Bei allem Wohlwollen kann man Hellboy aus heutiger Sicht kaum mehr zu den besten Beiträgen im stetig anwachsenden Genre der Comicverfilmungen zählen. Guillermo Del Toros Spektakel um den rothäutigen Höllenjungen ist zwar bei weitem kein schlechter Film, kommt aber mit einer Liste an Unzulänglichkeiten daher, wie sie mittlerweile bei den filmischen Adaptionen der Sprechblasenheftchen nicht (mehr) üblich ist, die ihn aber auch von Vergleichen losgelöst eher in schwachem Licht dastehen lassen.
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Bereits bei der kurz vor Ende des Zweiten Weltkriegs spielenden Einleitung wird klar, dass bei Hellboy keinen Wert auf eine Verankerung der Geschichte in der realen Welt gelegt wird (was natürlich so auch auf die Vorlage zutrifft). Was einem hier bereits in den ersten Minuten aufgetischt wird, verlangt in jedem Fall ein hohes Maß an Toleranz, um sich darauf einlassen zu können. So wird ein schwertschwingender untoter Nazi, Karl Ruprecht Kroenen, im gleichen Atemzug mit einem russischen Schwarzmagier namens Grigori Rasputin eingeführt, die in einem heidnischen Ritual uralte Götter des Bösen, die Ogdru Jahad, aus ihrem Eisgefängnis erwecken wollen. Das alles wird so beiläufig erwähnt, das einem nicht einmal der Anflug eines Gedanken bleibt, irgendetwas davon ernst nehmen zu können. Wer mit so vielen daherbehaupteten Unmöglichkeiten nichts anfangen kann, der hat wahrscheinlich längst abgeschaltet. Nun muss man von einem Fantasyfilm, der auf einem Comic basiert, nicht zwangsläufig und unbedingt Glaubwürdigkeit verlangen, auch in Zeiten eines The Dark Knight nicht. Doch in Hellboy werden so viele Informationen so überhastet und lieblos verbalisiert, dass es einfach nur holprig und unfreiwillig komisch rüberkommt, nicht etwa mystisch und/oder fantastisch.
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Dies setzt sich in der Einführung der Guten fort. Als ebenso unwissendem Begleiter und Identifikationsfigur wird dem Zuschauer ein junger FBI-Agent zur Seite gestellt, mit dem zusammen das Hellboy-Universum erkundet werden soll. Diese Figur mit dem schlichten und nichtssagenden Namen John Myers (unter den ganzen Fabelnamen und Begriffen nicht unlogisch gewählt) ist ihrer Aufgabe, das Publikum zu führen, aber schon nach wenigen Minuten nicht mehr gewachsen. Viel zu schnell und ohne großes Erstaunen, das ob solcher Gestalten wie dem Fischmenschen Abe Sapien und dem ausgewachsenen Hellboy wohl angebracht wäre, fügt er sich in die Gruppe ein, als wäre all das spätestens beim zweiten Hinsehen eigentlich nichts besonderes mehr. Somit muss man sagen, dass Del Toro auf diese Figur lieber komplett hätte verzichten sollen, um die vorgestellte Welt gänzlich ihrer eigenen Wirkung zu überlassen. Denn wie gesagt, wer sich darauf nicht einlassen kann, der ist an diesem Punkt der Geschichte eh schon längst nicht mehr hier.
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Nach dem effektreichen und flotten Einstieg läuft der Film in Sachen story-telling äußerst schleppend und unharmonisch weiter. Oberbösewicht Grigori Rasputin erwacht zu neuem Leben, Hellboy wird zum ersten Einsatz gerufen und legt sich mit dem von Rasputin beschworenen Dämon Sammaeal an. Nachdem Hellboy die Kreatur mit grober Gewalt besiegt hat, darf Abe Sapien seine übernatürlichen Fähigkeiten zeigen und offenbart Professor Broom, dem Ziehvater Hellboys, bei einem Blick in die unmittelbare Vergangenheit, wie Sammael von Rasputin beschworen wurde. Nazizombie Kroenen darf seine Messerkunst zeigen und während die Story auf der Stelle tritt, fügt Del Toro den Subplot um Hellboys Herzdame, die entflammbare, aber ihre Kraft nicht kontrollieren könnende Liz Sherman ein. Tatsächlich wirken all diese Szenen arg grobschlächtig aneinandergereiht, der Film findet zu keiner Zeit einen Rhythmus, nichts wirkt homogen und in sich schlüssig. Dazu gesellt sich optische Abwechslungsarmut, da ein zweiter Kampf des Hellboy gegen Sammael, von dem zwei weitere geboren werden, sobald einer stirbt, vom Ablauf her dem ersten sehr ähnlich ist. Auch die Figur des Abe Sapien wird im Laufe der Handlung verschenkt. Zwar wird er mit wichtigtuerischen Gesten, gebildetem Verstand und eben den übernatürlichen Fähigkeiten zunächst sehr sorgfältig als DER Nebendarsteller aufgebaut, doch dann von Sammael verletzt und verbringt den Rest des Films bei der Rehabilitation in einem Wassertank. Stattdessen wird der Charakter Liz Sherman vertieft, doch deren Liebesgeschichte mit Hellboy, aus der durch Einwirken von FBI-Mann Myers eine Dreiecksgeschichte wird, wirkt arg aufgesetzt und teils einfach nur kindisch.
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Handlungswendungen und Ortswechsel wirken trotz schöner und stimmiger Sets meistens völlig unmotiviert und (abgesehen davon, dass behauptet wird, man müsse jetzt da und da dies und das erledigen) auch kaum nachvollziehbar. Mit Hilfe des Höllenjungen will der kaum präsente und schon gar nicht bedrohliche Rasputin das Tor zur Befreiung der Ogdru Jahad ein weiteres Mal öffnen. Der Weg dorthin ist ein holpriger und so konstruierter, dass selbst der gewitzteste optische Einfall, den Del Toro dem Film bis zum Showdown beimengt, schlicht verpufft. Der Showdown selbst gerät dann bis auf einige nette (aber auch manch weniger gelungene) Effekte nicht wirklich spektakulär und in seinem Abschluss geradezu hanebüchen simpel. Wenn die gigantisch großen Ogdru Jahad die Seele von Hellboys geliebter Liz kampflos wieder rausrücken, nachdem dieser ihnen damit droht, in ihre Dimension zu kommen und sie zu holen fragt man sich, wo dann überhaupt die viel zitierte Bedrohung gewesen sein soll.
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Die beste Arbeit bei Hellboy haben zweifellos die Setdesigner und Maskenbildner geleistet, die zwar (handlungsbedingt) auf die Dauer etwas abwechslungsarme, aber dennoch schöne Kreaturen, Make-Ups und Umgebungen geschaffen haben. Ob Sammael, Abe Sapien, oder der Hellboy selbst, die Masken und Prothesen sind durchweg gelungen. Allerdings ist der Übergang von der handwerklichen zur Computertechnik kein nahtloser und CGI-Effekte lassen sich sofort als solche entlarven.
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Die Darstellerfront wird von einem souveränen, wenn auch nicht wirklich schauspielerisch geforderten Ron Perlman angeführt, der gesamte Cast bietet gute, wenig anspruchsvolle (der teilweisen Simplizität der Charakterzeichnung geschuldete) Leistungen.
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Insgesamt klingen die genannten Punkte sicher negativer, als es die Summe letztlich ist. Unter der Bedingung, dass man absolut nichts in Frage stellt und alles als gegeben annimmt, kann Hellboy fraglos ein unterhaltsamer Film sein, der aus seiner Belanglosigkeit keinen Hehl macht und immerhin ein paar nette Gags und Effekte bietet.
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