Ein Selbstmord-Drama, das auf ein Gedicht von Heinrich-Heine aufsetzt?
Nun… nach Sichtung dieses merkwürdigen Outputs von Zoltan Paul muss ich leider bestätigen, dass das Drehbuch dieses pessimistisch-depressiv veranlagten Selbstfindungs-Dramas nicht länger und umfangreicher ausgefallen sein kann: Was in den knapp 80 Minuten an Handlung passiert,hätte als Skript locker auf eine Taschenbuchseite gepasst.
Wir leiden und fühlen mit dem Schriftsteller David, der nach seinem erfolgreichen Erstlingswerk von einer massiven Schreibblockade geplagt wird. In seiner verzweifelten Situation landet er nach dem Treffen mit einem ähnlich von Schicksal gezeichneten ehemaligen Schulkameraden im Krankenhaus, wo er Alma Schiller begegnet. Die psychisch Kranke leidet seit Jahren an der Wahnvorstellung, dass ihr abgetriebener Sohn sie zu sich rufen würde und hat selbst schon mehrere Suizidversuche hinter sich.
Zwei Stühle, eine Meinung - Da haben sich aber zwei gefunden!
Natürlich verliebt sich der Autor in die geheimnisvolle Unbekannte und es folgt ein kurzes aber exzessives Verhältnis voller Leidenschaft und Begierde, was vom Kameramann in schneller Schnittfolge auf „kunstvolle“(???) Weise mit Stroboskop-Effekten und Lichtblenden auf abstrakte Art festgehalten wird - Sinnliche Erotik sieht anders aus, aber da sind die Geschmäcker ja bekanntlich verschieden…
Regisseur Zoltan Paul verfilmte die Geschichte bereits 2001 mit dem gleichnamigen Kurzfilm… und hätte es am besten dabei belassen sollen.
Der manisch-depressiven Geschichte fehlt es vor allem an Spannung und Tiefgang. Aber woher nehmen, wenn die Story auf das berühmte „Bierfilzla“ gepasst hätte? Die Schauspieler geben ihr Bestes, um das Machwerk über die Spielfilmlänge auszudehnen, wenngleich die Charaktere und ihre Handlungen schon sehr aufgesetzt wirken und manche Aktion von unfreiwilliger Komik geprägt wird.
Man merkt an allen Ecken und Enden, dass der Regisseur aus dem Theater kommt: Wenige Schauplatzwechsel, kaum Bewegung und viele Dialoge weisen auf eine gewisse „Theaterhaftigkeit“ hin und lassen an dieser Stelle selbstverständlich die Frage aufkommen, ob die kleine Bühne nicht die bessere Wahl für diesen Stoff gewesen wäre?
Die anderthalbstündige metaphorische Todessehnsucht hatte es bekanntermaßen nicht einfach, überhaupt einen Verleih zu finden. Erst recht, als der Film bei einigen Festivals abgelehnt wurde. Aber Zoltan Paul steht hinter seinem Debüt, wenngleich er eher ein Nischenprodukt für eine sehr kleine Zielgruppe geschaffen hat.
Heinrich Heine lässt grüssen:
"Lehn deine Wang an meine Wang" - fängt’s Drama gleich am Anfang an.
Am Ende „…sterb ich (kaum vorhersehbar) vor Liebessehnen!“… und kann mich unbefriedigt wieder von der Couch bequemen.
Filmische Suizid-Sonate für den anspruchsvollen Alles-Seher – für die einen Kunst, für die anderen (99% des Publikums) Quark.
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