Review

Inhalt:

China während der Ming-Periode. Die Dynastie ist in seiner Erbfolge auf das Massivste bedroht. Gegen Kaiser Chien Wen (Liu Kei) wurde eine Rebellion entfacht, und für den Herrscher gibt zum Ende der erbitterten Schlacht um seinen Palast herum kein Entkommen.

Der Kaiser übergibt den Thronfolger, der noch ein Säugling ist, an Shangguan Hou (Lo Wei), um dann in den Flammen seines Palastes zu sterben. Shangguan, ist der Anführer der "Black Dragon"-Society, und dem Kaiserhaus treu ergeben. Die Rebellen, Verräter aus den eigenen Reihen, werden vom skrupellosen Yang Zheng (Tien Feng) und der machtgierigen Yu Hua-Chiao (Pan Ai-Lun) angeführt. Sie stellen Shangguan Hou, und fordern die Herausgabe des Thronfolgers.

Shangguan opfert sich, damit seine Tochter Xiuyi (Cheng Pei-Pei) mit dem Säugling entkommen kann. Einzig an ihrer Seite ist ihr Gefährte Zhengxiong (Wu Fung), beide sind exzellente Schwertkämpfer. Auf ihrer Flucht stösst ein junger Kämpfer, aus dem bäuerlichen Bereich stammend, Zhou Feiyun (Yueh Hua), hinzu.

Zu dritt versuchen sie, sich durch die feindlichen Linien nach Quanzhou zu schlagen, ein fast aussichtslosen Unterfangen. Ihnen stets dicht auf den Fersen, Yang Zheng, Yu Hua-Chiao und deren zahlreiche Schergen.

Nach etlichen Kämpfen und vielen Schwierigkeiten erreichen sie die "White Dragon"-Gang, eigentlich Verbündete. Doch auch hier kam es durch Verrat zu einem Wechsel in der Führung, und es kommt zum Kampf.

Nachdem die Helden siegreich waren, werden sie schließlich von ihren Verfolgern gestellt. Zu diesen gesellte sich der mysteriöse "Old Monster" (Lee Sau-Kei), doch auch die Helden haben mit Beggar Mo Wen Tien (Yang Chi-Ching) vom Bettler-Clan einen illustren Verbündeten.

Ein blutiger Showdown, ein gnadenloser Kampf auf Leben oder Tod ist unausweichlich...!

Kritik:

Im Jahre 1969 drehte Regisseur Lo Wei diesen weiteren WuXia-Eastern, als Abenteuer-Actioner mit der Swordlady und DEM weiblichen SuperStar des Genres in jenen Jahren, Cheng Pei-Pei, für die Studios der Shaw Brothers in Hongkong. Ein Eastern, der trotz erkennbar höherer Ambition, leider nur äußerst knapp über dem Durchschnitt anzusiedeln ist.

Einmal mehr in den gepflegt-atmosphärischen Super-Sets der Shaw-Studios aber insbesondere auch open air in authentisch altchinesischer Kulissen und stark gewählten, visuell ansprechenden Outdoor-Locations unter strahlend blauem Himmel und südchinesischer Sonne, erzählt Lo Wei eine gängig-routinierte und vorhersehbar-einfache Story um Verrat, Intrigen und die zwangsläufig daraus resultierende Gewalt.

Doch während es Regie-Kollege Ho Meng-Hwa 1 Jahr später mit "Lady of Steel" (siehe mein Review auf dieser Webseite), ebenfalls mit Cheng Pei-Pei in der Hauptrolle, gelang einen ebenfalls gängig-typischen und mit einer Routine-Story versehenen WuXia-Eastern spannungsvoll zu inszenieren, kommen in "Raw Courage" jedoch jede Menge Längen auf, die das Ganze leider etwas verwässern.

So sind denn die sage und schreibe 110 Minuten dieses WuXia-Dramas denn auch viel zu lang geraten, zumal bei der ja recht simplen Storyline. Eine Amazone und ein Schwertkämpfer, zu denen sich noch ein junger Held gesellt, fliehen mit einem Thronfolge-Säugling "von A nach B". Klares Story-Schema, aber langwierige Umsetzung, mit viel Action aber auch allerlei Füllmaterial, welches das Ganze fast ermüdend ausdehnt.

Tja, Cheng Pei-Pei und ihre beiden männlichen Co-Stars fliehen, fighten, fliehen wieder..., und derweil ergießt sich da denn auch vieles in einzelnen Episödchen. Beispiele gefällig? Der Säugling kränkelt, und muss zum Onkel Doktor Ku (Ku Wen-Chung), Drachen-Tanz auf einer Kirmes, Cheng Pei-Pei und Co-Star Wu Fung säuseln pathetisch über ihre Beziehung zueinander, das Versteckspiel vor den Feinden findet auch mal in zu belächelnder Verkleidung statt -CPP dabei im Eisbärenfell!!!-, es wird geritten und gewandert. Weniger wäre mehr gewesen, und wenn man das um 20 Minuten eingedampft hätte, wäre "Raw Courage" so wie "Lady of Steel" sicher weitaus gelungener gewesen. Doch Lo Wei verfällt wieder in seinen alten Fehler, sich einmal mehr zu verzetteln was die Storyline seines Films betrifft.

Die Stärken, die "Raw Courage" noch knapp über das Mittelmaß heben, sind denn einmal mehr die typische Shaw-Aura, die wieder diese atmosphärischen Bilder erzeugt, die interessanten Darsteller*Innen und die für das Baujahr äußerst rasant-dynamische Fightaction mit unzähligen Kämpfen, auch in langen Takes. Zwar kann die -ebenso gedehnte- Fightaction die Längen dieses Streifens nur bedingt kaschieren, aber immerhin ist sie für anno ´69 ziemlich stark.

Cheng Pei-Pei, in anderen Eastern mit ihr gefiel sie noch mehr. Doch auch hier agiert die legendäre, dieses Jahr leider verstorbene Shaw-Actrice insgesamt gefällig, für die Längen und das Lo Wei sie mitunter hängen lässt, kann sie ja nichts. Eine solide Leistung musste diesmal reichen.

An ihrer Seite gleich 2 Co-Stars, der unbekanntere Wu Fung und -ihr quasi Standardpartner- Yue Hua. Wu Fung eher unsicher und zurückhaltend -auch im Spiel-, Yue Hua spult seine Rolle routiniert runter. Tien Feng ist diesmal der Bösewicht und oberste Schurke. Das meistert er wie gewohnt mit einer ja wie stets souveränen Leistung. Eine illustre Villain-Figur gibt hier noch Lee Sau-Kei ab, der als blau im Gesicht angelaufenes "Old Monster" mysteriös-unheimlich erscheint. Auch ein weiblicher Villain ist hier zugegen, die aparte Pan Ai-Lun agiert als machtgierig-eitle Schurken-Amazone. Ein Damen-Duell CPP vs. Pan Ai-Lun bleibt im Finale denn bedauerlicher Weise aus, hier verpasst Lo Wei leider einen dramaturgischen Höhepunkt im Showdown-Geschehen.

Gaststars und Extras wie Yang Chi-Ching (im Finale ein plötzlicher wie wichtiger Faktor), Lee Kwan als "Little Beggar", Ku Wen-Chung als Onkel Doktor, und die Eastern-Haudegen Hao Li-Jen und Wang Hsieh runden den Cast ab.

Eine Stärke dieses WuXia-Eastern ist seine Fightaction, Swordplay herrscht natürlich vor. Viele Fights, viel Action, rasant-dynamisch, etliche Massenfights aber zum Glück auch CPP/Yue Hua vs. 5+, und da intensiv-tempogeladen gefightet wird aber jeder Schwerttreffer sichtbar ist, sind die Kämpfe somit eben auch gut choreographiert. Immerhin, die Fightaction -im Eastern ja das Wichtigste- stimmt.

So kann sich "Raw Courage" trotz genannter Mankos, noch sehr knappe 6 von 10 Punkten in meiner Bewertung erfighten.

Details
Ähnliche Filme