*** SPOILERWARNUNG ***
1944 versuchen die Nazis unter der Leitung von Offizier Kroenen mit Hilfe Rasputins ein Tor zur Hölle zu öffnen, um sieben Chaosgötter zu beschwören. Mit ihrer Hilfe wollen sie den Endsieg erringen. Eine Truppe unter der Leitung von Professor Broom kann dieses jedoch verhindern. Jedenfalls fast, denn ein junger Dämon hat den Sprung in unsere Welt geschafft. 60 Jahre später arbeitet Hellboy für das "Bureau for Paranormal Research and Defense" und darf immer mal raus, wenn er sich irgendwo rumtreibenden Monstern in den Arsch treten soll. Aber das Böse ist nicht tot zu kriegen und so wird Rasputin wieder zum Leben erweckt, um sein Werk zu vollenden. Der will nun die Hölle auf die Erde holen.
Hellboy ist einer der unbekannteren Charaktere des Comicmarktes, zumindest im Vergleich mit den Ikonen von DC und Marvel. Umso erfreulicher, dass er inzwischen in Form einer mehr als geglückten Filmversion auf die Leinwand kam, die auch nach etlichen Jahren immer noch einen Höllenspaß macht.
Mit Ron Perlman hat man für die Hauptrolle eine stimmige Besetzung gefunden, die nicht in Sachen Darstellung, sondern auch durch Präsenz an sich glänzen kann. Charakterlich ist Big Red, da er nicht in menschlichen Maßstäben altert, noch herrlich unreif und so sehen sich Ziehvater Broom und seine Kollegen letztlich immer wieder mit einem zu groß geratenen Teenager konfrontiert.
Man hat sich bemüht, die Comicvorlage ernst zu nehmen. So ist auch der Film eine Mixtur aus Fantasy, Action und wohldosiertem Humor geworden, die in sich sich stimmig ist. Auch lässt Regisseur Guillermo Del Toro auch mal Hellboys Gefühlswelt durchscheinen, wobei man merkt, dass unter der großen roten Schale ein herzlicher Kern existieren.
Die Geschichte selbst ist ausreichend konstruiert, generell haben es Origin-Stories aufgrund des neu vorgestellten Szenarios ja immer etwas leichter. Nazi-Deutschland darf mal wieder als Bösewicht hergenommen. Das ist nun nicht übermäßig originell, aber dass Hitler auf Okkultes steht, hat man ja schon in der Indiana Jones Reihe gelernt. Acionsequenzen mit leichtem Hang zum demolieren der Umwelt gibt es ein paar, diese sind auch chic inszeniert, wenn auch bisweilen in der technischen Ausführung etwas unsauber. Insbesondere, wenn wirework auf dem Plan steht, kann das mal kurz rausreißen. Trotzdem sind die Schauwerte beachtlich und in der Gesamtheit, auch vom Design her, sehr gelungen.
Diese wechseln sich mit ruhigen Passagen ab, in denen etwas (soweit wie nötig) auf die Charaktere eingegangen wird. Und manchmal geht es tiefer als man dem Werk zutraut, ein paar emotionale Szenen haben es auf die Leinwand geschafft. Genauso findet sich Humor in Form von One-linern ("I'm fireproof ... you're not!"), bizarren Ideen (der rummeckernde Untote) oder generell Hellboys verhalten, wenn er seiner großen Liebe und Agent Myers nachstellt (wieder Stichwort Teenie). Weitere Charaktere auf Hellboys Seite sind u.a. John Hurt als Professor Broom, der eine Art Vaterfigur und Mentor für Hellboy darstellt, Abe Sapien und Liz Sherman, die zur Hauptfigur eine besondere Beziehung hat.
Ohne passende Antagonisten ist das alles aber nur die Hälfte wert. Mit Karl Ruprecht Kroenen erscheint endlich mal wieder ein Schurke, der (in der phantastischen Welt) eine einnehmend sinistre Ausstrahlung besitzt. Ohne Worte, dafür aber mit einer entstellten Fratze unter seiner Maske und einigen einfallsreichen Ideen ausgestattet, finstert er sich als untote Aufziehpuppe durch den Film. Die historische Figur des Rasputin darf als Oberschurke und Antreiber der geplanten Apokalypse herhalten, flankiert von seiner arisch-blonden Gehilfin Ilsa (wie sollte sie auch sonst heißen?). Und er ist ein Minuspunkt des Films, denn den größten Abgang kriegt nunmal der Oberschurke. Da hätte ich lieber noch mehr vom maskierten Übermenschen gesehen. Zumal wirkt der kurze Showdown gegen das Tentakelmonster (H. P. Lovecraft lässt nicht nur hier grüßen) etwas aufgesetzt und der Tatsache geschuldet, dass mit dem russichen Wanderprediger kein großer Knall zum Ende zu machen war.
Die FX sind wuchtig, schön anzusehen, doch verkommt der Film nicht zu einer einzigen Effekteorgie. Vom im gleichen Jahr gestarteten „Van Helsing“ konnte man das nicht behaupten. Auch der Soundtrack von Marco Beltrami ist überaus gelungen, sowohl die action cues auch die ruhigeren Passagen gehen ins Ohr. Eine seiner besten Arbeiten, wie ich finde.
„Hellboy“ stellt nach wie vor eine der besten Comicverfilmungen dar, kann mit seinem Design, seiner Atmosphäre und einem sympathischen Heldenteam punkten. Ein paar kleinere Schwächen trüben den überaus positiven Gesamteindruck nicht, Del Toros erster Ausflug mit dem rechtschaffenden Roten ist ein höllischer Spaß.