Inspiriert von einer wahren Geschichte – sowie von einem Film gleichen Namens aus dem Jahre 1973, welcher zwei Sequels und eine TV-Serie nach sich zog – ist „Walking Tall“ (2004) ein im besten Sinne „klassischer“ und fast altmodisch wirkender Actionfilm, der weitestgehend auf neumodische Stilmittel wie Special Effects, Zeitlupeneinsatz oder „flashy“ Kameraspielchen verzichtet.
Die Geschichte ist simpel und bewegt sich linear entlang der bekannten „ein Mann räumt auf“-Schiene: Kriegsheld Chris Vaughn (Dwayne 'The Rock' Johnson) kehrt nach seinem Militärdienst in seine kleine Heimatstadt zurück und muss feststellen, dass sich dort einiges verändert hat – das Sägewerk, ehemaliges Aushängeschild des Ortes, ist stillgelegt worden, was zugleich die Arbeitslosigkeit hat ansteigen lassen, und es scheinen verstärkt Probleme im Bereich der Drogenkriminalität zum Vorschein gekommen zu sein. Dreh- und Angelpunkt aller noch florierender Geschäfte (vornehmlich Glücksspiel und Prostitution) ist inzwischen das örtliche Casino, welches unter der Leitung von Vaughn´s alten Bekannten Jay Hamilton (Neal McDonough) steht. Bei einer Willkommensfeier in dessen Etablissement stellt Chris ein falsches Spiel am Würfeltisch fest, worauf er von den Angestellten überwältigt, misshandelt und für tot gehalten im Wald ausgesetzt wird. Schwer verletzt wendet er sich an den Sheriff – ohne Erfolg, denn der steht ebenso auf Hamiltons Gehaltsliste. Als dann noch Chris´ junger Neffe nur knapp eine Überdosis überlebt, sieht er rot, greift zu einer Latte Zedernholz und nimmt die Sache in die eigene Hand – viele gebrochene Knochen und hoher Sachschaden sind die Folge…
Vor Gericht, wo ihm eine Strafe von bis zu 18 Jahren droht, stellt er seine Verletzungen in den Vordergrund und verspricht, im Falle eines Freispruches für das Amt des Sheriffs zu kandidieren und endlich mal so richtig aufzuräumen. Das spricht den Bewohnern bzw Geschworenen natürlich aus der Seele, und schon bald hält Chris das Amt des Gesetzeshüters inne. Gemeinsam mit seinem Kumpel Ray (Johnny Knoxville) sagt er Hamilton und dessen Machenschaften den Kampf an – doch jener lässt sich das natürlich nicht so einfach gefallen und schlägt mit Waffengewalt zurück…
Regisseur Kevin Bray („all about the Benjamins“) inszenierte seinen Film angepasst altmodisch und unterlegte ihn mit einem stimmungsvollen Soundtrack. Ironische Auflockerungen sind vorhanden, es gibt Augenfutter für das männliche Zielpublikum in Form einer Strip-Darbietung von Chris´ Jugendfreundin Deni (Ashley Scott) im Casino sowie ein obligatorisches (hartes) Football-Match „unter Freunden“. Insgesamt bekommt man nur eine einzige kleinere Explosion sowie Schießerei, welche auf zwei Schauplätze ausgedehnt wurde, im gesamten Film geboten – Hauptaugenmerk wurde auf Faustkämpfe gelegt, was den Showdown leider etwas kurz und unspektakulär wirken lässt. In Anbetracht dieser Tatsache muss man sich aber zugleich verwundert fragen, wo eigentlich das rund 55 Millionen Dollar starke Budget geblieben ist – auf der Leinwand sieht man davon leider nicht allzu viel…
Die Darsteller machen ihre Sache allesamt anständig: „the Rock“ ist natürlich kein Feingeist, doch nach „the Rundown“ präsentiert er sich hier ein weiteres Mal angenehm selbstironisch und beweist mehr Charisma als es ein Vin Diesel (der andere „Anwärter“ auf den Thron des „neuen Actionhelden“) jemals besaß. Johnny Knoxville (TV´s „Jackass“) spielt den Sidekick im engen Rahmen seines Images und liefert zwischendurch auflockernde Spaß-Einlagen fürs Publikum ab, die zum Glück weder albern noch nervig daherkommen. Neal McDonough („Ravenous“ / „Minority Report“) verkörpert den Bösewicht des Films zurückhaltend und nicht als einen Über-Schurken, was gut zum Understatement-Gefühl des gesamten Werkes passt.
Ist die Story vorhersehbar? – Vollkommen.
Sind Klischees vorhanden? – Wo soll ich da nur anfangen…?
Besteht Aussicht auf einen Oscar-Gewinn? – Sicher nicht.
Ist das Original besser? – Ja!
Fühlt man sich trotzdem gut unterhalten? – Absolut!
Fazit: „Walking Tall“ bietet rustikale Actionunterhaltung, die konstant innerhalb der massentauglichen Genrevorgaben verweilt – nicht sehr brutal, erstaunlich unspektakulär, auf keinen Fall kreativ. Wer allerdings solche Filme mag, der kann einen geringen Anteil seiner Freizeit getrost mal in diese knapp 80 kurzweiligen Minuten investieren … 7 von 10