Review

Directed by Tony Scott, das bedeutet „stylish filmmaking“, aufregende Farben, rauchiges Licht, Filter ohne Ende und rasante Optik.
Jetzt präsentiert er uns „Mann unter Feuer“ und man muß konstatieren, daß der Gute wohl „Traffic“ einmal zu viel gesehen hat, denn das Remake der Rächerstory aus den 80ern unter gleichem Titel leidet deutlich an seiner Krawalloptik.

Erzählerisch war ohnehin nicht Ultimatives zu erwarten, doch die Anwesenheit von Denzel Washington in der Rolle des ausgebrannten Anti-Terror-Kämpfers, der sich, dem Alkohol verfallen, notgedrungen als Leibwächter eines Mädchens verdingt, versprach wenigstens etwas Tiefe. Immerhin hat Washington genug Präsenz, um auch schlechte Filme noch auf ein unterhaltsames Level zu heben und hier versucht er sich auf ganz neuem Terrain, einem, welches bisher eher Stallone und Konsorten gehörte.
Langsam von der Sympathie zum Kinde aufgeweicht, wird nach der Entführung des Mädchens der Todessehnsüchtige mit dem neuen Lebensmut zum eiskalten Killer ohne Rückschau.

Interessanterweise besteht Washington nur den zweiten Teil seiner Prüfung. Während der gnadenlose Rächer ihm relativ problemlos paßt, hat er mit dem versoffenen, von eigenen Dämonen geplagten Sicherheitsmann so einige Probleme. Das ist aber nicht ihm anzukreiden, da das eindimensionale Drehbuch seiner emotional aufbereiteten Figur keinerlei Background zur Verfügung stellt.
Nie erfährt man, welche Ereignisse den Mann so mürbe gemacht haben, daß die Schuld ihn langsam absaufen läßt.
Aber das ist auch nicht so wichtig in dem Feuerwerk, das Scott hier abbrennt. In den vorderen Kinoreihen dürfte das Ergebnis für Augenschmerzen sorgen, viel schlimmer ist aber die offensichtliche Unentschiedenheit, ihr einen einheitlichen Look kreieren zu können.
Stakkatoschnitt, körnige DV-Bilder, Videoclipästhetik, Reißschwenks und ausgebleichte Farben, unterstützt von wackelnder Handkamera sollen die Härten des modernen Mexiko zeichnen; die Welt, die keine Gnade kennt.
Aber die Bilder sind nicht ausgewogen, stattdessen wird der Zuschauer immer im Unsicheren gehalten, wann das nächste Gewitter über ihn hereinbricht, selbst wenn auf der Leinwand eigentlich noch nichts geschieht.
Dazu bläkt ein Soundtrack aus den Boxen, der fatalerweise das ganze Spektrum von sakraler Klassik über Linda Ronstadt bis zu elektronischen Hardcorehymnen abdeckt.

So gesehen macht „Man on Fire“ nervös, bietet zwar den jungen Wilden ein hübsches Feuerwerk, versucht darüber aber nur, Substanz zu kaschieren, die eh kaum vorhanden ist.
Dakota Fanning, das zehnjährige Entführungsopfer, bietet eine großartige Leistung, aber in einer von diesen „perfect children“-Figuren, die nie etwas mit der Realität zu tun haben. Überdies verschwindet ihre Gestalt ab der Mitte des Films komplett, da sie bis 10 Minuten vor Schluß für tot gehalten wird, was der Kontinuität der Geschichte auch nicht gut tut, denn es gibt am Ende keine Zusammenführung, sondern nur ein Leben für ein Leben und das auch noch distanziert.

Auch der Blick auf Mexico City ist da ein zynischer, da man annimmt, das selbst in Columbien bessere Zustände herrschen und wenn doch nicht, so ist Scotts abschließender Gruß an die Stadt nach diesem Film wohl noch das Pissen auf die Asche. Kernig natürlich, daß hier mal wieder reihenweise Mexikaner, aber nur ein Amerikaner zu den Bösen gehört, doch letztendlich sind die Hintergründe der Entführung (die recht abwechslungsreich sind) der Story gar nicht so wichtig. Wichtig ist der Werdegang (oder Opfergang) der Hauptfigur und die ist und bleibt schemenhaft.

Herzhaft und deftig sicherlich die Gewalt und Gnadenlosigkeit mit der die Figur des Creasy hier die Bösen abstraft, aber dieser Selbstjustizstreifen, der sich wie alle seiner Art selbst auf die Schulter klopft, um dem Guten und Wahren ein besseres Gefühl zu verschaffen, bietet nichts, was Charles Bronson in den 70ern nicht auch schon drauf hatte, außer einem visuell durchgeknallten Regisseur und einem Hauch von Menschlichkeit mehr, doch über die Wertung „solide“ kommt „Man on Fire“ nicht hinaus. Vielleicht noch „handwerklich geschickt“ und „zu lang“, denn 140 Minuten für den Plot zu opfern, bedarf schon einiger Geduld. (6/10)

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