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„Hellboy“ ist eine Comic-Verfilmung der etwas anderen Art – zwar eine „Big-Budget“-Studioproduktion aus Hollywood, doch mit eingeschränktem Mainstream-Appeal, was hauptsächlich daran liegt, dass der Held des Films (zumindest von der Optik her) keine „menschliche“ Figur ist, sondern eine große rote Teufelsgestalt, Schwanz und abgefeilte Hörner inklusive.
Um einen solchen Helden aus der „Dark Horse“-Comicschmiede zum Leben zu erwecken, bedurfte es einen Regisseur, der mit einer gewissen Liebe zur Figur und Materie ans Werk geht, und mit Guillermo Del Toro („Mimic“ / „the Devils Backbone“) hat man da genau die richtige Wahl getroffen. Man sieht dem fertigen Produkt deutlich an, dass es ein Herzensprojekt des Mexikaners gewesen ist, und in Ron Perlman („Alien 4“ / „Down“) fand Del Toro schließlich auch die Idealbesetzung für die Titelfigur (beide hatten bereits bei „Cronos“ und „Blade 2“ zusammengearbeitet).

Als sich langsam abzeichnet, dass der zweite Weltkrieg für die Nazis verloren geht, versuchen sie mit Hilfe des Okkulten die Wende doch noch herbeizuführen, indem sie sich mit dem Russen Grigori Rasputin (Karel Roden – „15 Minutes“) zusammenschließen, der auf einer Insel vor Schottland mit Hilfe eines Portals „Kräfte des Bösen“ aus einer anderen Welt heraufbeschwören will. Zwar können die Alliierten bei ihrem Angriff dieses Vorhaben verhindern, doch das Tor war lange genug offen, dass eine kleine rote Gestalt durchschlüpfen konnte. Trevor "Broom" Bruttenholm, Begleiter der Alliierten und Gründer des „Bureau for Paranormal Research and Defense“ (B.P.R.D), kann das kleine Wesen mit Schokoriegeln ködern, nimmt sich seiner an und nennt ihn Hellboy.
Im Laufe der Jahre wächst Hellboy (Ron Perlman) im Schutze des B.P.R.D. auf und kämpft für die Organisation gegen paranormale Erscheinungen des Bösen. Um sich den Menschen wenigsten optisch etwas besser anzupassen, feilt er sich seine mächtigen Hörner regelmäßig ab – was auch daran liegt, dass er der zurückgezogen lebenden Liz (Selma Blair – „Cruel Intentions“) gefallen möchte. Liz ist ebenfalls ein „Freak“ (wie sie sich selbst auch scherzhaft bezeichnen), denn sie besitzt pyrokinetische Fähigkeiten, ist also ein „Firestarter“. Zu der Truppe gehört auch noch der Amphib Abe Sapien (Doug Jones), geleitet wird die Institution noch immer von Professor Broom (John Hurt – „1984“). Neuling ist Agent John Myers (Rupert Evans), der herangezogen wird, um Hellboy ein Begleiter zu sein.
Gerade zu der Zeit wird dann aber Rasputin von seinen damaligen Nazi-Komplizen wieder zum Leben erweckt. Er will seinen Plan endlich vollenden, die Hölle auf Erden zu beschwören, doch gerade Hellboy ist der finale Schlüssel dazu, weshalb er die dämonische Kreatur Sammael auferstehen lässt und eine Falle vorzubereiten beginnt…

Ron Perlman verkörpert Hellboy absolut perfekt – was neben seiner ganzen Erscheinung auch auf das großartige Make-Up zurückzuführen ist. Allgemein sind die Kostüme und Masken sehr gut gelungen – gerade auch bei Abe Sapien und dem Nazi Kroenen (ob nun in seinem Gasmasken-Dress oder als (über-) menschliches Flickwerk ohne Rüstung / Uniform).
„Hellboy“ ist ein optisches Fest, großes „Eye Candy“. Die Sets sind einfach großartig: An ihnen merkt man auch, dass es sich um einen Film von Del Toro handelt, denn alles ist sehr düster und optisch beeindruckend in Szene gesetzt worden (von den verregneten Ruinen auf der Insel am Anfang, über zahlreiche Einstellungen in labyrinthartigen Tunneln, bis hin zu dem verscheiten sibirischen Friedhof und den dunklen Katakomben darunter). Zusätzlich werden vielen Einstellungen in gelbliches Licht getaucht, was nicht nur gegenüber dem Rot von Hellboy einen ansprechenden Effekt erzielt.
Die Special Effects können ebenfalls (größtenteils) überzeugen: Der Unterwasserkampf von Abe ist einfach klasse, wie auch die computergenerierten Sammael-Wesen und viele andere digitalen Einstellungen.
Doch leider gibt es auch Negativbeispiele (nicht nur in diesem Bereich): Manchmal, wenn Protagonisten durch die Luft geworfen werden, sieht das nicht wirklich realistisch aus. Als die Brücke am Ende unter Hellboy einstürzt, scheint er durch die F/X scheinbar darüber hinwegzuschweben – die Szene misslang dadurch total. Der Showdown mit dem großen „Über-Wesen“ erinnerte mich zudem stark an das Finale mit der Riesenkrake aus „Deep Rising“. Misslungen war auch die Rettung einiger Katzen für die Besitzerin (menschlicher Faktor!) mit dem anschließenden Kommentar „das ist nun mal mein Job“ …aua!

Positiv an dieser Verfilmung wäre auf jeden Fall noch der auflockernde Humor zu erwähnen, der in den Sprüchen von Hellboy seine Höhepunkte findet. Gelungen ist auch der Gag mit dem „Red Bull“-Getränk, und auch ein bestimmter Schokoriegelhersteller wird seine Freude an dem Film haben.

Die Action kommt nicht zu kurz und wurde temporeich in Szene gesetzt. Die Szenen, in denen Hellboy gegen Kroenen oder Sammael kämpft, sind wahrhaft gelungen, doch leider gibt es nicht so viele unterschiedliche Feindfiguren – schließlich gibt es mehrere Sammaels, die dann in den meisten Szenen die Gegner darstellen.

Regisseur Del Toro konzentriert sich meines Erachtens nach (trotz oder wegen seiner Hingabe) zu sehr auf die Figur des Hellboy, wobei er die Story und anderen Figuren vernachlässigt. Außer Hellboy besitzt kein anderer Charakter wirklichen Tiefgang (besonders Agent Myers verkommt zu einem bloßen Sidekick), und die Geschichte an sich (beispielsweise um Rasputins Plan) wird nicht richtig zum Laufen gebracht – sie zerfällt förmlich in einzelne Sequenzen, die aber immerhin für sich genommen toll sind.

Fazit: „Hellboy“ ist eine humorvolle, actionreiche Comicverfilmung – für alle, denen „Spiderman“ und „Catwoman“ dieses Jahr zu glatt erscheinen – im gewohnt guten „Guillermo Del Toro“-Stil mit tollen Special Effects inszeniert … 8 von 10.

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