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Gerade als man sich durch Filme wie "The Scorpion King" und "Welcome to the Jungle" darauf eingestellt hat, mit Dwayne The Rock Johnson, den neuen Star am muskelprotzenden Actionhimmel entdeckt zu haben und auch sichtlich freude mit den genannten Filmen hatte, zeigt uns The Rock, das er es durchaus auch schlechter kann. "Walking Tall", so der Name des neuesten Rückfalls in die längst vergessen geglaubten Zeiten von gnadenloser Selbstjustiz und sinnfreier Haudrauf Action, die sich, trotz des obligatorischen lustigen Side Kicks viel zu ernst nimmt und dem geneigten Zuschauer weismachen will, das es doch immer noch am besten ist Gewalt einzusetzen wenn es anders nicht geht.

Die Story hat sich auf jedenfall schon einmal einen Platz in der "alte Ideen aufgreifen und exakt so übernehmen" Hitliste gesichert. The Rock spielt den Elite Soldaten Chris Vaughn, der nach seiner Zeit bei der Army nach Hause kommt und dort eigentlich nur wieder im Sägewerk arbeiten möchte. Dumm nur das es dicht ist und es dafür eine schicke Spielhölle gibt in der auch noch beschissen wird. Das passt Chris natürlich nicht und er zerlegt kurzerhand das ganze Kasino, wird dann aber selber schwer verletzt, innerhalb von kürzester Zeit wieder gesund, stellt fest das der Kasinobetreiber auch noch Drogen an Kids verkauft (wenn schon böse, dann auch richtig) und zerlegt das Kasino nochmal. Da es auch in den USA so etwas wie Recht und Ordnung gibt, wird er verhaftet und kommt vor den Richter, durch eine infantile Rede gelingt es Chris aber die Geschworenen von seiner Unschuld zu überzeugen und , oh wunder, ein paar Tage später ist er auch schon Sheriff und darf jetzt im Namen von Gesetz und Staat, die Bösen verprügeln und schikanieren. Gähn.

Die Story ist also schonmal eindeutig kein bringer und erinnert so irgendwie an schlechte B-Movies. Das ist dieser Film, der immerhin ein Budget von über 50 Millionen Dollar hatte, bei leibe nicht, auch wenn man sich schon mal fragen sollte wo das Budget eigentlich geblieben ist. So gibt es also knappe 80 Minuten geprügel, Schlägereien und eine Schießerei, alles irgendwie betont auf dramatisch und ernst gemacht und dabei doch so bigger than life und übertrieben inszeniert, das man das Gefühl nicht los wird, das man sich nicht so recht entscheiden konnt was man denn nun drehen will: einen Fun Action Movie oder doch lieber die x-te "Ein Mann sieht rot" Variante. So gibt es neben der ganzen, extrem aufgesetzt wirkenden Dramatik (Drogen, Folter) auch immer wieder Szenen in denen eindeutig die Komik dominiert. Dafür zuständig ist Johnny Knoxville der hier aber zumeist nur dumm grinsen darf und ansonsten einmal mehr zeigt, das eine dämliche MTV Sendung und schauspielerisches Talent doch zwei verschiedene Dinge sind.

Die Action ist dabei übrigens durchweg gut inszeniert und auch ordentlich in Szene gesetzt auch wenn die Kameraführung eher an einen nervösen Homvideo Filmer erinnert, aber das ist ja wohl grade angesagt. Die Prügeleien, The Rocks Spezialgebiet sind schon choreographiert und bieten auch immer wieder was fürs Auge, besonders wenn dann auch noch sein Holzprügel zum Einsatz kommt. Zwar wird insbesondere in diesen Szene der übertriebene Inszenierungsstil offensichtlich, aber wenn man sich damit anfreunden kann, dürfte man durchaus seinen Spaß haben. Generell ist es aber doch besser, wenn man sein Gehirn beim Betreten des Kinos abgibt, ansonsten könnte man sich über die brechreizerregende Selbstjustizmoral des Gesehenen gewaltig aufregen.
Wer aber auf hirnlose Unterhaltung mit einem durchaus charismatischen Hauptdarsteller steht, kann sicherlich den Gang ins Kino wagen, zumal man The Rock diesesmal auch noch eine Love Story zugestanden hat, die zwar ähnlich konstruiert und unpassend wirkt wie das meiste in diesem Film, aber immerhin gibt es so die Gelegenheit das geniale Cover von New Orders "Blue Monday" zu hören, das für mich eines der absoluten Highlights des Films war.

"Walking Tall" ist ein mittelmäßiger Selbstjustizstreifen mit einem mittelmäßigen The Rock und einer unterirdischen Story, der aber zumindest zur Ablenkung von zuviel Realität gut geeignet ist. Aber Hirn abgeben nicht vergessen. Gerade noch so 5 Punkte, aber mindestens einer davon ist für die geniale Coverversion.

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