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Nach dem eher schwachen "Spy Game" findet Tony Scott (Beverly Hills Cop 2) mit "Mann unter Feuer" wieder halbwegs zu alter Stärke zurück und präsentiert uns einen knallharten Rache-Thriller, der allerdings nur auf Sparflamme läuft.

Alkoholsüchtig und suizidgefährdet, tritt Ex-Marine John Creasy (Denzel Washington) in Mexico City eine neue Stelle an: Er soll die Tochter der Familie Ramos beschützen. Die zehnjährige Pita (Dakota Fanning) schließt den "traurigen Teddybären" sofort ins Herz - umgekehrt dauerts etwas länger. Als Pita auf offener Straße entführt wird, sieht ihr Bodyguard rot. Unterstützt von seinem alten Kumpel Rayburn (Christopher Walken) und der Journalistin Mariana (Rachel Ticotin) macht Creasy sich nach seiner Genesung auf die Suche nach den Drahtziehern der Entführung, um mit ihnen abzurechnen...

Auch wenn Denzel Washington (Training Day) in "Mann unter Feuer" schauspielerisch kaum gefordert wird, gibt er eine gelungene Darstellung des kompromisslosen Rächers ab, wobei er nicht gerade zahm mit seinen Zielobjekten umgeht. Kaum gefordert wird auch Christopher Walken (True Romance), der hier mal nicht den bösen Schurken mimt, und kann so eine gewohnt gute Leistung erbringen. Dakota Fanning (24 Stunden Angst) ist mal ausnahmsweise kein rotznäsiges, vorlautes oder altkluges Balg, das einem tierischst auf die Nerven geht. Daher stört sie auch nicht, sondern fügt sich gut in den Film ein. Radha Mitchell (Nicht auflegen!) geht auch in Ordnung und J.Lo.'s neuster Hochzeits-Hanswurst Marc Anthony (Tod in Bangkok) spielt den unsauberen Latino. Von Rachel Ticotin (Con Air) bekommt man zwar nicht allzu viel geboten, doch kann man sich auch mit ihr zufrieden geben. Hier und da hält dann noch Mickey Rourke (Double Team) seine Hackfresse in die Kamera, eher er in einem Pool verblutet.

In "Mann unter Feuer" kommen wieder Tony Scotts Markenzeichen zur Geltung: der häufige Gebrauch von Rauch, eingefärbten Lichtfiltern und durch Jalousien einfallenden Sonnenstrahlen. Auch actionmäßig bekommt man was geboten, auch wenn die Action von "Mann unter Feuer" nicht an "Last Boy Scout" heranreicht. Dafür können sich die Shoot-Outs mehr als sehen lassen und Denzel Washington gibt dem Begriff Arschbombe eine ganz neue Bedeutung. Leider wurde die Action von Tony Scott ziemlich sparsam eingesetzt und der erhoffte finale Showdown bleibt ebenso aus. Mit rund 140 Minuten fällt der Film für die etwas magere Story zudem mehrere Minuten zu lange aus. Man hätte ihn auch problemlos auf zwei Stunden runterschneiden können, ohne das der Film an Tempo und Inhalt verloren hätte. Vermutlich muss erst wieder einer wie Quentin Tarantino aufkreuzen, der Tony ein ordentliches Drehbuch in die Hand drückt, bei dem sich eine solche Filmlänge auch lohnen würde. Zudem wurden einige Teile des Films mir persönlich etwas zu hektisch geschnitten, so, dass man ab und zu die Übersicht verliert.

Nach Uma Thurman, The Rock und Tom Jane holt nun also auch Denzel Washington die Selbstjustiz-Keule raus und rechnet auf eigener Faust ab. Nicht so gut umgesetzt wie "Kill Bill" oder "The Punisher", kann "Mann unter Feuer" trotzdem noch gut unterhalten und hat mit Washington auch einen fähigen Hauptdarsteller zu bieten. Dabei ist der von Denzel Washington gespielte Creasy ein Charakter unserer Zeit. Fragen zu Gerechtigkeit und Moral, zu Racheakten und Vergeltungsschlägen beschäftigen uns heutzutage, wobei es Creasy mit der Moral nicht so ernst nimmt, was man bei Pitas Vater sieht. Somit bietet uns auch "Mann unter Feuer" ordentliche Action nach der guten alten Schule der 80er Jahre, wo Arnie, Stallone und Co. erst ballerten und dann fragten.

Mit "Mann unter Feuer" präsentiert uns Action-Meister Tony Scott routinierte und ordentliche Action-Kost, von der er uns aber auch mehr hätte bieten können. Mal abwarten mit was für einem Film der Mann uns als nächstes kommen will. Hoffentlich lässt er es dann zur Abwechslung mal wieder richtig krachen... und zwar lutzifermäßig, so wie wir es von ihm gewohnt sind.

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