so unglaublichen Natürlichkeit, jedes Lachen kommt des eines Engels gleich. Sprechen wir deshalb eventuell von einem Schutzengel, der Andrew aus der Patsche hilft. Doch auch Sam hat Probleme, sie leidet an Epilepsie, ist eine notorische Lügnerin und hat eine ganz besondere Art. Das Mädchen kaufe ich Natalie Portman zu 100% ab. Das Duo Zach Braff und Natalie ist einfach wahnsinnig - gerne mehr. Sie ergänzen sich wirklich wie Yin und Yang - was innerhalb des Films dem Zuschauer direkt klar wird. Zwei außerordentliche Charaktere, die zueinander finden.
Dann mit zwei so tiefgehenden Geschichten, Humor und Dramatik. Kann es in diesem Genre etwas schöneres geben?
Die Gespräche sind in keinem Fall oberflächlich, alle mit Metaphern und philosophischen Merkmalen gespickt. Wenn ich mal in einer Lebenskrise sein sollte - dieser Film würde mir wieder raushelfen.

Die tiefgründigen problembehafteten Charaktere werden konsequent über Absurditäten bzw. Verücktheiten des Lebens gezeichnet und somit untermalt. Als Beispiel dafür sei angeführt, dass Sam einen Hamster hat, der nicht mit einem Laufrad umgehen kann, die Familie hinter dem Haus einen großen Haustierfriedhof hat, sie einen adoptierten "Bruder" aus Afrika hat, der kaum englisch spricht aber Jura studiert und im Haus auf Spurensuche geht..
Aber auch Andrew ist keineswegs "normal" - er fährt ein Motorrad mit Beiwagen aus dem 2. Weltkrieg, sein Leben wurde entscheidend durch eine Spülmaschinentürverrigelung verändert und sein Vater ist sein Psychater.
Ein Freund von Andrew ist reich geworden durch einen lautlosen Klettverschluss, ein Anderer klaut den Toten aus dem Sarg die Wertsachen und ein Dritter arbeitet im Ritterkostüm in einem Fast Food Restaurant..
Wie man sehen kann besitzt Garden State eine so unglaubliche Charakterzeichnung und Liebe zum Detail, wie ich es selten gesehen habe.

Abschließend schreien übrigens die 3 Hauptdarsteller ihren gesamten
Lebensfrust der vergangenen Jahre in eine unendlich tiefe Grube, die hoffentlich die
komplette Vergangenheit für immer "verschluckt"!

Garden State ist in meinen Augen ein Gesamtkunstwerk, alleine wenn man sich vorstellt, dass Zach Braff als Drehbuchschreiber, Hauptdarsteller und Regisseur agiert - wahnsinn! Er lebt, dirigiert und verwirklicht seinen Traum mit diesem Drama.

Hoffentlich konnte auf den Leser dieser Review der Funken für dieses bezaubernde Drama mit großartigem Soundtrack, authentischen Schauspielern (kann es ein größeres Lob geben?) und einer perfekten Regie mit immer wieder faszinierenden Kameraeinstellungen überspringen! 10/10

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