Es darf wieder die Keule hervorgeholt werden: „Walking Tall“ zelebriert simple Action, wie man sie in den letzten Jahren nur direct to video genießen durfte.
Chris Vaughn (Dwayne ’The Rock’ Johnson) kehrt in seine Heimatstadt zurück, wird an sich direkt wieder von seinen alten Kumpels, allen voran Ray Templeton (Johnny Knoxville) wieder umschwärmt, doch muss sehen, dass in dem beschaulichen Kaff Drogen inzwischen an der Tagesordnung sind. Ruckizucki erfährt man das alles, Heimkehrertrauma á la „Rambo“ fällt auch aus wegen Bodennebel und schon befindet man sich mitten drin.
Bei einem Besuch im Casino seines alten Schulkameraden Jay Hamilton (Neal McDonough) muss Chris feststellen, dass hier die nicht nur falsch gespielt wird, sondern dass die Security die Drogen verkauft. Chris macht Stunk, wird aber zusammengeschlagen. Von da an sagt er den Drogendealern den Kampf an…
Derartige Stoffe waren an sich Ende der 80er/Anfang der 90er kinotauglich und so erinnert „Walking Tall“ auch frappierend an Filme wie „Road House“. Doch für einen Kinofilm ist das Gezeigte doch relativ kurz: Runde 70 Minuten Film an die man noch ca. 13 Minuten Abspann dran gebastelt hat, so was gibt es normalerweise nur im Reich der Videopremieren und nach richtigem Leinwandformat möchte „Walking Tall“ auch nie so recht schmecken.
Doch hat man sich daran gewöhnt, dass man hier eher in die Low Budget Ecke abdriftet (und für einen Hollywoodfilm war „Walking Tall“ auch recht günstig), dann kann man die extrem simple Geschichte doch recht unbeschwert hinnehmen. Chris und die Fieslinge schaukeln sich bei ihrem Privatkrieg immer weiter hoch, Chris ermittelt auch etwas (später im Film als neuer Sheriff), doch die Fieslinge reihen sich dann von alleine zum Showdown auf um platt gemacht zu werden. Diesen Geschichtentyp (einsamer Held räumt korruptes Kaff auf) hat man schon oft gesehen und wirklich Neues fügt auch „Walking Tall“ der Formel nicht zu, aber Regisseur Kevin Bray zieht die überraschungsfreie Story mit viel Tempo vom Leder und da der Film so kurz ist, wird er auch nicht langweilig. Die Subplots verkümmern dabei zwar vollkommen (Chris’ Familie könnte deutlich mehr Beachtung vertragen und bei der hölzernen Lovestory nebenher schweigt man besser), aber immerhin kann sich der Film so auf das Wesentliche konzentrieren.
Wesentlich ist hier natürlich die Action und die kommt schön Old School rüber. Doch von der Menge her könnte es mehr sein, denn nur dreimal ist Krawall angesagt. Zuerst die ganz nette, aber kurze Schlägerei im Casino, dann Chris’ Zerstörungsorgie im Casino und schlussendlich der Showdown. Im Showdown darf dann auch geballert werden, was lecker inszeniert wurde, aber Hauptaugenmerk liegt auf den Kämpfen. Diese sind ohne Martial Arts, Wrestlingmoves oder ähnliches inszeniert, sondern gehen down and dirty mitten in die Fresse. Doch Bray dann altmodisches Flair verbreiten und diverse Ideen wie z.B. der Pfosten, mit dem Chris auf seine Gegner einprügelt, verleihen den Fights trotz ihrer Rohheit Stil.
Humor gibt es auch etwas, größtenteils durch die Figur von Ray, der immer mal wieder ein paar lockere Sprüche bringt und sich auf seine ganze eigene Weise abreagiert: An zu durchsuchenden Autos mit der Flex, an inhaftierten Gefangenen mit dem Megaphon. Sicherlich keine Oberbrüller, aber nette Gags zur Auflockerung.
The Rock gibt eine gute Vorstellung als sympathischer Actionheld ab, auch wenn er natürlich keinen Oscar dafür gewinnen würde. Johnny Knoxville kann auch nicht wirklich schauspielern, aber er passt hier sehr gut in die Rolle (löblich z.B. die Tatsache, dass seine Figur in den Actionszenen unerfahren rüberkommt und nicht auf Anhieb alle platt macht). Neal McDonough gibt einen soliden Fiesling ab, die Darsteller von Chris’ Familie machen sicherlich den besten Job und auch die Nebendarsteller sind auf jeden Fall OK.
Wirklich aufregend oder mit komplexer Story gesegnet ist „Walking Tall“ sicher nicht, aber der Film hat Flair und die Action ist trotz zu geringer Menge schmissig. Ordentliches Entertainment, auch wenn ich das alles schon mal packender gesehen hab.