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"Dort wo das Licht schwindet obsiegt das Böse."

Bereits mit "Mimic" konnte sich der mexikanische Regisseur Guillermo del Toro zuvor mit guten Kreatureffekten beweisen, was aber durch den altbackenen Plot allzu durchschnittlich ausfiel. Mittlerweile konnte del Toro aber mit "Pan's Labyrinth" belegen, dass er inszenatorisch einiges Drauf hat und um seine Figuren eine spannende, wendungsreiche Geschichte erzählen kann. Zwischen diesen beiden gab es unter anderem die Comicadaption "Hellboy" von ihm zu sehen, die aber mit einem schwachen Drehbuch zu kämpfen hat.

Gegen Ende des zweiten Weltkrieges versuchen die Nazis mit Hilfe des Russen Grigori Rasputin (Karel Roden) und seinem unheimlichen Gefolgsmann Kroenen (Ladislav Beran) ein Tor zu einer anderen Dimension zu öffnen. Die Kreaturen die in dieser anderen Welt leben sollen den Nazis dazu verhelfen den Krieg noch zu ihren Gunsten zu wenden. In allerletzter Sekunde verhindert ein Trupp Alliierter, darunter Professor Trevor Bruttenholm (John Hurt), diese Absicht, wobei Rasputin durch das Tor gezogen wird. Ein kleines rotes Wesen konnte parallel unbemerkt durch das Tor treten, was von Bruttenholm gefunden und aufgezogen wird. Jahre später ist das kleine rote Wesen zu einem über zwei Meter großen Hünen gewachsen und wird Hellboy (Ron Perlman) genannt. Die Tage verbringt er versteckt im Institut für paranormale Forschung und Verteidigung oder jagt außerhalb mit seinem amphibischen Freund Abe Sapien (Doug Jones) übernatürliche Kreaturen. Hellboys Schwäche gilt der pyrokinetisch veranlagten Liz Sherman (Selma Blair), die in einer Klinik versucht ihre Kräfte unter Kontrolle zu bringen. Als Professor Bruttenholm den Agenten John Myers (Rupert Evans) zur Verstärkung seiner Truppe hinzu zieht überschlagen sich die Ereignisse. Denn der entschwundene Kroenen hat heimlich Rasputin zum leben erweckt, welcher erneut nach der Weltherrschaft strebt.

"Hellboy" ist ein adiovisuelles Ereignis. Die großartigen Bauten fördern die düster gothische Ästhetik ungemein und werden durch einen aufwendigen Score stimmungsvoll untermauert.
Im Vordergrund stehen die gewöhnungsbedürftigen Figuren, besonders die des titelgebenden Hellboy. Wahrhaft detailreich wurden diese ausgearbeitet und mit ansprechender Maske und Kostümierung auf die Leinwand gebannt. Abgerundet wird dies durch aufwendige Special-Effects. Ganz besonders hier merkt man den Einfallsreichtum und den Wunsch del Toro's das Franchise gerechtfertigt zu präsentieren.
Ein für Comicverfilmungen typischer Plot um die Schwierkeiten des anders seins und den obligatorischen Auseinandersetzungen zwischen Gut und Böse hält dieses Paket zusammen, kann aber bei bestem Willen nicht mehr begeistern und verliert sich in der Eintönigkeit.

Bombastisch und temporeich beginnt der Film mit der Einführung zur zweiten Weltkriegszeit, flacht dann aber sehr schnell ab und verstrickt sich zu sehr in die Gefühlswelten der Charaktere. Trotz dem diesen sehr viel Zeit gewidmet wird, gibt es keine konsequente Behandlung und Ausführung ihrer Ängste sowie Schicksale, einige kommen zu kurz und bleiben etwas zu blass.
Die eingestreuten Actionszenen wirken dabei sehr lahm. Die Möglichkeiten der Interaktion zwischen den guten und bösen Figuren wird leider nicht ausgeschöpft, es wirkt gar so als wolle man so schnell wie möglich fertig mit diesen Abschnitten werden. Auch zum Finale ist keinerlei Steigerung mehr spürbar. Schnell und abrupt endet der Film ohne durch irgend etwas spektakuläres in Erinnerung zu bleiben. Dies ist ein harter Kritikpunkt, wären doch die brachialen Möglichkeiten durch die Comicvorlage und den Stoff beinahe grenzenlos gewesen.
Wie diverse andere Comicverfilmungen schafft es somit auch Hellboy nicht die Stränge des Anspruchs und der Action konsequent auszuführen, sondern zeigt Mängel in beiden Bereichen.

Im Grunde ist "Hellboy" ganz auf seinen sympathischen Hauptcharakter zugeschnitten, den Ron Perlman ungemein passend verkörpert. Trotz des starken Make-ups behält er seine Individualität und spielt die Eigenheiten Hellboys voll aus, von humorvollen One-Linern beginnend, über pragmatische Lösungen verzwickter Situationen zu abstrusen oder auch mal einfühlsamen Momenten.
Neben ihm steht Selma Blair ("WAZ", "Eiskalte Engel"), der leider zu wenig Zeit bleibt ihrer melancholischen Figur genügend Farbe zu verpassen. Desgleichen gilt für Doug Jones ("Pans Labyrinth", "Mimic") der unter der Maskierung und der Überlagerung der Computereffekte nicht mehr wieder zu erkennenden ist. John Hurt ("V for Vendetta") bleibt ein wenig hinter seinen gewohnten Leistungen zurück, was wohl auch daran liegen mag, dass seine Figur des ältlichen Professors kaum Möglichkeiten für sporadische Interaktionen hergibt.
Neuling Rupert Evans wirkt als professioneller Agent wenig glaubhaft, desgleichen Karel Roden dem man die Rolle des Gegenspielers nicht unbedingt abnimmt.

Zu durchschnittlich und unspektakulär präsentiert sich "Hellboy". Der Film kann sich nicht entscheiden welche Richtung er einschlägt und präsentiert somit weder geistreiche, anspruchsvolle noch spektakuläre, actionreiche Unterhaltung. Trotz genialer Ausstattung und guter Charakterzeichnung bleibt hier nicht allzu viel hängen. Zuviel hängt an der titelgebenden Figur die man entweder liebt oder hasst. Möglichkeiten zur Verbesserung gibt es, denn Teil 2 steht vor der Tür.

4 / 10

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