Tony Scott's neustes Werk hat nun endlich den Weg in die DVD-Regale der Videotheken gefunden. Es wird auch Zeit, sind wir von Ridley Scott's ("Alien", "Gladiator") Bruder doch Einiges an tollen Actionern und Thrillern gewohnt ("Top Gun", "Last Boy Scout", "True Romance", "Staatsfeind No. 1"). Mit Oscar-Preisträger Denzel Washington in der Hauptrolle kommt es nun, das Remake des eher lahmen 1987er Actioners "Man On Fire".
Story:
John W. Creasy (Denzel Washington) war mal Antiterrorspezialist. Mittlerweile ist er abgehalftert und trinkt. Sein Freund Rayburn (Christopher Walken) verschafft ihm einen Job in Mexico City. Dort ist Kindesentführung gerade hoch im Kurs und alle reicheren Familien schicken ihre Sprößlinge nur noch mit Begleitschutz in die Schule. Creasy soll Bodyguard für die kleine Lupita "Pita" Ramos (Dakota Fanning), Tochter des Mexikaners Samuel Ramos (Schmusesänger und Jennifer Lopez-Ehemann Marc Anthony) und der Amerikanerin Lisa (Radha Mitchell), spielen. Der schweigsame Einzelgänger baut nach einigen Anlaufschwierigkeiten eine freundschaftliche Beziehung zu dem sonnigen Mädchen auf. Doch eines Tages passiert es. Pita wird nach dem Klavierunterricht entführt. Creasy kann zwar zwei der Mittäter zur Strecke bringen, wird aber selbst mehrmals angeschossen und muss schwer verletzt ins Krankenhaus. Als er einige Wochen später wieder halbwegs regeneriert ist, erfährt er Schreckliches: die Lösegeldübergabe wurde sabotiert, die Entführer haben Pita getötet. Daraufhin verspricht Creasy ihrer Mutter, dass er jeden töten wird, der irgendwie damit zu tun hatte. Der Rachefeldzug kann beginnen.
Die Story, mit der Scott daherkommt, ist nicht gerade neu oder besonders innovativ. Aber die Sache ist, wie er sie erzählt. Scott schafft es, sie geradlinig und schnörkellos voranzutreiben. Auch lässt er sich Zeit beim Aufbau der Geschichte. So geht Creasy's Vergeltung erst nach etwa siebzig Minuten los. Bei einer Lauflänge von gut 140 Minuten ist das genau das richtige Timing. Auch sind Creasy's Handlungen an sich nie comichaft überzeichnet und wirken nicht überladen. Die Action ist sehr sparsam und gut dosiert und die Racheakte lassen jeglichen Zynismus vermissen, sondern sind eiskalt und mit der notwendigen Ernsthaftigkeit angepackt worden.
Schauspielerisch war Einiges drin. Die kleine Dakota Fanning spielt wie eine ganz Große und ist soooo sympathisch, dass wohl jeder Zuschauer in dieser Situation genau wie Creasy gehandelt hätte. Altmeister Christopher Walken ist diesmal nicht der Bad Guy, aber trotzdem sowieso toll. Nur hätte man ihm mehr Screentime gewünscht. Der abgehalfterte Mickey Rourke hat eine Gastrolle als Anwalt Jordan, was jedoch kaum nennenswert ist. Washington brilliert erneut in der Rolle des einsamen Antihelden, den wir schon aus "John Q." oder "Virtuosity" kennen.
Die Optik des Films ist fast ausschließlich in Videoclip-Ästhetik gehalten. Schnelle Schnitte, Überblendungseffekte, Farbverfälschungen. Alles wirkt sehr stylisch. So trifft Scott zwar den Zahn der Zeit, doch geht es einem irgendwann auf den Nerv, wenn der 150. Schnitteffekt kommt. Als Fan von schönen Steadycam- und Kamerakranfahrten dürfte einem dieser visuelle Overkill Kopfschmerzen bereiten. Auch schwächt es die Kälte der Geschichte irgendwie ab. Eindeutig zuviel des Guten. Nett gemeint, aber übertrieben.
Das Ende ist irgendwie abzusehen. Dennoch wirken die Bilder hier sehr kunstvoll, die Musik, von Lisa Gerrard (die auch für "Gladiator" geträllert hat, was man sofort merkt) gesungen, unterstreicht die emotionale Tiefe des Geschehens einwandfrei. Bild und Musik bilden hier eine Einheit, schaffen eine Atmosphäre, die zu Tränen rührt, wer da nicht zumindest innerlich weint, ist gefühlstot. Der Zuschauer kann den Schmerz, die Erleichterung, die Trauer, die Freude, alles auf einmal förmlich spüren. Und so begleiten wir Creasy zu Lisa Gerrards Gesang nach Hause, heim nach Blue Bayou.
Fazit:
"Man On Fire" ist ein eiskalter, bedingungsloser Actionthriller, der keine zu groben Fehler macht. Der anstrengende optische Overkill trübt das Bild ein wenig. Nichtsdestotrotz findet man hier einen harten, kalten und am Ende sehr traurigen Film.
11/15 (2)